Freitag, 30. November 2007

Es werde Licht! Und Liebe.

Unspektakulärer geht´s nicht. An diesem Wochenende ereignet sich an den unterschiedlichsten Orten dieser Welt etwas, das man kaum als Ereignis bezeichnen kann. Mit starkem Engagement wird dieses Nicht-Ereignis vorbereitet und durchgeführt. So unspektakulär das "Ereignis", so unspektakulär der Name: "Adventgärtlein" nennen Einrichtungen aus dem anthroposophischen Kontext dieses Geschehen, bei dem eigentlich nichts geschieht. Was geschieht also?


Für viele ist es einfach der traditionelle und religiös bestimmte Beginn der Adventzeit - für andere ist es etwas, was über diesen religiösen Bezugsrahmen hinausgeht.

Äußerlich passiert dieses: In einem Raum wird mit Tannenzweigen ein spiralförmiger Kreis aufgebaut. In dem Raum ist es dunkel. Nur in der Mitte steht eine brennende Kerze - manchmal mit einer Rose und einer Lilie. Jeder geht nun mit einer Kerze, die in einem Apfel steckt, in die Mitte, entzündet sie dort und stellt sie, in Reihenfolge von innen nach außen, auf den Tannezweigen ab. Dann geht man wieder ruhig an seinen Platz.

Dieses christlich geprägte, aber in seiner Symbolik transreligiöse Ritual macht etwas aus den wilden Kindern und atemlosen Erwachsenen - es macht friedlich und es macht gespannt.
Im klassischen Bild ist es der Friede, den man mit dem Fest der Liebe verbindet und die Spannung die mit der Vorbereitung auf dieses Fest zu tun hat - aber das ist nur der spezifisch-kulturelle Rahmen, in dem sich ein weit größeres Phänomen zeigt. Es zeigt sich etwas, das es eigentlich nicht gibt. Denn entweder kennen wir Zustände die SIND, oder Ereignisse die WERDEN. Entweder Sein oder Werden.

Im Adventgärtlein fallen das Ewige des Seins und das Prozessuale des Werdens in einem Ereignis zusammen.

Die Kerze in der Mitte steht als ewig seiendes Licht und dieses Licht wird nicht kleiner, wenn man andere Kerzen an ihm entzündet: Man bedient sich, doch das was dient, bleibt, was es ist - ewiges Sein. Ob man seine Kerze anzündet oder nicht - das Licht bleibt immer dieses Licht.

Aber wer mehr Licht will, wer Erleuchtung des ganzen Raumes will, der muss einmal diesen langen Weg gehen und sich beugen und sich entzünden - dann nimmt man am selben Sein teil. Man hat etwas getan, hat sich auf den Weg gemacht, sich vor der Ewigkeit verbeugt und ist angekommen.

Dann richtet man sich mit dem Licht auf, geht als Lichtträger zurück und lässt dieses Leuchten im Herausgehen auf dem Weg stehen. Kein Kind, kein Erwachsener sitzt am Ende mit seiner persönlichen Kerze da - niemand ist persönlich erleuchtet.

Der Weg in die Mitte ist nicht leicht zu gehen und ohne diese aufrechten Persönlichkeiten, die bereit sind sich zu beugen, würde sich nichts ereignen und es bliebe bei diesem einen Licht - das Licht braucht also konzentrierte Lichtträger, aber niemand behält nach der Erleuchtung das Licht für sich. Jeder ist an diesem Abend unendlich bedeutsam und gleichzeitig endlich und vorübergehend.

Am Anfang ging ich als Kind immer hinein und wollte diese Licht, ich nahm es und im Herausgehen wurde mir klar, dass diese Erleuchtung zwar ohne mich nicht funktionierte, aber nun wichtiger wurde, als ich es selbst war.

Diese Erleuchtung ist nicht anti-personal, sie ist trans-personal. Sie ist nicht für mich oder gegen mich. Sie geht über mich hinaus.

Erleuchtung ist für niemanden da, kein Selbstzweck, Erleuchtung hat gar keinen Zweck - sie ist einfach ein evolutionäres Hellerwerden und Vervielfältigen des ewigen seienden Lichtes.
Das Eine zeigt sich im Vielen.

Der Zweck der Erleuchtung ist nichts Gegebens - das unterscheidet sie von allem anderen. Der Sinn der Erleuchtung ergibt sich nicht aus sich heraus. Der Sinn kann nicht gefunden werden. Er muss gegeben werden.

Wozu ist Hellerwerden gut?

Gehen Sie einmal zum Adventgärtlein in Ihrer Nähe und erleben Sie, wie es ist, wenn es licht und lichter und auch wärmer und wärmer wird.

Sie werden den Grund für diese Evolution der Erleuchtung in sich selbst finden.

Was ist dieses Licht? Was ist diese Wärme?

Licht und Wärme. Das ist alles was ist.
Alles andere sind Formen dieser Formlosigkeit.
Licht ist ist Freiheit und Leere.
Wärme ist Liebe und Fülle.
Freiheit und Liebe. Das ist alles was ist.

Und wird.

Montag, 26. November 2007

Retreat




Sonntag, 25. November 2007

Ball oder Bombe? Zander und Kiersch


Vor dem Streitgespräch mit Prof. Helmut Zander in Berlin, hatten wir Johannes Kiersch zu uns nach Bochum in das Arbeitszentrum der Anthroposophischen Gesellschaft NRW eingeladen. Johannes Kiersch, Jahrgang 1935, ist ein angenehm seriöser und profunder Experte der Geschichte der Anthroposophie. Er ist aber nicht nur eine glaubwürdig Fachmann für Anthroposophie, er ist auch ein moderner Anthroposoph und seinen geschliffen und besonnen Worten, täuschen nicht darüber hinweg, dass Kiersch zu den modernsten Analytikern der Anthroposophie zählt.

Bevor uns Johannes Kiersch seine Erwartungen zu dem bevorstehenden Berliner-Gespräch mitteilte und wir mit ihm über seine Ansichten sprachen, gab Anna-Katharina Dehmelt, als detailgenaue Kennerin des Zanderschen Werkes, einen umfassenden Einblick in die beiden viel diskutierten Bände.

Ihre klare, kritische inhaltlich Analyse, aber auch positiv persönliche Einschätzung, schloss sie mit dem Kommentar, dass Zander den Anthroposophen einen Ball zugespielt habe, den es nun gekonnt aufzunehmen gelte. Dieses Bild besprach ich anschließend mit Johannes Kiersch und wir waren uns einig, dass das, was da bei uns liegt, eben genau dieser Ball und keine Bombe sei.
Wir in AnthroNRW-Land haben intern mit dem Zander-Ball trainiert und wir freuen uns auf das nächste öffentliche Spiel. Es kann gerne explosiv werden - aber es bleibt ein faires Spiel. Bei allem Ernst.

Auch Anna-Katharina Dehmelt schloss sich dieser Interpretation an und sowohl sie, als auch Kiersch kamen überein, dass die kritische Auseinandersetzung mit der Arbeit von Prof. Zander für die Anthroposopen eine gute Chance ist, die es jetzt zu nutzen gelte. Auch intern, indem man sich selber Rechenschaft ablege über Kontextualisierung und Historisierung der eigenen spirituellen Bewegung. Weil diese Bewegung nicht nur eine aktuelle soziale Ausrichtung hat, sondern auch eine philosophische Grundlage, wollen wir diese Zusammenhänge noch genauer untersuchen.

Sowohl unsere Veranstaltung in Bochum, als auch das kommende Streitgespräch in Berlin sehen wir als eine weitere gute Möglichkeit, einen öffentlichen Diskurs über Anthroposophie führen zu können. Wir freuen uns über diese Öffentlichkeit, denn wir Anthroposophen stehen dafür, Menschen weiter zu bringen. Weltweit, ganzheitlich und seit über hundert Jahren.

Anthroposophie steht also nicht im "Im Fadenkreuz der Wissenschaft", wie manche etwas übertrieben militaristisch behaupten, sondern in einem ganz normalen öffentlichen Diskurs. Sie steht nicht vor dem Abschuss, was dieses schiefe Bild vermittelt, sondern sie ist eingeladen sich zu äussern.
Wer nicht völlig in medienfreier Zone lebt, sondern zwischendurch mal eine Bundestagsdebatte verfolgt, die Zeitung liest oder eine Talkshow im deutschen Fernsehen anschaut, dem ist der direkte, harte, herausfordernde und unterhaltsame Stil (den auch Zander bisweilen pflegt), kein Beweis für eine grundsätzliche Gegnerschaft - sondern authentischer Ton des 21. Jahrhunderts.

Martialisches Säbelrassen ist unangemessen – vielmehr könnte die Streitlust aktiviert werden. Streit schafft Fortschritt. Wir befinden uns nicht im Fadenkreuz oder im Schützengraben, sondern in einer völlig normalen, öffentlichen, postmodernen Debatte. Die mediale Begleitung sorgt für plakative Deutlichkeit – wer sich vor diesem, immer auch spielerischen, Duell-Dialog fürchtet, soll sich mit der Rolle des Zuschauers begnügen und das Feld den Streitlustigen überlassen.

In dieser Debatte ist Johannes Kiersch ein angemessener Gesprächspartner für Zander – zumal der ehemalige Waldorflehrer nicht nur ein progressives Bild der Anthroposophie vertritt, sondern auch einfach weiss von was er spricht. Als Zeitgenosse und als Anthroposoph.

Alles was an formalisierter und etablierter Anthroposophie existiert, ist für Kiersch nicht mehr im eigentlichen Sinne "esoterisch", sondern ist für ihn "Anthroposophie als Fossil" – dass sich Zander ausschließlich mit diese Fossilien als Forschungsprojekt befasst, ist dem Historiker nicht vorzuwerfen, macht ihn aber eben nur bedingt zu einem wirklich umfassend gebildeten Gesprächspartner. Uns andererseits, fehlt diese Perspektive – man könnte sich also auch einfach gegenseitig zuhöhren und versuchen die Perspektive des Gegenüber zu verstehen. Kiersch, so meine Einschätzung nach dem Gespräch, kann das - und er kann vermitteln was Anthroposophie im Inneren zu sagen hat.

Sowohl Zander, als auch Anthroposophen, hilft sicherlich der Griff auf Ken Wilber und seine vier Quadranten. Denn hier wird deutlich, dass Zander nichts, aber auch gar nichts zu "oben links" zu sagen hat (was insofern besonders problematisch ist, weil dieses "oben links" natürlich den Mensch Zander zu einem Viertel ausmacht - und somit auch den Historiker) Andererseits haben es wir Anthroposophen es bisher kaum fertig gebracht, Steiner souverän in den Kontext der beiden unteren Quadranten einzuordnen - diese wiederum mach zwei Viertel dieser Persönlichkeit aus.

Zander fehlt, was auch den meisten Anthroposophen fehlt: Der integrale Blick. Ohnen diesen integralen Blick bleibt das Ganze unsichtbar. Der nun kommende Dialog ist ein erster Schritt, das Ganze in den Blick zu nehmen.

Donnerstag, 22. November 2007

Neo´s No

Heute habe ich Lust auf bruchstückhaftes. Ausführliches dazu dann ab Februar in meinem Buch...

Wir lernen in der Schattenarbeit alles zu integrieren Das ist richtig. Wenn Sie alles integriert haben, wenn alles in Ihnen ist und Sie zu allem "Ja" gesagt haben, wenn Sie gegen nichts mehr opponieren, sondern alles in sich haben, dann ist es Zeit. Zeit für das große und umfassende NEIN. Das NEIN, zu allem was nicht wahr ist. Es ist Neo´s NO. Es ist der Moment, der alles decodiert.

Aristoteles:
"Das Nützlichste, was man für Leben lernen kann: alles zu verlernen, was nicht wahr ist."
Sagen Sie zu allem "Nein", was nicht wirklich ist.

Morpheus:
"Was ist die Wirklichkeit? Wie definiert man das, Realität? Wenn Du darunter verstehst, was Du fühlst, was Du riechen, schmecken oder sehen kannst, ist die Wirklichkeit nichts weiter als elektrische Signale interpretiert von Deinem Verstand. "
Aufgabe:
Streichen Sie alles aus ihrem Leben was nicht wahr ist.
Alles.

Wenn Sie fertig sind, dann bleibt ein Ich-Bin in alle Richtungen.
Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit

Dann gehts los: Werden Sie die Gedanken, die Sie denken. Werden Sie die Worte, die sie sagen. Werden Sie die Taten, die Sie tun.

Sonst ist nichts. Das ist alles. Das ist der Anfang der schon einmal war – jetzt machen wir´s besser. Die zweite Schöpfung beginnt.

Neo:
"Ich bin nicht hier, um euch zu sagen, wie die Sache ausgehen wird. Ich bin hier, um euch zu sagen, wie alles beginnen wird."
Wie?
Es liegt an Ihnen.

Darf man das? Was ist mit der Vergangenheit?

Man darf. Es ist das Erwachen. Es ist der Höhepunkt, der im Nirwana zusammenfällt.
Rudolf Steiner sieht es so:
"Der Mensch erfühlt sich dann in einem noch höheren Gebiete, als die ihm schon vorher bekannte geistige Welt eines ist.
Es soll diese Welt, in welcher sich nur das «Ich» erleben kann, die übergeistige Welt genannt werden.
Will nun die Seele in die übergeistige Welt übertreten, so muß sie durch ihren eigenen Willen ihre Erinnerungen aus der physischen und der elementarischen Welt austilgen.
Sie kann das nur, wenn sie aus dem Geistergespräch die Sicherheit gewonnen hat, daß sie ihr Dasein nicht völlig verlieren werde, wenn sie alles das in sich vertilgt, was ihr bisher das Bewußtsein dieses Daseins gegeben hat.
Die Seele muß in der Tat sich vor einen geistigen Abgrund stellen, und an demselben den Willensimpuls fassen, ihr Wollen, Fühlen und Denken zu vergessen.
Sie muß auf ihre Vergangenheit in ihrem Bewußtsein verzichten."
Worauf warten Sie?
Verzichten Sie auf die Vergangenheit in ihrem Bewusstsein.
Was bleibt ist das, was immer war:
Ein Ich-Bin in alle Richtungen. Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

"Hieße das nicht den Tod des jetzigen Leibes vorzuziehen?"
"Das Gegenteil vom Leben ist nicht der Tod - das Leben hat kein Gegenteil. Das Gegenteil vom Tod ist Geburt" (E. Tolle)
Es heisst also zu sterben bevor man stirbt. Das jetzige Leben wird erst zum LEBEN, wenn man die Selbstheit, das Ego sterben lässt - dann tritt das ein, was man die wahre Wiedergeburt nennen kann. Dann kann man Leben und Werden.
Es ist die geistige Wiedergeburt - alles andere über Wiedergeburt ist die Illusion, die sich das Ego davon macht.
"Ist die Vergangenheit nicht auch ein Teil des Wahren in uns?"
Das Wahre in uns hat keine Vergangenheit. Das Wahre in uns ist ewige Gegenwart. Es kann sich allerdings verändern. Wenn wir aufwachen.
"Würden wir nicht wichtige Aspekte unseres Seins unseres "Ich-bin" verleugnen, wenn wir auf die Vergangenheit verzichten?"
Ich (Sebastian) und Ich-Bin ist nicht nur nicht das Selbe. Es ist absolut verschieden. Sebastian kommt und geht wieder. So wie das Klima. So wie ein Dino. So wie ein Twix. Ich-Bin bleibt und in das Ich-Bin geht nur ein, was der wache Sebastian gedacht, gefühlt und getan hat. Darum ist Sebastian bedeutsam - nichts als Sebastian.
Ich verleugne die Illusion der Vergangenheit und ziehe somit den Vorhang zur Ewigkeit auf - um diese Ewigkeit, die Ich-Bin, zu vollenden.

Montag, 19. November 2007

Anthroposophie ist was für Träumer

EM 2004. Wir spielten gegen die Holländer. Ich hüpfte in der Kneipe auf und ab wie das berühmte HB Männchen. Seit dem legendären Spiel gegen Frankreich bei der WM 1982 bin ich Fußball-Fan – damals trank ich meinen ersten Schluck Sekt. Wie immer, wenn wir gegen Holland spielten regte ich mich ganz besonders auf und mitten zwischen zwei Hüpfern sagt einer neben mir diesen Satz: "Hoi Sebastian – das ist alles nur Maya". Maya ist ein Wort aus dem Sanskrit und bedeutet Illusion oder Täuschung – Maya war ein Wort, was mich damals in den Wahnsinn trieb. Aber wo er Recht hat, da hat er Recht, der Jelle van der Meulen. So ein Fußballspiel ist wirklich nur eine Illusion und eine Täuschung. Genau so wie Autos, Mcdonalds, und Waldorfschulen Illusionen sind. Das Leben ist Illusion. Ist das wirklich so?

Was mich damals selber nervte und was man von jedem Guru zu hören bekommt, nämlich dieses Gequatsche von Maya, Täuschung und Illusion, das verstehe ich heute von einem anderen Standpunkt aus, als wichtigstes Element meines Lebens.
Immer wenn ich mit Menschen über Maya und Täuschung spreche, dann höre ich die Sorge, dass mit dieser Sicht auf die Welt eine abwertende oder Lustfeindliche Haltung gegenüber dieser Schöpfung verbunden sei. Freud und Leid soll nur Täuschung sein? Macht uns das nicht zu erbarmungslosen Fatalisten oder anämischen Jungs?

Das wäre, als würde man sagen, dieser Blog bestehe ja gar nicht aus geistigen Inhalten, sondern nur aus Zeichen und Symbolen, also ist dieser Blog nur eine Täuschung.

Die Täuschung liegt in ihrem Anspruch der Ausschließlichkeit – der Blog ist Maya ist Täuschung – die wirkliche Wirklichkeit lebt nicht als Blog, sie lebt hinter dem Blog, hinter den Augen die dieses Wort lesen, sie lebt hinter Ihnen und hinter mir, sie lebt in dem, der weiss, dass DU diesen Blog jetzt liest, die Wirklichkeit liegt im Bewusstsein unseres gemeinsamen GEISTES.

Aber wir leben so, als wäre der Blog und die Zeichen und das Plastik um Ihren Computer die einzige Wirklichkeit. Genau so als wären McDonalds und Waldorfschulen die Wirklichkeit...Was WIRKLICH ist, ist unsichtbar.

Du liest nicht diese Seite.
ES liest diese Seite durch Deine Augen.
Dieses ES bist DU und das Leben ist die schönste Illusion, der "schönste Schein" den es gibt.
Du lebst in DEINEM Schein.
Das, was wir als "Gott" bezeichnen, hat sich im schönen Schein manifestiert, er scheint durch alles durch.
DU scheinst durch alles durch.
DU scheinst Dir entgegen.
Dieses Leben hat nur einen einzigen Sinn: Es zu Leben, als diese göttliche Manifestation – als DEINEN verwirklichten Willen. Der Sinn des Lebens ist das Leben.

"Geringster Schmerz und größtes Glück", das ruft uns diese Manifestation überall als Leitmotiv entgegen. Das ist ihre Botschaft und jedes Menschenkind hat diese Information tief und fest als Code des Lebens in sich verankert:
Life is for living.
Unsere wahre Natur ist GLÜCKLICHSEIN - wir streben danach
. Immer. Allerdings auf den verschiedensten Ebenen.

Jeder, der an dieser Freude erfahren durfte, kann erleben, dass es die Möglichkeit gibt, sich zu verpflichten, diese Freude möglichst vielen Menschen zu ermöglichen – nichts anderes ist soziales Engagement und kein anderes Ziel hat sie, als geringsten Schmerz und größtes Glück als Massenphänomen zu verwirklichen.

Gerade weil das Leben uns als eindrucksvolle, manifeste Illusion geschenkt wurde, gilt innerhalb dieser Matrix: Schmerzminimierung und Glücksmaximierung – und zwar so, dass im besten Fall die Teilhabe aller und im realistischen Fall, die Teilhabe möglichst vieler gesichert ist.
Mache die Illusion zu einer schönen Illusion – alles andere wäre das Gegenteil von Deinem ursprünglichen Willen.

Denn Gott hast diese Welt nicht geschaffen, weil er ein Problem erschaffen wollte, oder Schmerzen, oder Leiden. Er hat die Welt aus sich heraus erschaffen - seine Natur ist das Gute, Wahre und Schöne. Er hat die Welt nicht erschaffen, weil er große Sorgen hatte, sondern weil er vor Glück zersprungen bist, weil die Schönheit übergeflossen ist, weil die Freude sich zeigen, spiegeln und vermehren wollte. Gott wollte sich selbst manifestieren. Gott ist kein Problem, sondern die Lösung. Also ist das Leben, Schöpfung und der Mensch nicht das Problem, sondern die Lösung.

Weil der ethische Individualist die Ideenwelt, die monistische Welt, die WIRKLICHKEIT, sein eigentliches Zuhause nennt, weil er Kenntnis davon hat, dass diese wunderschöne Welt die gespiegelte Realisation einer unendlich höheren, grenzenlos bedeutsameren Welt ist, wird er höchsten mit Haut und Haar, vielleicht mit Leib und Seele, aber niemals mit seinem Geist diese Illusion des Lebens mit der Wirklichkeit des LEBENS verwechseln.

Jeder kann zur WIRKLICHKEIT aufwachen. Das Wort aufwachen ist sehr passend, weil es zeigt wie einfach es funktioniert und das nichts zusätzlich getan werden muss ausser dies: Augen auf! Dieses "Augen auf" steht dafür, dass es beim "Erwachen" niemals darum geht mehr zu wissen und mehr zu verstehen, sondern immer nur darum, etwas zu entfernen: Die dünne, dünne Wand zwischen Traum und Erwachen.

Die WIRKLICHKEIT hat zunächst nichts, aber auch gar nichts mit dem Leben zu tun, welches wir Alltag nennen und welches alles umfasst, was in 24 Stunden passt.
Die WIRKLICHKEIT ist etwas völlig und absolut anderes. Sie passt immer nur in kleinen Stücken in die Wirklichkeit.


Das LEBEN verhält sich zum Leben wie Wachen zum Träumen. Wir können im Traum die klügsten Strategien entwickeln um vor den Monstern oder zu flüchten – aber alles spielt sich nur im Traum ab. Innerhalb des Traumes gibt es keine echte Lösung.
Die Lösung heisst: Erwachen.

Wer zur WIRKLICHKEIT erwacht ist, hat dann aber eine Möglichkeit, die an ein Wunder grenzt – die wirklich ein Wunder ist – etwas was völlig neu ist in unserer Welt:
Er kann sich entscheiden, die WIRKLICHKEIT in die Wirklichkeit zu bringen und somit die WIRKLICHKEIT noch größer zu machen, noch schöner und noch wahrer.

Nur erwachte Menschen sind in der Lage, gleichzeitig dem LEBEN und Leben etwas zu geben.
Wer im LEBEN angekommen ist, der schafft das Wunder, welches vor ihm nur einer schaffte, nämlich Gott: Er kann die EWIGKEIT in 24 Stunden packen – zumindest soviel, wie davon in 24 Stunden passt.


Anthroposophie ist eine effektive und erprobte Methode, einen Menschen so zu trainieren, ihn so zu festigen und mit seelischen Fähigkeiten auszustatten, dass dieser nach der erleuchteten Erfahrung des EWIGEN LEBENS, unmittelbar und ohne Zögern loslegen kann.

Nämlich damit, die zweite Schöpfung zu initiieren.
Es ist der große Sprung, der eine vollkommen andere Qualität hat, als alle anderen Schritte, die die Menschheit bisher getan hat.


Dieser erleuchtete Mensch erhebt sich nicht über andere – er ist ihnen enthoben und darum kann er ihnen dienen.

Er kann sich beugen, biegen und am Ende brechen – weil er weiss, dass er in WIRKLICHKEIT unbeugbar, unbiegbar und unbrechbar ist.

Anthroposophie ist eine moderne Einweihungswissenschaft.
Rudolf Steiner entwickelte brauchbare Methoden um Seelenstärke, Seelengesundheit und spirituelle Fähigkeiten zu formen.
Sie führen nicht zwingend zur Erkenntnis, dass er und sein Ego nichts sind als die albernstes und lächerlichste Traumtäuschung aller Zeiten – sondern Anthroposophie versetzt den erwachten Menschen eine Sekunde nach dem Erwachen in die Lage, andere Menschen in ihren Träumen beizustehen und dort wo es geht, beim Erwachen zu helfen.
Anthroposophie schult die Seelen, damit diese unmittelbar nach dem Erwachen aktiv werden können – wenn sie denn wollen: Um Wissen zu vertiefen, Frieden zu schaffen, Freude zu ermöglichen, Freiheit zu verwirklichen, Schönheit zu vermehren und um ein guter Mensch zu werden.

Wer als Anthroposoph erwacht, der schwebt nur Sekunden in der Luft, dann entscheidet er sich - ganz aus sich heraus, aus seiner anthroposophischen Seelenstärke heraus - die Evolution nach vorne zu bringen.

Ein durch Anthroposophie geschulter Eingeweihter will aber nicht nur erwecken, er ist auch schon glücklich, wenn er den Albtraum eines anderen in einen schönen Traum verwandeln kann – mehr ist sein Anspruch, aber mehr geht manchmal einfach nicht. Er greift in die bösen Träume anderer Menschen ein, um dort die Monster und Tiger zu jagen.

Auf eine verrückte Art kann man sogar sagen, dass Anthroposophie eine Traumschule ist.
Sie verwandelt den Menschen im Traum in ein Wesen, welches bei Aufwachen voll ausgerüstet bereit steht. Anthroposophie schult den Krieger des Lichts, während dieser noch schläft, sie arbeitet mit Schlafenden und wenn diese erwachen, dann gibt es kein Zögern, sondern dann geht’s ab.
Anthroposophie scheut sich nicht davor, mit Träumern zu arbeiten, weil sie darauf setzt, dass diese Träumer eines Tages aufwachen – dann stehen sie nicht nackt und schläfrig da, nicht wissend was sie mit dieser neuen Freiheit anfangen sollen.
Nein, sie wachen in Rüstung und mit Fähigkeiten auf und sind sofort hellwach.
Mit klaren Ziel, festem Willen und allen Fähigkeiten die sie brauchen. Sie haben die Freiheit und sie nutzen sie - als Menschenfreunde.
Aufwachen, aufstehen und aufrechen sind dann eine Bewegung.

Wer dann zwischendurch mal schlafen will, der kann das tun. Vielleicht träumt er dann von Deutschland gegen Holland...oder so...von Bier, vom Spaß und vom...Es gibt nichts vergnüglicheres als die Träume von Erwachten...

Donnerstag, 15. November 2007

Junge, energische Dame sucht...

Die Stimme der jungen Dame ist energische fünf mal auf meinem Anrufbeantworter. Ich war einige Tage nicht Zuhause und rufe sofort zurück. Junge Damen mit energischer Stimme will ich keinesfalls warten lassen. „Anja Michaela Vietor – schön, dass Sie anrufen. Es geht um folgendes...“ dann erzählt mir Frau Vietor von einem spannenden Projekt, welches unverschuldet in Not geraten ist. Das Projekt ist sehr einfach und gleichzeitig anspruchsvoll: „Wir wollen Kindern geben was sie brauchen“. Es sind Kinder die viel brauchen und die Waldorfpädagogik hat viel zu geben. Das Problem ist auch einfach und ebenso anspruchsvoll: „Wir brauchen wenig Geld um viel Geld zu bekommen.“ Hört sich komplizert an? Ist es aber nicht – lesen Sie selber, was die junge Dame mir anschließend schreibt. Ach ja, zum Abschied frage ich sie, ob sie mit einer Priesterin der Christengemeinschaft verwandt sei – ich wurde seinerzeit von einer „Frau Vietor“ getauft. „Ja, das ist meine Tante“. „Ach“.

Nun bitte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser von AnthroNRW um nichts anderes als ein paar Minuten Aufmerksamkeit für die Nichte meiner Tauf-Priesterin – sie können sie auch einfach anrufen. Vielleicht haben Sie kein Geld, aber Ideen...und in jedem Fall bekommen Sie etwas zurück. Die energische Stimme einer jungen Dame...richten Sie ihr meine besten Grüße aus!


Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wir hatten den Mut, im Sommer diesen Jahres eine Schule zu gründen, die Freie Schule Hotzenwald e.V. in Herrischried im Südschwarzwald.

Ich habe mich entschieden, Ihnen darüber zu berichten, da wir mehr Unterstützung brauchen. Wir leben in einem alten Bauernhaus, umgeben von dazugehörigen Wiesen, Weiden, Wald, einem Fluss, einem Esel, Ziegen und Schafen.

Uns liegt die Waldorfpädagogik am Herzen, und wir haben der Schule den Waldorflehrplan zugrunde gelegt. Darüber hinaus arbeiten wir frei nach dem, was die Kinder brauchen, der Idee einer Dorfschule folgend mit klassenübergreifendem Lernen, Projekten aller Art in der Natur und mit den Tieren. Wir bemühen uns um neue Formen des Miteinaner-Lebens und -Lernens, um der Situation vieler heutiger Kinder gerecht zu werden, die z.B. als unbeschulbar gelten, die Schule verweigern oder unter dem manchmal allzu grossen Druck an öffentlichen Schulen leiden, die ADS-Kinder sind oder überhaupt zu den sog. "neuen" Kindern zählen.

Ursprünglich einfach als alternative Schule vor Ort gedacht, zeigte es sich bald, dass gerade besonders diese Kinder zu uns kommen. Wir haben die Schule mit viel Mühen und grossem Einsatz rasch zur Gründung gebracht, da einige der Kinder schon da waren und die Schule dringend brauchten. Wir haben sie nun mit 16 Kindern eröffnet im Alter von 1. bis 6. Klasse, verteilt auf zwei Gruppen mit je zwei Lehrern. Längerfristig erweitert sich die Schule auf 12 Kinder pro Jahrgang und 12 Schuljahre.

Im Haus gibt es ausserdem seit zwei Jahren eine Spielgruppe des Familienzentrums Hotzenwald e.V., und seit diesem Sommer beginnend ein Mehrgenerationenhaus des Familienzentrums mit Kursen, Elternschule, Netzwerk, Hort und weiterem, welches von der Stiftung Kinderland des Landes Baden Württemberg gefördert wird.

Mit der Schule sind wir nun in eine Notlage geraten, da wir 100 000,- Euro, die uns für das erste Schuljahr als Darlehen zugesagt waren, nun doch nicht erhalten. Somit können wir die nächsten Gehälter nicht bezahlen und müssen die Schliessung der Schule befürchten. Wir bitten Sie daher um Förderung und Unterstützung. Eine Hilfe wäre es, monatliche Zuwendungen für drei Jahre zu bekommen von vielen einzelnen Menschen, die damit einen Förderkreis bilden. Auch kleine Beträge helfen dabei.

Meine Idee ist, dass dieser Förderkreis längerfristig auch weitere Schulgründungen unterstützen könnte. ( Oder gibt es einen solchen Kreis schon? ) Besonders hilfreich für jetzt wäre es, wenn sich 30 bis 40 Menschen finden, die für bis zu 3000,- Euro bürgen, dann können wir dafür ein Darlehen von der GLS-Bank bekommen, oder uns mit einem Darlehen helfen möchten, die jetzige Situation zu meistern.

Unsererseits schicken wir gerne regelmässige Berichte über die weitere Entwicklung unserer Schule, sowie alle gewünschten Informationen.

Ich danke Ihnen für Ihr inneres Zuhören beim Lesen dieses Berichtes. Auch Ihre guten Gedanken helfen uns und den Kindern!

Mit freundlichen Grüssen und guten Wünschen
Anja Michaela Vietor

Interessenten und Helfer bitte an: Anja-Michaela.Vietor@gmx.de

Freie Schule Hotzenwald e.V.
Talstr. 30
79737 Herrischried
Tel: 07764 / 497
www.freieschulehotzenwald.de (noch in Arbeit )
E-Mail: andrea.hackel@freieschulehotzenwald.de

Sonntag, 11. November 2007

Ein Leben für den Milchkaffee

"Ich ärgere mich immer, wenn ich morgens auf Ihren Blog gehe und da gibt es nichts neues!" Das sagte in diesen Tagen ein junger Mann zu mir, der mich wirklich erstaunt hat. Nicht wegen dieses Satzes, sondern wegen seiner höflichen Aufmerksamkeit. Höflichen Aufmerksamkeit ist kein besonders großes Wort, aber ich meine es groß und tief und weit. Eine große und tiefe und weite höfliche Aufmerksamkeit. In seinen Augen scheint ein Scanner eingebaut zu sein. Bei allem höflichen Respekt vor dem Leben, scannt das Leben nach LEBEN ab. In den letzten Tagen, das ist auch der Grund für meine "Blogckade", traf ich mich mit dem Leben in der anthropsophischen Szene. Ich war viel unterwegs und würde Ihnen, meinen Lesern, gerne ein paat Takte davon erzählen. Eines sage ich Ihnen sofort: Anthroposophie erscheint mir als eine fantastische Möglichkeit seine persönlichen Potentiale immer mehr zu erweitern und zu vertiefen – dies alles, um damit gleichzeitig das über-persönlichen Leistungsvermögen der Menscheit auszubauen. Anthroposophie hat bewiesen, dass sie dem Leben dient. Durch Anthroposophie wurde das Leben menschlicher – ich bin sicher, dass diese Leistung in der nächsten Zeit gewürdigt wird. Von unten stützen, kann man das alles heute schon. Das Leben und die Menschen, da hat Anthroposophie Maßstäbe gesetzt. Aber was ist mit dem LEBEN?

Ich war also viel unterwegs. In intensiven Sitzungen mit Kollegen im Arbeitszentrum der AnthroposophischenGesellschaft in NRW/Bochum, mit Gästen beim FreiTalk, mit einem Priester der Christengemeinschaft und immer wieder mit meinen Kollegen von der Firma für Anthroposophie.

Am Anfang der Woche hatte ich ein langes Gespräch mit dem ärztlichen Direktor der Geschäftsführung des Gemeinschaftskrankenhauses in Herdecke. Ein Vorbild an unermüdlichen Engagement und dem Willen immer besser das erfüllen zu können, was seine Mission ist: Für den Patienten da zu sein. Den desktruktiven Schicksalsschlag von einem Menschen abzuwehren und diesen in eine lebendig werdende Bewegung zu verwandeln, die in ein neues Leben führt. Herdecke hat sich verpflichtet alles zur Gesundung seiner Patienten zu tun – aber es hat einen Selbstanspruch der darüber hinaus geht. Herdecke will heilsam sein. Es wird Zeit, dass der anthroposophischen Medizin ein Denkmal gebaut wird.

Bei einem Treffen mit den Öffentlichkeitsarbeitern der anthroposophischen Unternehmen und Organisationen, sprachen wir auch über die Rassismus Debatte. Es waren alle gekommen: Vom Bund der Waldorfschulen, über Demeter und GLS Bank und viele andere, bis zu Weleda.

Ich freue mich darüber, dass meine Stellungnahme, die vor bald zwei Jahren verfasste und die damals für heftige Gegenreaktionen aus Teilen der anthroposophischen Szene geführt hat, nun Allgemeingut zu werden scheint.

Anschließend gab es ein Meeting mit den Redakteuren der verschiedensten anthroposphsichen Zeitschriften von a tempo, über Erziehungskunst, Die Drei, Das Goetheanum und info3, bis zu Lebendige Erde und. Neben vielem was uns eint und manchem was uns trennte, steht unbestritten fest: Die Ideen Steiners sind an unglaublich vielen Orten Wirklichkeit geworden. Dieser spirituelle Humanismus hat das konkrete Leben von konkreten Menschen besser gemacht. Diese Menschen, das ist unser eindeutiger Eindruck, wissen zu unterscheiden: Zwischen berechtigter Kritik an Anthroposophie und haltlosen Diffarmierungen.

Das alles hat etwas mit dem Leben zu tun. Aber wenn ich es abscanne, dann frage ich mich: Was hat das mit dem LEBEN zu tun? Sind wir im LEBEN so gut wie im Leben. Ich denke nicht. Ein Beispiel:

Ich hatte neulich ein konzentriertes Gespräch über den "Hüter der Schwelle", den Steiner als eine "im Menschen steckende geistige Wesenheit" bezeichnet, "die man selber ist, die man aber so wenig durch das gewöhnliche Bewusstsein erkennen kann, wie das Auge sich selber sehen kann."

Der "Hüter" ist die letzte Instanz innerhalb Egos, welche mich daran verhindert, die Schwelle zur Geistigen Welt zu überschreiten, die Schwelle, die jenseits des Egos führt.
Im "Hüter an der Schwelle" sammeln sich alle egoischen Irrtümer des Menschen zu etwas, was man als einer wesenartige Essens erleben kann. Diese Essens besteht nicht aus diesen oder jenen Irrtümern, sie ist "der Irrtum".


Im großen HorrorMoment der Selbsterkenntnis, steht der Mensch vor diesem Irrtum, der er selber ist. Er betrachtet sich wie von aussen und erkennt alles das, womit er sich bisher identifiziert hat (am Ende selber seine Person mit diesem oder einem anderen Namen), als Irrtum. Das ist der Anfang vom Ende des Egos.

Für viele Anthroposophen scheint dieser "Hüter der Schwelle" eines von vielen weiteren realen Wesen zu sein, welches zusätzlich neben mir existiern.

Ich denke, dass solche Gedanken nur auf einer kräftigen purpur-roten Seele wachsen können, die zwar einen Herr-der-Ringe-Charme, aber ansonsten wenig mit moderener Anthroposophie zu tun hat. Es geht nicht darum, ob es übersinnliche Wesen gibt oder nicht, es geht ausschließlich darum wessen Ursprungs sie sind und wo sie leben.
Sie leben in uns - sie sind wir. Sie sind Imaginationen unserer seelischen Struktur.

Die Wahrheit von der wir hier reden, ist "niemals eine Abspiegelung von irgendeinem Realen, sondern ein freies Erzeugnis des Menschegeistes, das überhaupt nirgends existierte, wenn wir es nicht selbst hervorbrächten", so Steiner.
Der gesamte Inhalt der esoterischen Anthroposophie existiert nicht an sich und unabhängig von einem schöpferischen Bewusstsein. Er verdankt sich dem "freien Erbilden der geistigen Welten", wie Steiner es nennt.

Menschen sind Engelmacher - wir schaffen bewegliche Bilder von Zuständen in uns.

Die Kraft und Selbstverständlichkeit, mit der manche Anthroposophen über Wesenheiten als sprechen, hat mich als Kind zutiefst beeindruckt.

Ich war eben ein Kind.

Heute kann ich mich nicht entscheiden, ob es als bedauerliche Seelensenilität oder anerkennenswerte Imaginationen einer "alten Seele" bezeichnen soll.

Vielleicht ist es so: Sich tradierter Bilder und Beschreibungen zu bedienen und diese dann mit neuem Leben zu erfüllen ist immer dann eine Hilfe wenn diese in suchenden Menschen als Anreiz funktionieren, eigene Erfahrungen und Erkenntnisse zu machen.
Sobald diese lebendigen und vorläufigen Imaginationen zu fixierten und endgültigen Kopien einer viel größeren, eigenen Wirklichkeit werden, verhindern sie selbständige, Erfahrungen und Erkenntnisse.
Imaginationen und Mythen können ein Aufzug sein. Ob er nach oben oder unten führt, hängt von zwei Dingen ab. Davon, was man selber für einen Knopf drückt, aber auch davon, was die anderen, die schon im Aufzug standen als man eintrat, vorher gedrückt hatten.

Im Grunde gibt es nur zwei Knöpfe: "Prä" oder "Trans".

Ich drücke auf "Trans", aber ich frage mich, wie lange ich warten muss, bis ich mit meinen Freunden nach oben gefahren werde.
Vielleicht sollte ich einfach aussteigen und wieder die Treppe nehmen. Nichts leichter als das. Ich rase die Stufen hoch.
Da sitzt ein Mann.
Der junge Mann von höfflicher Aufmerksamkeit steht vor mir und fragt mich:

Wohin führt die Treppe ganz am Ende?

Direkt in das LEBEN.

In das Leben?

Nein. In das LEBEN.

Und der Unterschied ist?

Der Unterschied ist, dass im LEBEN das ganze Leben erscheint, aber im Leben nur ein Bruchteil des LEBENS verwirklicht ist.

Ist das, was Du das LEBEN nennst, dasjenige, was Steiner die geistige Welt nennt?

Nein. Im LEBEN gibt es keine geistige Welt. Im LEBEN findt man nur das LEBEN – das LEBEN hat kein Gegenüber.

Sondern?

Das LEBEN ist das Bewusstsein in dem das Leben erscheint. Steiner nennt es die "übergeistige Umwelt".
Sie ist die Leere, die Stille, das Nirwana. Diese Leere ist Fülle, die Stille ist Weltklang und Nirwana ist "höchste Gipfel des Bewusstseins und Seins", wie unser Freund Steiner sagt.
Es ist nicht Gott, es ist Über-Gott. Ohne Wesen, ohne Gedanken, Gefühle ohne einen Willen. Nur Sein. Mitten im endlosen Raum ohne Mitte und Aussen, lebt ein immerwährendes Ich-bin. Du kennst dieses Ich-Bin. Fühl, was Du jetzt fühlst. Fühl das Ich-Bin. Das ist es, was Du am Ende findest.

Sonst ist da nichts?

Ich sag Dir mal was noch NICHT drin ist: Keine Erlebnisse und Erinnerungen der Sinnes,- der elementarischen und der geistigen Welt. Es gibt nichts darin, was Du jemals gedacht, gefühlt, gewollt hast. Mit anderen Worten: Wenn Du ganz oben angekommen bist, dann ist nichts mehr da ausser einem: Du. Dein "wahres Ich". Das LEBEN. Die Quelle des Lebens. Du. Die Quelle, die Du immer bist. Auch jetzt und jetzt und jetzt.

Und was ist dann die geistige Welt von der Anthroposophen immer sprechen?

Das sind die Stufen in diesen Raum. Das Licht, das zur Erleuchtung führt. Wenn Du im LEBEN bist, bist Du ausserhalb aller Stufen. Alles was vorher war, erscheint Dir nun "als eine äussere Welt". Auch alles was geistige Welt war. Hier erlebst Du nichts anderes als ICH.

Die geistige Welt ist nur eine Stufe?

Ja.

Die ganze Anthroposophie ist an und für sich dann nichts als ein paar Stufen?

Naja. Wenn man nach oben will und wenn man nicht mit dem Aufzug fahren möchte, der vielleicht nach unten führt, können Stufen recht nützlich sein. Anthroposophie ist nichts was man suchen oder finden muss. Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, den man gehen kann.

Um in das LEBEN zu kommen? Da wo Leere ist? Ohne geistige Wesen? Ohne ein Gegenüber? Alles im Ich-bin? Das scheint mir nicht besonders attraktiv dort.

Stimmt. Darum bist Du ja auch hier. Darum hast Du die Welt erschaffen und das LEBEN zugunsten des Lebens aufgegeben. Man kann auch sagen, Du hast die Einheit durch Unterscheidung vernichtet. Anthroposophie gibt es, weil Steiner sich entschieden hat, aus dem LEBEN heraus für das Leben zu dienen. Der Fluss des LEBENS fließt durch Dich ins Leben - vorausgesetzt: Du bist das LEBEN.

Und warum soll ich jetzt wieder zurück?

Gegenfrage: Willst Du glücklich und frei sein? Ich meine so glücklich und frei wie Du überhaupt nur sein kannst?

Ja. Aber geht es nicht darum, anderen zu helfen?

Denkst Du, Du kannst anderen besser helfen, wenn Du unglücklich und unfrei bist?

Das nicht, aber Deine absolute Dimension des Glücks, des Eins-Sein, scheint mir doch eher wie eine Illusion. Meine anthroposophischen Freunde würde sagen, eine "luziferische Illusion".

Das Leben ist eine Illusion. Das LEBEN ist die einzige Wirklichkeit und wenn Du die kennst, dann kannst Du aus überquellendem Glück und aus Freiheit heraus tun was Dir beliebt. Oder Du lässt es. Das Leben gehört Dir, wenn Du das LEBEN kennst. LEBEN ist GLÜCK. Fließe in das Leben über. Sei fruchtbar für das Leben.

Ich bin frei und glücklich. Wie kommt das?

Weil Du verstehst welcher Sinn hinter allem ist.

Jetzt bin ich gespannt.

Der Sinn ist der, den Du gibst. Anthroposophie bereitet Deine Seele so vor, dass sie fähig ist, den Sinn zu finden und vor allem im Leben zu verwirklichen , den Du im LEBEN kennengelernt hast. Anthroposophie führt nicht nur in das LEBEN, sie stattet Dich mit Fähigkeiten aus, das LEBEN in das Leben zu bringen...Aber ohne das LEBEN ist sie zwar eine nette Bürgerbewegung, aber auch nicht mehr.

Das klingt mir etwas simpel. Warum hat Steiner 6000 Vorträge gehalten, wenn alles so einfach ist?

Das hat er sich manchmachl auch gefragt. Aber vor allem, weil er es konnte. Er war im LEBEN und wenn man aus dem LEBEN heraus das Leben anschaut, dann kommt man schon auf richtig gute Ideen. Das reicht locker für viele tausend Vorträge - wenn man denn will.

Mhmm. War Steiner eigentlich ein Anthroposoph?

Steiner hat jedenfalls nie Steiner gelesen um wie Steiner zu werden. Anthroposophie hat zwei Verwendungsmöglichkeiten. Sie ist erstens ein Botton-up-Erkenntnisweg, der in das LEBEN führt – kartografiert und formuliert von Steiner. Sie ist zweitens das Resultat des Steinerschen Überquellens aus dem LEBEN in das Leben, also eine Top-down-Bewegung. Diese Fülle, die er in das Leben aus dem LEBEN goss, ist einzigartig unter den erleuchteten Gurus.

Ist man noch Anthroposoph, wenn man im LEBEN steht?

Nein. Niemand ist "etwas" im LEBEN. Im LEBEN ist man das LEBEN. Es ist das gleiche wie GLÜCK. Auch wenn man Steiners Überfluss nutzt, ist man kein Anthroposoph. Dann ist man Bäcker, Bauer, Lehrer oder Arzt, der diese oder jene Anleitung befolgt. Man ist Teil einer Bürgerbewegung.
Anthroposoph ist man, wenn einen die Fragen nach dem Sinn des Leben auf dem Erkenntnisweg nach oben treiben, oder wenn man, von oben kommend, anderen den Weg nach oben zeigt. Manchmal vermischen sich diese Bewegungen auch.


Ok. Wie kommt man da hin?

Eigentlich ist es ganz, ganz einfach. Man muss einfach immer weiter gehen. Stufe für Stufe. Dabei holt Anthroposophie jeden ab wo er steht. Den einen im Knast, den anderen in der Hochschule.
Es geht immer und ständig darum, seinen gegenwärtigen Standpunkt zu transformieren.
Das geht immer so weiter und irgendwann gibt es einen leisen oder lauten Knall und Du stehst im LEBEN. Dann kannst Du entweder als Mensch zurückgehen und andere Menschen den Weg weisen oder ihnen so oder so beistehen, oder Du machst sonst irgendwas, oder Du läßt den lieben Gott nen guten Mensch sein...Eines darfst Du allerdings niemals vergessen.

Nämlich?

Wenn Du Dich entscheidest wieder zurückzugehen, dann entscheidest Du Dich dafür ein Mensch zu sein. Du entscheidest Dich für Vorläufigkeit, für Fehler, für Sünde und für Unvollkommenheit. Für den ganzen Katalog an menschlichen Schwächen – aber es gibt einen riesigen Unterschied.

Den Du mir sicher erzählst?

Ja. Du weißt, dass alles das, was Du bist und darstellst, nichts, aber auch rein gar nichts mit dem zu tun hast, was du wirklich bist. Weil Du in dem immerwährenden Gefühl lebst, dass Du nichts von allem bist was man das Leben nennt, sondern Du bist das LEBEN, was sich Deines Lebens bewusst ist. Du bist der Raum, in dem alles erscheint und Du hälst alles in Liebe und väterlicher Mütterlichkeit in Deinen Armen. Du fühlst Dich frei und Du kannst Dich engagieren - aber nicht weil Du musst, sondern weil Du es liebst.

Was hast Du gemacht, als Dir das alles klar wurde?

Ich hab meinen Milchkaffee leer getrunken – den besten meines Lebens, dann hab ich alles sehr genau in mein Buch geschrieben und der Spaß ging dann erst los.
Ich sprang aus dem LEBEN in das Leben und erkannte und umarmt das Leben als das LEBEN.

Was denkst Du, soll ich als nächstes tun?

Bleibe aufmerksam. Scanne weiter. Suche das LEBEN und gib Dich niemals mit dem Leben zufrieden...und genieße Deinen Milchkaffee Denn Milchkaffee gibt es exklusiv für Menschen.

Ein guter Milchkaffee ist immer ein guter Grund, ein Mensch zu werden.