Aber alles Irrende, alle pronowschen und gronbachschen Befangenheiten sterben in einem geistigen Raum – im Welten-Ich.
Die Liebe ist gleichzeitig das größte Heiligtum und die bösartigste Falle. Zum größten Heiligtum wird die Liebe, wenn sie das ganze Seelenleben so erfasst, dass sie sich mit dem ewigen So-Sein, dem Weltgeist verbindet, wenn sie zum geistigen im Weltenall erwacht ist. "In diesem höchsten Sinne lieben, heisst den Hauch des Gotteslebens dahin tragen, wo zumeist nur der verabschungswürdigste Egoismus und die achtungslose Leidenschaft zu finden ist". (Steiner)
Wer die EINE LIEBE wirklich erfahren hat, wird sich niemals mehr mit dem vielen Lieben identifizieren – aber er wird sie stehts als eine Möglichkeit der EINEN schätzen, ehren und eben lieben.
"Allerdings, und hier gebe ich Gronbach Recht, besteht ein qualitativer Unterschied zwischen der Liebe eines Kindes und der eines Erwachsenen. Diesen Unterschied unverblümt zu kommunizieren, wäre tatsächlich eine Aufgabenstellung innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft."
Der Unterschied zwischen der kindlichen Liebe und der Liebe eines Erwachsenen ist, dass das Kind ganz Ego sein muss und seine Liebe im besten, existenzielle Sinne egozentrisch zu sein hat, der Erwachsene aber kann töten, was egozentrische und narzisstische Liebe ist – erst dann kann man von der Liebe sprechen, die sich "zum inneren, empfindenden Wesen der anderen Menschen" (Prochnow) wendet. Dann erst, wird jede Begenung zum Sakrament – vorher ist sie Maya.
Es stünde der Anthroposophischen Gesellschaft über 80 Jahre nach dem Tod ihres Gründers gut zu Gesicht, die Frage ‘Was man hat’ mit einem ehrlichen und charmanten ‘Nichts’ zu beantworten. Das, was man zu haben meint (Jugendstil-Kitsch, leerstehende ‘Arbeitszentren’, Versdichtungen und Vorträge R. Steiners) ist ganz und gar unrelevant im Verhältnis zu dem, was man eben nicht hat: Einen offenen, wissenschaftlichen (meinetwegen: ‘geisteswissenschaftlichen’) Diskurs über den Werkleib R. Steiners. Solche Diskurse werden nicht ohne Grund zurzeit nur hinter verschlossenen Türen in geschlossenen Zirkeln gepflegt.
"Wir sind eine alte, traditionsreiche, ernste und hierarchisierte Gesellschaft mit einer stolzen Basis."
das Folgende: "Die Anthroposophische Gesellschaft ist nicht hierarchisch."
Veranstaltungen oder Präsentationen, die vorgeben, diese Hierarchie existiere nicht, bilden nicht ab, was wir sind. Ich bin dafür, dass wir zuerst sagen wie es ist und dann wie wir es gerne hätten.
Hierarchien existieren aber noch auf einer anderen Ebene – und da widerspreche ich Prochnow nicht nur, sondern trete dafür ein, dass man diesen Hierarchien Respekt entgegen bringt.
Es gibt ein Kaleidoskop natürlicher Hierarchien, Systeme und Formen, es gibt eine natürliche Rangordnungen der Qualitäten. Es gibt nicht nur die Horizontale, es gibt auch die Vertikale.
Aus diesem Grund gibt es zwar niemanden der nur Lernender oder nur Lehrer ist, aber der eine lernt und lehrt auf einem höheren Ebene als ein anderer.
Dies zu leugnen, hieße die Wirklichkeit zu widerrufen.
Auch Prochnow leidet unter dem mit "Narzissmus infizierten Pluralismus" (Wilber). Es gibt, man mag es gerne hören oder nicht, die einen Menschen die sind weiter als andere. Weiter heisst in diesem Fall, dass sie mit mehr Bewusstheit erfüllt sind, als andere. Bewusstheit ist Erleuchtung. Erleuchtung kann total, aber auch graduell sein.
Wo Menschen sind, da gibt es zweitklassige Hierarchien (Ämter) und erstklassige Hierachien (Qualitäten), nicht immer ist die eine mit der anderen Deckungsgleich, aber ich trete für das Anerkennen der Qualitäts-Vertikalen ein.
"Meine Frage an Junge und Alte ist, was haben Sie der Anthroposophischen Gesellschaft zu bieten? Welche Ihrer besten Eigenschaften können Sie einbringen?"
antwortet Prochnow:
"Die Anthroposophische Gesellschaft muss kleiner werden, und sie muss sich weiter ausdifferenzieren. Die Anthroposophische Gesellschaft ist nur dort real, wo sie eben kein Verein, keine Gesellschaft im eigentlichen Sinn ist, aber sie braucht Vereine und Gesellschaften, weil ihr Anspruch überaus radikal und künstlerisch ist: Das Innerste mit dem Äussereren zu verbinden. Der Weg dorthin kann lang sein, oder kurz. Das entscheidet jeder Selber."
Verbindlichkeit gegenüber der geistigen Welt oder Rudolf Steiner oder der Anthroposophie gehört in die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Und wenn dort gepflegt wird, was Verbindlichkeit braucht, dann wird in der Gesellschaft frische, befreiende Luft wehen."
Wenn das so ist, dann ist die Größe der Anthroposophischen Gesellschaft weniger relevant, dann kommt die Gravitationskraft aus der Freie Hochschule für Geisteswissenschaft und dann ist in der Anthroposophischen Gesellschaft tatsächlich der Ort wo es nur Lernende gibt. Aber nicht weil es keine Hierarchie gäbe, sondern weil die Gesellschaft die eine und die Hochschule die nächste Ebene ist. Kann die Hochschule vieleicht eine Inspirationsgesellschaft sein?
Und plötzlich sind wir bei den Eliten. Ich für meinen Teil finde es nämlich arroganter, mich lächelnd zu einer Minderheit zu zählen, als mich zu der Elite zu bekennen. Elitär ist, wer sich zur Verantwortung bekennt ein Mensch zu sein. Ein freier Mensch – anstelle Gottes.
*Alle Steiner Zitate aus: Credo: Der Einzelne und das All. In: Wahrspruchworte, GA 40.











