Donnerstag, 6. März 2008

Das Absurde und das Heilige

Warum tun Sie das, was Sie tun? Warum stehen Sie morgens auf – fast immer so früh, dass es Ihnen eigentlich viel zu früh ist? Warum gehen Sie arbeiten – oft genug nicht mit reiner Freude und Frische? Warum gehen Sie Abends wieder nach Hause – nicht selten obwohl Ihre Sehnsucht sie woanders hin zieht? Warum engagieren Sie sich – oft mehr als andere? Warum stehen Sie für Ihre Sache gerade – obwohl viele gegen Sie sprechen? Warum tun Sie das alles, was Sie tun? Was treibt Sie an? Was ist Ihr Motor?

Neulich, in einem Gespräch, fragte mich mein Gesprächspartner genau das – ganz unvermittelt: „Warum tust Du das alles?“
Mein Gesprächspartner war, es klingt etwas seltsam, eine Persönlichkeit, die streng an ihren dunkeln Seiten gearbeitet hatte und etwas reines hat – etwas, was so durchlässig ist, dass etwas größeres durch sie sprechen kann.

Durch diesen Menschen fragte mich „Etwas“: „Warum tust Du das alles?“

Obwohl ich schon x-mal über diese Frage nachgedacht hatte, obwohl ich in einem Buch zu diesem Thema geschrieben hatte, obwohl ich ständig darüber rede, geschah das Folgende: Ich wurde rot. Mir fielen auf einmal alle albernen, selbstsüchtigen und grotesken Motive ein – sie standen alle vor mir und grinsten dumm. Alles alte Bekannte, mit denen ich einen Deal habe: Sie dürfen sich zeigen, sie werden alle kurz umarmt, liebkost und dann gehen sie schweigend wieder. Als sie schwiegen, antwortete etwas anderes auf die große „Warum-Frage“.

Diese Antwort war groß und strahlend und heilig und in diesem Moment wusste ich wieder, warum Anthroposophie mein Ding ist: Anthroposophie ist eine hervorragende Methode, um das sterbliche Ego zum schweigen zu bringen und das unsterbliche Heilige durch sich sprechen zu lassen.

Aber ich kapierte noch etwas: Wir machen oft zwei völlig unterschiedliche Fehler, die sich andererseits ähneln und beide zu destruktiven Folgen führen.

Wir stehen nicht zu unserem innersten Motiven. Weder zu den albern Absurden, was uns nur noch alberner und absurder macht, noch stehen wir zu dem Heiligen in uns. Manchmal denke ich, das erste ist wirklich schlimm und macht viele Menschen krank, aber das zweite ist noch viel schlimmer und macht noch viel kränker.

Das Absurde braucht zwischendurch ein paar Streicheleinheiten - aber das Heilige braucht mehr, viel mehr: Unsere absolute und ungeteilte Aufmerksamkeit, unsere bedingunslose Bereitschaft alles zu geben, damit dieses Heilige Wirklichkeit werden kann.

Ich schlage also vor, sich mit dem sterblich Absurden zu versöhnen, mit dem ewig Heiligen in uns aber zu vereinen und als das Heilige selber loszumarschieren und die Welt besser zu machen – war das nicht auch Ihr Motor?

Warum tun Sie das alles, was Sie tun? Was treibt Sie an?

1 Kommentare:

Cornelius hat gesagt…

Lieber Sebastian

Ist es nötig solche Fragen zu stellen?

Zitat:
>Warum tun Sie das alles, was Sie tun? Was treibt Sie an?

Das ist eine so müssige Frage!
Ich habe längst aufgehört sie zu stellen und wenn sie auftaucht, wische ich sie weg. Sie ist nur lästig!

Meine Frage ist: Habe ich Freude?
Auch wenn ich leide?

Bis jetzt konnte ich mir diese Frage mit "ja" beantworten.
Anders gesprochen heisst die Frage: erkennst Du eine Aufgabe in Deinem Dasein? Hast Du eine Aufgabe?
Wer sie mit "nein" beantwortet ist ein bemitleidenswerter "Mensch"

Die Antwort wäre dann schon so aus meiner Sicht:

Ich zitiere Dich:

>Darum kommt alles auf Dich an - >aber es geht nicht um Dich!

Gott braucht einen Sohn.

Das ist nicht von Dir ;-):
„Ecce Homo – siehe das ist der Mensch“