Immer häufiger werden die Reaktionen der Menschen, die sich, von dem was ich sage und schreibe, angezogen und abgestoßen fühlen – alte Verbindungen werden intensiviert oder aber abgebrochen. Das eine tut weh, das andere tut gut. Beides ist normal. Was stört Menschen, an dem was sie bei mir hören und lesen? Zunächst, so denke ich, dieses: Es ist nichts neues. Dann dies: Es ist einfach.
Etwas einfaches und altes, kann das gut sein? Muss nicht alles neu und vor allem kompliziert sein?
Zum einfachen und alten könnte man auch sagen, dass es das ist, was wir tief in uns spüren, aber aus einem einzigen Grund ablehnen: Weil es Konsequenzen hat. Wer immer auf der Suche ist und niemals ankommt, der hat immer eine erstklassige Ausrede:
"Ich bin ja noch nicht soweit – wir üben ja noch – ich muss noch viel lernen" usw. Wenn alles ganz einfach wäre, dann müssten wir alle Konsquenzen sofort leben, vor allem diese eine Konsequenz:
Es liegt alles an uns.
Viele Menschen koketieren mit Gott. Wer mit Gott koketiert hat sich noch nicht entschlossen die Verantwortung anzunehmen, er hat sich noch nicht entschieden die Wahrheit zu leben die einen frei und glücklich macht. Sie sterben lieber langsam, als frei zu leben.
Die Wahrheit ist, dass es keinen göttlichen Willen gibt den wir zu erfüllen haben. Ausser diesem: Gottes Wille zu sein. Die göttliche Idee hat den Drang, sich in uns zu einer Erfahrung zu verwandeln. Er kann sich nur durch unser Selbst erfahren.
Das ist die wirkliche Selbst-Erfahrung.
Gott weiss nicht wie ein Bier schmeckt, einfach darum, weil Gott alles ist und in allem ist. Er braucht einen Sohn, etwas also, was eine Verbindung zu ihm hat und doch so frei ist, dass es sich vom Vater verlassen fühlt. Er braucht diesen Sohn, um zu erfahren was ein Bier ist.
Gott ist jedes Buch – und er braucht unser lesen, denken und unsere Gespräche um erfahrungsmäßig zu erleben, zu fühlen und zu erleben was in ihm selber geschrieben steht.
Gott braucht unser Gebet um sich selber zu hören.
Gott braucht unsere unendliche Demut um seine unendliche Dimension zu erfahren.
Gott versteht so viel von sich, von seinem eigenen So-Sein, wie wir bewusst erleben.
Gott erlebt sich durch unser bewusstes denken, sprechen und tun.
Rudolf Steiner formuliert diese alte Erkenntnis sehr einfach:
"Der Weltengrund hat sich in die Welt vollständig ausgegossen; er hat sich nicht von der Welt zurückgezogen, um sie von außen zu lenken; er hat sich ihr nicht vorenthalten. Die höchste Form, in der er innerhalb der Wirklichkeit des gewöhnlichen Lebens auftritt, ist das Denken und mit demselben auch die menschliche Persönlichkeit. Hat somit der Weltengrund Ziele, so sind sie identisch mit den Zielen, die sich der Mensch setzt, indem er sich darlebt. Nicht indem der Mensch irgendwelchen Geboten des Weltenlenkers nachforscht, handelt er nach dessen Absichten, sondern indem er nach seinen eigenen Einsichten handelt. Denn in ihnen lebt sich jener Weltenlenker dar."
"Live Free or Die Hard" - in Deutschland heisst der Film nur "Stirb langsam". Das ist typisch und es ist nur die halbe Wahrheit. Die halbe Wahrheit bringt dich um.
Die ganze Wahrheit macht Dich frei.
Samstag, 30. Juni 2007
»Live Free or Die Hard«
Mittwoch, 27. Juni 2007
Lichtes denken, lichtes fühlen, lichtes tun. Kurzfassung des Vortrags in a tempo
Das war ein guter Abend im Rudolf-Steiner-Haus in Stuttgart. Es hat mich glücklich gemacht, dass meine Worte sich mit der Offenheit der vielen Zuhörer verbinden konnten. Der Applaus war schön, noch schöner war, die Wahrnehmung der neuen Spirale der Evolution. Eine Spirale der Evolution entsteht überall dort, wo Menschen bereit sind, ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Bilder nicht nur wie einen Schatz zu bewahren, sondern ihn als Treibstoff nutzen, um sich auf die nächste Ebene der Entwicklung zu schrauben.
Ein besonderer Power-Treibstoff, ist ein einfaches Gefühl.
Wenn sich unser „Ich-bin-ich-Gefühl“, dieses Gefühl, welches wir seit unserer frühsten Kindheit kennen und welches uns immer, konstant, klar und sicher durch alle biografischen Stürme, Modifikationen und radikalen Umwälzungen begleitet hat, wenn ich dieses tiefe und sichere „Ich-bin-ich-Gefühl“ von meiner Person, von meinem Ego löse und es immer weiter und weiter und weiter auf meine Nächsten und auf alles was mich umgibt ausbreite, dann passiert etwas sehr seltsames und sehr ergreifendes: Du, ich, Alle und Alles sind aus dem Selben – sind das einfache, unendliche Selbe in vielfacher, aber endlicher Version.
"In mir ist Gott - ich bin in Gott" nennte Steiner diese Meditation auf einer Wandtafelzeichnung.
Gott und ich sind in diesem Gefühl nicht mehr getrennt, wir sind non-dual, wir sind alle aus demselben Bewusstsein, aus dem heraus sich alles, auch Sie, auch ich, auch Du und alle anderen manifestieren.
Jedes unserer „Ich-bin-ich-Gefühle“ sendet einen Sonnenstrahl in die eine kosmische Sonne und die Sonne strahlt zu uns zurück. So wir uns in ihr sonnen, so sonnt sie sich in uns. Die Sonne erwärmt unser Herzen, aber auch wir erleuchten ihre Wärme.
Wenn ich diese Meditation mache, dann erfahre ich, wie ich diesem Göttlichen in mir eine Chance geben kann: Ich muss mich selbst verwirklichen - mein wirkliches, wirkliches gemeintes Ich, mein Sonnen-Ich, zur Welt bringen.
So betrachtet ist das Leben keine Entdeckungsreise, sondern ein Schöpfungsakt.
Manche sage, „Mhmm mal sehen was der Tag für mich heute so bereithält – ich werde alles nehmen wie es kommt.“
Netter Gedanke. Falscher Gedanke.
Wir stehen morgens auf, um den Tag zu erschaffen.
Wir erschaffen unsere Realität.
Wir erschaffen ihn auf verschiedenen Ebenen. Durch das was wir denken, sagen und tun.
In diesem Sinne gibt es kein Schicksal.
Das nämlich ist die Antwort auf die Frage was unser Schicksal, unsere Bestimmung ist: Unsere Bestimmung ist, keine Bestimmung zu haben.
Unser Schicksal ist, dass wir entscheiden können was unser Schicksal ist.
Steiner sagt es so: „…und der Mensch ist die Lösung“.
Wir können nämlich gemeinsam mit der Gottes-Menschheit herausfinden, was wir vorhaben,
experimentieren, was alles möglich ist und endlich das erschaffen, was wir für schön, wahr, edel und gut befunden haben.
Ich will nicht nur meine Lebensgrundlagen sichern und die Erde immer grüner, gesünder und natürlicher machen. Anthroposophen sind nicht angetreten um die Welt immer grüner zu machen und sich ihre Lebensgrundlagen auf hohem Niveau zu sichern.
Mir geht nicht darum, dass ich gesundes esse, ich will lichtes Denken.
Erst wenn ich Lichtes denke,
leuchtet meine Seele;
erst wenn meine Seele leuchtet,
ist die Erde ein Stern;
erst wenn die Erde ein Stern ist,
bin ich wahrhaft Mensch.
Herbert Hahn
Die ultra Kurzfassung dieses Vortrages finden Sie auch in der Juli-Ausgabe vom „Lebensmagazin - a tempo“, der Verlage Freies Geistesleben und Urachhaus.
A tempo liegt in vielen Kultureinrichtungen und natürlich, integriert in das dm-Kundenmagazin "alverde", in allen dm-Drogeriemarkt Filialen aus.
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Montag, 25. Juni 2007
60 Jahre Verlag Freies Geistesleben - Vortrag im Steiner Haus Stuttgart
In diesem Jahr feiert der Verlag Freies Geistesleben sein großes Jubiläum.
Ich selber verdanke diesem Verlag, der seit 1947 existiert, viele magische Momente. Der Stuttgarter Verlag hat mich mit seinen Romanen als Jugendlicher begleitet, aber vor allem seine anthroposophischen Reihen haben mich immer wieder inspiriert, manchmal geärgert aber vor allem dazu beigetragen, dass meine innere Karte der Anthroposophie detailierter, präziser, reicher und vor allem wirklichkeitsgemäßer wurde.
Ich drehe mich mal um und greife spontan in meinen Bücherschrank.
Da haben wir zum Beispiel: Das Buch von Frans Carlgren "Der anthroposophische Ereknntnisweg". Es hat mir, durch die gute Erläuterung der Nebenübgen, ermöglich meine moralische Konstitution zu festigen.
Dann: Ron Dunselmans Buch "Anstelle des ICH – Rauschdrogen und ihre Wirkung". Ich war völlig fasziniert von der Symbiose aus medizinisch-kulturellen-biologischen Fachwissen welches sich mit einem seherischen Blick auf den Menschen verband
Nach diesem Buch, gründete ich einen studentischen Lese,- und Debattierclub. Es gab nur zwei Bedingungen: Der wechselnde Gastgeber hatte ein erstklassiges Mahl zu servieren und jeder Teilnehmer musste sich einige Wochen intensiv auf das Thema vorbereiten – ich wollte keine Meinungen, sondern Erkenntnisse austauschen und dabei studentische Beziehungen fördern.
Und hier: Lievegoeds "Durch das Nadelöhr", in dem er dem Journalisten Jelle van der Meulen seine Leben und seine Visionen diktiert. Mit diesem Buch verbinde ich Stunden, die mir tiefe Einblicke in die okkulte Welt der Anthroposophie geschenkt haben. Aber ich verbinde damit auch, dass ich Jelle einige Jahre später kennen lernen durfte und ihn heute einen "Freund" nennen darf. Einen echten Partner.
Dann noch dieses. Meinen ersten Vortrag – noch ganz an der klassischen Waldorfpädagogik orientiert – hätte ich ohne das Buch "Temperamente in der Pädagogik" von Peter Lipps, niemals halten können.
Natürlich sind Temperamente auch Klischees. Aber sie bilden das erste, recht vordergründige System einer Typologie des Menschen.
Auch auf den Schritten zur ersten Selbsterkenntnis, die im wesentlichen daraus besteht, dass man erkennt, was alles nicht zu einem gehört, war dieses Buch für mich grundlegend.
Oft waren es auch schmale Bücher, wie "Feindbild Steiner" von Walter Kugler, die mich für Diskussionen oder schrifftliche Beiträge wappneten.
Wenn ich auf diese Bücher schaue, von denen natürlich die "Themen aus dem Gesamtwerk Rudolf Steiners" einen besonderen Platz haben, wenn ich bedenke, wie wichtig mir diese Bücher waren und sind, dann freue ich mich wie ein Schneekönig, dass mich dieser Verlag, unter der Überschrift »In der Anthroposophie wird alles, was der Mensch macht, zur Kunst« eingeladen hat, einen Geburtstagsvortrag zu halten.
Der Vortrag gehört zu einer "Reihe von 10 x 60 Minuten-Vorträgen namhafter Autoren, die zu Themen für das Leben Stellung nehmen" wie der Verlag in einer Broschüre informiert.
Mein Thema, ausgewählt vom Verlagsleiter Jean-Claude Lin wird lauten:
Leben mit der Welt –
oder:
Wie alles nicht ist, wie es sein sollte und dennoch so ist, wie es sein muss!
Der Vortrag findet am Dienstag 26. Juni, 20 Uhr im Rudolf Steiner-Haus (Foto), Zur Uhlandshöhe 10 in 70188 Stuttgart statt. Eintritt: € 6,– / Ermäßigt: € 3,–
Ich freu mich auf Stuttgart!
Immerhin stammt meine ganze Familie aus der Stadt des Deutschen Meisters.
Das verpflichtet :-)
Weitere Informationen, die Termine und RednerInnen der weiteren Vorträge und den Flyer zur Vortragsreihe als pdf-Datei, finden Sie auf der Internetseite des Verlages Freies Geistesleben.
Samstag, 23. Juni 2007
Thesen von Professor für Religionspsychologie stützen Felix Hau: „Steiners Einweihung fand mit neunzehn Jahren statt“
Es war ein Skandal, der die ganze anthroposophische Szene über Monate elektrisierte und bis heute bewegt. Vom Goetheanum-Vorstand über den einen oder anderen kauzigen Desperado bis zu verschiedenen Publikationen (pdf-Perseus-Verlag) ging es immer wieder um die eine Frage: Wann fand die Einweihung Rudolf Steiners statt und was hatte das ganze mit dem Christentum zu tun?
Schließlich kam es nicht nur zu einem Kolloquium, zu dem der Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft Felix Hau und Jens Heiterkamp eingeladen hatte, sondern auch zu einem kritisch-kosntruktiven Debatte, die in der Zeitschrift info3 veröffentlichte wurde.
Die Zeitschrift Info3 gab sich im Zuge dieser Debatte den neuen Untertitel "Anthroposophie im Dialog" und postulierte daraus die Kraft des Dialoges.
Begleitet wurde das ganze von Boykottaufrufen und vielfältigsten Debatten im Internet.
Nun stützt der Professor für Religionspsychologie und Religionspädagogik, an kirchlichen Hochschule für Philosophie in München, Prof. Dr. Bernhard Grom, in einem aktuellen Artikel für die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen die "Einweihungs-These" von Felix Hau.
Seinem katholischen Hintergrund entsprechend, nennt er dieses Ereignis nicht "Einweihung", sondern das "Schlüsselereignis einer mystischen Einheitserfahrung". Im Ergebnis kommen Grom und Hau aber zur selben Schlussfolgerung: Der Moment auf dem bei Steiner alles weitere aufbaut, war dieser:
Hau hatte, zusammengefasst, damals geschrieben:
"Es gibt jenen Brief Steiners an seinen Freund Josef Köck, in dem er von einem ihn stark bewegenden, revolutionären Erlebnis berichtet, dessen er eines Nachts teilhaftig geworden ist - ein Erlebnis, das meiner schon länger bestehenden Ansicht nach das Einweihungserlebnis Steiners gewesen ist.
Die Kernpassage des Briefes
Es war die Nacht vom 10. auf den 11. Januar, in der ich keinen Augenblick schlief. Ich hatte mich bis halb ein Uhr Mitternacht mit einzelnen philosophischen Problemen beschäftigt, und da warf ich mich endlich auf mein Lager; mein Bestreben war voriges Jahr, zu erforschen, ob es denn wahr wäre, was Schelling sagt: >Uns allen wohnt ein geheimes, wunderbares Vermögen bei, uns aus dem Wechsel der Zeit in unser innerstes, von allem, was von außen hinzukam, entkleidetes Selbst zurückzuziehen, und da unter der Form der Unwandelbarkeit das Ewige in uns anzuschauen.< Ich glaubte und glaube nun noch, jenes innerste Vermögen ganz klar an mir entdeckt zu haben geahnt habe ich es ja schon längst -; die ganze idealistische Philosophie steht nun in einer wesentlich modifizierten Gestalt vor mir; was ist eine schlaflose Nacht gegen einen solchen Fund!`" Soweit Steiner.
Mehr als eine gewagte Idee
Der info3-Redakteur Hau hatte nun eine, seinen Worten nach, "ganz gewagte Idee", die er in der ersten von zehn Thesen so formuliert:
"Dasjenige, was man als Steiners Einweihung bezeichnen kann, geschah mit 19 Jahren."
Professor Grom (Foto) bestätigt nun die prägenden Bedeutung dieses Schlüsselerlebnisses, dem er bereits in dem 1989 erschienen Buch "Anthroposophie und Christentum" eine große Bedeutung
beigemessen hatte. Seine Formulierungen ähneln denen von Felix Hau nicht nur im Großen und Ganzen, sondern sind bis ins Detail so formuliert:
"Ich vermute, dass er (Steiner) in immer neuen Versuchen eine spirituelle Schlüsselerfahrung begründen und erschließen wollte, die er kurz vor seinem 20. Geburtstag erlebte, als er nächtelang über philosophische Fragen, zumal über die Aussage Friedrich Wilhelm Joseph Schellings nachdachte: ‚Uns allen wohnt ein geheimes, wunderbares Vermögen bei, uns aus dem Wechsel der Zeit in unser innerstes ... Selbst zurückzuziehen und unter der Form der Umwandelbarkeit das Ewige in uns zu schauen.’ Dies habe er, schrieb er einem Freund, ‚ganz klar’ an sich entdeckt: ‚Was ist eine schlaflose Nacht gegen solche einen Fund! Und der Morgen kam heran ...; ich war außer mir – ungeheuer bewegt; was war zu tun, um beruhigt zu werden...’ (GA 38, 63).
Mit den Worten, dass Steiner "in immer neuen Versuchen eine spirituelle Schlüsselerfahrung begründen und erschließen wollte" schließt er sich Haus Vermutung an, dass Steiner dieses Erlebnis und kein anderes später das ‚Gestandenhaben vor dem Mysterium von Golgatha’ genannt und als dasjenige Erlebnis angegeben habe, auf das es bei seiner Seelenentwicklung ankam.
Steiner und das Eine
Grom führt weiter aus, dass die "Philosophie der Freiheit" das Werk sei, in dem Steiner die Erfahrung des "Ewigen in uns" philosophisch begründet habe; dass nicht nur sein "Gedanken-Monismus" im Lichte dieser Erfahrung zu verstehen sei, sondern auch seine drei Stufen Imagination, Inspiration und Intuition, die letztlich nur ein Ziel hätten, nämlich "das Einswerden mit den höchsten weltschaffenden Wesenheiten der All-Liebe", so Grom mit den Worten Steiners. "Biografisch handelt es sich wahrscheinlich um das Erlebnis des ‚Ewigen in uns’, das Steiner mit 20 Jahren erfuhr."
Auch Steiners Umschreibung des "Vater unser" in "Ich Väter in den Himmeln" (GA 148, 60), deutet Grom nicht polytheistisch, "weil die Göttermächte und Hierarchien nicht als Person, sondern als Kräfte eines All-Einen betrachtet werden." Und auch hier sieht Grom Steiners frühe Einweihung als Bewegrund für die Entwicklung eines Gottesbegriffes, der nicht in einem dualen "Du" verharrt, sondern, der das "All-Eine" in einer "Vielheit von Kräften" denkt.
Steiner und Christus
Weil - so Grom, Steiner rezipierend - "die Entwicklung des Einzelnen Teil der gesamten Kosmos- und Menschheitsentwicklung" sei, gehöre auch "der Christus", als eine "besonders hohe Indvidualisierung des Geistigen" zu dieser Entwicklung dazu. Christus-Jesus ist in dieser Deutung kein singulärer, unwiederholbarer, göttlich-interventionistischer Einzelfall, nicht der einzige Sohn Gottes, nicht der Messias, sondern die besonders expressive Version eines Individuums, welches die Einheitserfahrung des All-Einen gemacht hatte.
Dieses Individuum, Jesus Christus, wurde dann "der herrschenden Mythologie einverleibt" wie wie Wilber die weitere Entstehung des Christentum dann weiter beschreibt - eine Beschreibung der sich der Müncher Professor sicherlich nicht anschließen würde.
Grom zeigt ein modernes Verständnis Steiners, wenn er ihn so interpretiert, dass dieser davon ausgeht, dass alles Geistig-Göttliche sich sich in alle bekannten und unbekannten Formen von Materie und Geist konzentrieren und metamorphisieren will um sich selber weiter entwickeln zu können.
Vor diesem Hintergrund der grom´schen Erläuterung Steiners, erweist sich der Dialog mit Andrew Cohen als folgerichtig, der dieses Gedanken Steiners in einem info3 Interview so fasst: "Gott wird sich seiner selbst in mir bewusst".
Kritik ist Lob
Es ist nicht nur selbstverständlich, dass der Theologe Professor Grom "einige Rückfragen" an Steiner hat und kritisch erklärt, "wo ich ihm nicht folgen kann".
Es ist nicht nur selbstverständlich, sondern geradezu ein Lob von höchster Stelle an Steiner und die Anthroposophie, dass ein katholischer Theologe nicht mitkommen will, wenn jemand das Ich des Menschen zu einem Teil des Göttlichen erklärt und damit postuliert, dass sich das Göttliche unmittelbar in jedem. offenbart, "der sich von ihm inspirieren lässt, ohne einer einmaligen geschichtlichen Offenbarung im menschgewordenen Christus und des Zeugnisses von Augenzeugen zu bedürfen: ohne Bibel, Dogmen, Kirche", so Grom.
Grom versteht die Anthroposophie so, wie Steiner sie verstand, wenn er darlegt, dass die "geistige Entwicklung, die zur Anthroposophie" führt, "die biblischen Schriften und überhaupt alle Religionen überholt".
Trans-christliche Anthroposophie
Mit dem Wort "überholen" spricht Grom an, was info3 als "trans-christlich" versteht, also nicht das Verneinen dieses Ausdruckes geistiger Wahrheiten, sondern die Würdigung ihres Gehaltes und ihre Transzendierung auf eine höhere Wahrheitsebene.
Für Steiner, so Grom sei das Christentum und alle Religionen, etwas, in das "zwar Erkenntnisse von Initiierten eingegangen" seien, "jedoch nur nach dem Fassungsvermögen ihrer Zeit, Region und Rasse, während heute durch die Anthroposophie eine weiter fortgeschrittene Initiation und Erkenntnis und damit ein ‚überreligiöser Weg’ (GA 143, 132) und ‚höherer Standpunkt’(GA 143, 132f) möglich sei".
Mit diesen Verweisen decken sich Groms Aussagen auch mit der fünften Hau’schen These, in der er darauf verweist, dass Steiners Einweihung "nichts - und zwar überhaupt nichts - mit dem Christentum zu tun" habe.
Ausgerechnet ein Jesuit? Gott sei Dank!
Die Tatsache, dass Haus Thesen nun "ausgerechnet" von jesuitischer Seite geteilt werden - Professor Dr. Bernhard Grom (SJ) lehrt an der "Hochschule für Philosophie" die sich in der Trägerschaft der Gesellschaft Jesu befindet, - wird für manchen Anthroposophen ein weiterer Grund sein, sie als haltlose Diffamierungen zu interpretieren und eine erneute Fatwa aus dem Goetheanum zu fordern.
Für andere - und ich zähle mich dazu - bestätigt diese Schrift die eigenen spirituellen und okkulten Erfahrungen, die in dieser und nur in dieser Anthroposophie ein Zuhause finden.
Dass Grom am Ende seines erstklassigen, kenntnisreichen und ausgesprochen fairen Textes ausgerechnete Rose Ausländer zitiert und dieses Zitat als Ausweis eines "Schöpfungsglaubens, den die Bibel bezeugt" interpretiert, hat mich zutiefst verwirrt.
Was Ausländer da ausdrückt, ist in meinen Augen integraler Bestandteil einer non-dualen, trans-religiösen und evolutionären Weltanschauung, wie ich sie bei Steiner, Wilber, Cohen, Walsch, Hau, Hegel, info3 usw. erkennen kann - in Grom´s Augen ist es das selbstverständlich nicht. Wie gesagt: Verwirrend.
Rose Ausländer: Respekt
vor dem Wort Gott
Vor dem Wort
Das mich erschuf
Damit ich Gott helfe
Die Welt zu erschaffen.
Der Text "Respekt" von Rose Ausländer stammt aus: Im Atemhaus wohnen, Fischer Taschenbuch Verlag, 1991
Mittwoch, 20. Juni 2007
Was ich Ihnen immer schon sagen wollte, aber erst heute kapiert habe.
Heute war ein guter Tag. Gute Tage sind für mich Tage an denen ich etwas kapiere. Tage an denen mir ein Licht aufgeht. So ein Tag war heute und er hat mit Ihnen zu tun, die sie jetzt gerade diese Zeile lesen.
Die Geschichte hat eine kleine Vorgeschichte. Meine Redaktion schickte mir vor einigen Tagen einen Stapel mit Leserpost. Darunter der Brief einer Frau. Sie nennt mich dort "Ayatollah Sebastian Gronbach" und einen "selbstherrlichen Glatzkopf", der "lieber Teller waschen gehen" und sich "Bescheidenheit erwerben" soll, "anstatt sich als anthroposophischer ´Redakteur` in den Stand der Buchmesse zu setzen."
Die Dame hatte sich im Frühjahr auf einer Buchmesse vorgestellt und war nun wohl ziemlich aufgebracht, weil ich mich weigerte ein Buch von ihr zu rezensieren, ja sogar es überhaupt zu lesen. Der Grund, dass ich dieses Buch noch nicht einmal anffasen wollte, lag daran, dass diese Dame Al Qaida für so etwas ist wie den "Weissen Ring" der isalmischen Welt hält.
Das finde ich aus vielen Gründen total bescheuert, vor allem aber aus einem: Weil es nicht stimmt.
Ich las also diesen Brief mit allerlei wüsten Beschimpfungen und handfesten Drohungen, die ich jetzt nicht erwähnen will. Ich las ihn, wunderte mich, legt ihn weg und las den nächsten Brief. In dem nächsten Brief standen höchst schmeichelhafte und sehr freundliche Dinge. Ich las Sie, freut mich, legt ihn weg und arbeitete weiter.
Ein paar Tage später räumte ich auf, bekam den Brief der empörten Dame wieder in die Hand und dachte beim erneuten überfliegen, bevor der Brief im Altpapier landete: "Eigentlich ganz schön unverschämt, diese Beleidigungen und Drohungen." Ich wunderte, mich, dass mir das nicht schon voher aufgefallen war. Ich las den freundlichen Brief und wunderte mich noch mehr, denn auch da standen wirklich bewegende Worte drin und auch das Lob war mir nicht besonders nahe gegangen.
Seit ungefähr sieben Jahren hatte ich unzählige Artikel geschrieben und viele Vorträge gehalten und daraufhin oft einen Haufen wütender und herzlichster Reaktionen bekommen. Am Anfang war ich besztürzt oder euphorisch, aber mit der Zeit ließ das nach.
Ich löste mich von den Reaktionen. Bis zum heutigen Tag machte ich mir das nicht bewusst und hielt es sogar für etwas Problematisches, denn wenn ich Leserbriefe und Briefe von Zuhörern nicht sehr ernst nehme, ob positiv oder negativ, könnte das bedeuten, dass ich meine Leser nicht ernst nehme?
Ich wollte dieses Thema lieber nicht so genau anschauen, stattdessen sagte und schrieb ich lieber was ich wollte und was in meinem Inneren leuchtet.
Dann kam heute. In dem genialen Buch "Halt den Mund, hör auf zu heulen und lebe endlich" von Larry Winget (Foto), laß ich folgenden Zeilen, die sich ebenfalls auf die Loslösung des Autors/Redners vom Publikum beziehen:
"Loslösung bedeutet nicht, dass man sich um etwas nicht mehr kümmert; es bedeutet, dass man das Bedürfnis aufgibt, die Ergebnisse zu kontrollieren: Mein Publikum ist mir sehr wohl wichtig. Es ist mir so wichtig, dass ich ihm das Allerbeste gebe, was ich anzubieten habe: mich selbst. Mein echtes Ich."
Genau das ist es. Das ist das Verhältnis von mir zu Ihnen. Ich fühle mich verantwortlich dafür, dass ich Ihnen mein Bestes gebe – mal gelingt es und mal nicht und hoffentlich wird es in Zukunft immer besser werden und manche werden sagen, dass eh alles Müll ist. Aber wie Sie auf dieses Beste, auf mich reagieren, das ist nicht meine Angelegenheit. Oder in den Worten von Terry Cole Whitaker: "Was Sie über mich denken, geht mich nichts an".
Natürlich freue ich mich über ein positives Feedback es zeigt mir, dass ich tatsächlich Menschen zum Bessern bewege und sie inspieriere über sich hinauszuwachsen. Und Tadel lässt mich nicht eiskalt, aber was mich wirklich, wirklich interessiert, ist etwas anderes:
Dass ich meinen Lebenstraum verwirkliche, in dem ich tue was ich tue und indem ich es auf die Art und mit den Inhalten tue wie ich es will und indem es Menschen gibt, die davon profitieren. Auf welche Weise auch immer – dass kann ich nicht beinflussen, sondern mein Bestes geben. Für Sie - weil ich das liebe.
Ich bin frei von Ihrer Meinung – aber ich bin verbunden mit Ihrer Aufmerksamkeit.
Es macht mich glücklich für Sie zu schreiben und wenn ich Sie nicht hätte, wäre mein Traum nur ein Traum. Ihre Reaktionen kann ich nicht kontrollieren und ich brauche sie auch nicht – aber ich brauche Sie. Meine Leserinnen und Leser.
Ich brauche Ihre Aufmerksamkeit – mein Leben baut darauf auf, dass wir diese seltsame Beziehung haben, aber mein Leben baut nicht darauf auf, dass Sie mich toll oder ätzend finden. Das überlasse ich Ihnen (übrigens ein Grund, warum ich mich niemals – trotz Aufforderung - für einen Artikel rechtfertige. Er steht da und dann sind Sie dran).
Für Ihre Aufmerksamkeit bedanke ich mich und wenn Sie jetzt wissen, dass mein geschaffenes Leben darauf aufbaut, dann wissen Sie, dass dies ungefähr das größte ist, für das ich danken kann.
Aber noch größer und dafür kann ich weder danken, noch mich entschuldigen, ist meine Freude daran, genau das zu denken zu schreiben und zu tun was ich will, was ich liebe und was ich für wahr halte.
Jens Bjorneboe, sagt es in seinen unverwüstlichen Worten und ich setze meinen Namen darunter (mit einem Dank und Gruß an Taja Gut):
"Schreibe so, dass jedes Wort gegen Dich verwendet werden kann."
Das habe ich heute kapiert. Heute war ein guter Tag. Das wollte ich Ihnen unbedingt sagen. Wem denn sonst.
Sonntag, 17. Juni 2007
"You always have the choice – Warum Luzifer und Ahriman echte Wesen sind
Vor vielen Jahren gab es den grandiosen Film "Im Auftrag des Teufels" in dem die Geschichte eines Anwalts erzählt wird, der unwissend beim der Kanzlei des Leibhaftigen anheuert und mit dessen Hilfe zu umjubelten Star aufsteigt – am Ende, nachdem er Moral und Recht mit Füßen getreten hat, steht er da und macht den Teufel für alles verantwortlich.
Der Regiesseur verriet später in einem Interview, dass er den Teufel als Symbol für die Dreistigkeit, Macht aber auch Überwindbarkeit des Egos inszeniert hatte.
"Du hast mich veranlasst das zu tun! Du hast meine Frau vernichtet. Du hast das getan!"
Pacino antwortet, dass es mir jetzt noch kalt den Rücken runter läuft: "Das ist nicht Dein Ernst. Ich habe gar nichts getan. Bei jedem einzelnen Schritt des Weges hättest Du eine andere Wahl treffen können, und das hast Du nicht getan. Seit Du nach New York gekommen bist, hast Du deine Frau betrogen, hast dich bereits nach anderen Frauen umgesehen. Du wolltest das. Du hast dich bei dem Fall vor Gericht entschlossen, den Mann frei zu bekommen, obwohl du wusstest, dass er schuldig war. Bei jedem Schritt hast Du deine Wahl getroffen und du hast dich so entschieden, weil du die Belohnung haben wolltest."
Das sollte, anstatt der morbiden Sprüche die erst recht krank machen, auf Zigarettenschchteln stehen: "Sie entscheiden ob Sie rauchen – nicht die Werbung".
Sie entscheiden, ob Sie fettes Zeug fressen – nicht die Lebensmittelindustrie.
Bei jedem Schritt treffen wir eine Wahl und nichts und niemand ausser wir selber trifft diese Wahl.
Anthroposophen sagen gerne, dass die dunklen Wiedersachermächte Luzifer (im zitierten Film dargestellt durch die Verführung der Frau) und Ahriman (filmisch symbolisiert durch die Macht und das Geld des Anwaltberufes) sie von aussen, als autonome Wesen, in die eine oder andere Richtung zögen und dann für die Taten verantwortlich gemacht werden könnten. Das ist Bullshit. Es gibt keine luziferische oder ahrimanische Tat. Es gibt nur menschliche Taten.
Luzifer und Ahriman sind Steiners geniale und poetische Beschreibungen spezifischer Formen und Zustände unseres Egos, oder wie Steiner es einmal genannt hat unserer "Selbstheit".
Das Ego ist kein homogener, toter Block, sondern ein nuanciertes und überaus einfallsreiches lebendiges Gebilde. Es besteht aus Strukturen die zur erdsüchtigen Verhärtung neigen und aus solchen die zur erdflüchtigen Auflösung streben. Natürlich sind diese Strukturen lebendig – es sind meine eigenen Strukturen.
Natürlich sind diese Widersachermächte echte, lebendige Wesen – weil ich ein echtes, lebendiges Wesen bin.
Es ist alles in uns. Ich bin das alles. Wenn ich alles bin und davon buchstäblich nichts ausserhalb von mir ist, dann gibt es auch nichts was für mich entscheiden kann.
You always have the choice
Noch ein eskalierter Konflikt – noch ein Ende. Nothart Rohlfs verlässt Anthroposophisches Zentrum Kassel
Der Herausgeber des Buches "Wie wir wurden, wer wir sind. Kontroverse Sichtweisen zum Thema Reinkarnation und Karma" und Organisator verschiedener, teilweise höchst erfolgreicher und wegweisender Publikumsveranstaltungen (zuletzt die Tagung zum Thema Grundeinkommen in Kassel mit Götz Werner und Ministerpräsident Althaus), verlässt das Anthroposophischen Zentrum Kassel im Streit. In einem Brief, zeigt er sich zurückhaltender als Michael Heidekorn, lässt aber erahnen, dass auch hier die "massiven Defizite in der Konfliktkultur" (Zander) innerhalb anthroposophischer Einrichtungen ursächlich für die Trennung gewesen sein dürften.
"Meine Aufgabe der hiesigen Arbeit erfolgt vor dem Hintergrund eines sich über mehr als zwei Jahre hinziehenden konflikthaften Prozesses, der seit dem Ausscheiden des Ehepaars Christiane und Reinhard Bielefeldt aus leitenden Funktionen innerhalb des Kasseler Zweiges sowie des Anthroposophischen Zentrums in einer Weise und einem Maße eskaliert ist, welche mir die erforderliche Arbeitsgrundlage entziehen." Angesichts der entstandenen Umstände, sieht Rohlfs keine Möglichkeit mehr, die "professionelle,...kulturelle Arbeit" fortzusetzen.
Der Anthroposophie möchte Rohlfs dagegen keineswegs den Rücken kehren und seine "Fähigkeiten und Möglichkeiten" auch weiter "in den Dienst der Anthroposophie stellen."
Rohlfs hatte sich mit der Konzipierung, dem Aufbau, der Durchführung und Pflege einer umfassenden öffentlichen Kulturarbeit auf anthroposophischer Grundlage mit sämtlichen dazugehörigen Bereichen wie Konzipierung, Kalkulation, Organisation, öffentlicher Kooperation und Mitarbeiterführung, einen Namen gemacht.
Ausserdem war er in der Lehre und Vermittlung anthroposophischer Inhalte in Form von Kursen, Seminaren und Vorträgen mit Schwerpunkt allgemeine Anthroposophie, menschliche Entwicklung und okkulte Schulung, nachtodliche/vorgeburtliche Entwicklung, Wiederverkörperung und Schicksal tätig.
Ein weiterer Schwerpunkt der vergangenen zwölf Jahre lag in der Begleitung und Beratung Einzelner und kleinerer zusammenarbeitender Gemeinschaften insbesondere in Heilpädagogik und Sozialtherapie.
Der Aufbau einer selbständigen Tätigkeit scheint dem 1955 Geborenen "naheliegend" und er zeigt sich für Anregungen "in (fast) jeder Hinsicht" offen.
Freitag, 15. Juni 2007
Waldorflehrer packt aus: „Leherkonferenz ist pures Gift und Grauen“
Viele Jahre lang war Michael Heidekorn an verschiedenen Schulen Waldorflehrer. Nicht irgndwas hat er unterrichtet, sondern das Kernfach der Waldorfpädagogik: Eurythmie.
Jetzt, bevor er den Beruf des Waldorflehrers an den Nagel hängt und sich neuen Aufgaben zuwendet, packt er auf seinem Blog aus und schildert die so genannte Donnerstagskonderenz an Waldorfschulen. Sein Fazit: "Das Grauen hat einen Namen: Donnerstagslehrerkonferenz."
"Zwei Stunden in einen Raum gepfercht, Ellenbogen an Ellenbogen, face to face rund um die Arena, und dann Gift spritzen, Zwietracht säen, Unmut, Frust und Missmut wiederkäuen bis zum finalen kollektiven Erbrechen. Eine handvoll Aufrechter darunter, die sich Verantwortung anziehen und das Schiff durch die Untiefen manövrieren wollen – sie werden mit Dreck beworfen, mit sublimen Unterstellungen attackiert, ausgebootet, bevor sie noch mit der Hand richtig ans Ruder gekommen sind."
Vielen Menschen, die anthroposophische Einrichtungem kennen, dürfte diese Beschreibung bekannt vorkommen.
Es ist kein Zufall, dass sich destruktive Elemente gerade in solchen Organisationen breit machen, in denen Menschen sich freiwillig, aus Sorge um das Allgemeinwohl, aus Nächstenliebe und für eine hohe Idee engagieren.
Der anthroposophische Autor und Psychologe Dr. Johannes W. Schneider beschreibt es in einem Bild: "Überall, wo in der Welt aus Liebe gehandelt wird, heften sich Dämonen an diese guten Absichten. Denn Dämonen sind hungrig, weil sie einsam sind. Gierig stürzen sie sich in diesem Fall nicht auf das Ich des Menschen, sondern auf die Schwachstellen im Charakter, die vor der Geburt eine Ausrichtung auf ihren Ausgleich erhalten haben."
Wenn Lehrerkonfernzen zum Schlachtfeld der Doppelgänger, der unbewussten und unbefriedigten bio-emotionalen Anteile geworden sind, dann auch deshalb, weil hiern besonders starke Liebes- und Lichtimpulse leben.
Bernhard Lievegoed fasst dies als Hauptgesetzt des steinerschen Manichäismus zusammen: "Jedes Licht schafft Schatten. Oder anders ausgedrückt: Wenn man etwas Gutes tut, entsteht zugleich der Schatten dieses Guten."
Darum ist so bedeutsam, was zuletzt der Autor des Buches "Anthroposophie in Deutschland", Zander, erkannt hat: "Schwieriger ist es, dass die Anthroposophen ihre dunklen Seiten zu wenig thematisieren. Es gibt bei ihnen massive Defizite in der Konfliktkultur."
Dies entspricht der Forderung von Joseph Beuys: " "Zeige Deine Wunde", die man erweitern könnte: "Zeige Deine eitrige Wunde."
Der Eurythmielehrer Michael Heidekorn hütet sich vor einem pauschalen Keulenschlag gegen die Ex-Kollegen und schaut differenzierter hin:
"Das Allerallerallertraurigste an der Sache: Jede dieser Schattengestalten ist außerhalb des Lehrerzimmers ein durchaus sympathisches Wesen aus Fleisch und Blut. Mit Idealen, Tatkraft, Durchhaltevermögen ausgestattet, ja sogar mit empathischen Fähigkeiten. Die meisten von ihnen haben im Laufe vieler Jahre wirklich Großes für die Schule und ihre Schüler geleistet, zum Teil bis hin zur persönlichen Aufopferung. Aber in ihrer Gesamtheit bilden sie kein Team, sondern ein maliziöses Konglomerat von Einzel- und Minigruppeninteressen, das pures Gift ausschwitzt. Welches man dann – von Vollmilchschokolade umhüllt und in apartes Pralinenpapierchen gewickelt – der Nachbarin oder dem Nachbarn mit nonchalanter Geste anbieten kann".
Lesen Sie den ganzen Artikel auf Michael Heidekorns Blog: Stonemotion
Michael Heidekorn ist Autor und Fotograf der Zeitschrift info3
Donnerstag, 14. Juni 2007
Walsch und Steiner - Zwei Sprachen, ein Thema
Herr H. aus München schreibt mir einen herzlichen Brief, meine Artikel bei info3 betreffend. Er legt seinem Dankesbrief ein Buchgeschenk eines populären Autors bei. Viele von Ihnen werden ihn kennen: Neale Donald Walsch. Walsch ist Autor der Buchreihe Gespräche mit Gott (7 Bände, 7 Millionen Exemplare), deren erster Band zweieinhalb Jahre auf der New York Times Bestsellerliste stand. Daraus zitiere ich eine bekannte und wundervolle Passage, die mich an den Grundsteinspruch Rudolf Steiners erinnert, der im Anschluss zitiert sei. Zunächst Walsch.
"Das Leben ist eine Schöpfung, nicht eine Entdeckung.
Ihr lebt nicht, um zu entdecken, was jeder Tag für euch bereithält, sondern um ihn zu erschaffen. Ihr erschafft eure Realität jede Minute und wahrscheinlich ohne es zu wissen.
Hier folgt nun, warum das so ist und wie es funktioniert.
1. Ich habe euch nach dem Ebenbild Gottes erschaffen.
2.Gott ist der Schöpfer.
3. Ihr seid drei Wesen in einem. Ihr könnt diese drei Aspekte benennen, wie ihr wollt: Vater, Sohn und Heiliger Geist; Körper, Geist und Seele; Überbewusstsein, Bewusstsein, Unterbewusstsein.
4. Die Schöpfung ist ein Prozess, der von diesen drei Bereichen eures Körpers ausgeht. Anders ausgedrückt: Ihr erschafft auf drei Ebenen, Die Instrumente der Schöpfung sind: Gedanke, Wort und Tat.
5. Alle Schöpfung beginnt mit dem Gedanken ("geht vom Vater aus"). Alle Schöpfung geht dann über zum Wort ("Bittet, dann wird euch gegeben, sprecht und es wird euch getan werden"). Alle Schöpfung erfüllt sich in der Tat ("Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt").
6. Das, woran ihr denkt, worüber ihr aber danach nie sprecht, erschafft auf einer Ebene. Das, woran ihr denkt und worüber ihr sprecht, erschafft auf einer anderen Ebene. Das, woran ihr denkt, worüber ihr sprecht und es tut, manifestiert sich in eurer Realität.
7. Es ist unmöglich, dass ihr an etwas denkt, es aussprecht und tut, wenn ihr dieses Etwas nicht wirklich glaubt. Deshalb muss der Schöpfungsprozess Glaube oder Wissen beinhalten. Das ist der absolute Glaube. Dies geht über das Hoffen hinaus. Das ist das Wissen um eine Gewissheit ("Durch euren Glauben sollt ihr geheilt werden"). Deshalb beinhaltet der Teil des Tuns beim Schöpfungsakt immer Wissen. Dies ist eine tiefe innere Klarheit, eine absolute Gewissheit, das totale Akzeptieren von etwas als Realität.
8. Dieser Ort des Wissens ist ein Ort innigster und unglaublicher Dankbarkeit. Es ist eine Dankbarkeit im voraus. Und das ist vielleicht der bedeutsamste Schlüssel für das Erschaffen: dankbar sein vor der und für die Erschaffung. Dieses für-selbstverständlich-Nehmen wird nicht nur entschuldigt, es wird dazu sogar ermuntert. Das ist das sichere Zeichen der Meisterschaft. Alle Meister wissen im voraus, dass die Tat vollbracht ist.
9. Feiere und freue dich an allem, was du erschaffst, erschaffen hast. Einen Teil davon ablehnen, heißt einen Teil von dir ablehnen. Erkenne als dein eigen an, beanspruche, segne, sei dankbar für das, was immer sich dir im Moment als Teil deiner Schöpfung zeigt. Verdamme es nicht ("Gottverdammt noch mal!"), denn es verdammen heißt dich selbst verdammen.
10. Wenn es einen Aspekt der Schöpfung gibt, der dir nicht gefällt, dann segne und ändere ihn einfach. Triff eine neue Wahl. Ruf eine neue Realität herbei. Denk einen neuen Gedanken. Sag ein neues Wort. Tu etwas neues. Mach es hervorragend, und der Rest der Welt wird dir folgen. Bitte sie darum. Ruf sie an. Sag: "Ich bin das Leben und der Weg, folge mir."
Sowohl Steiner, als auch Walsch präsentieren eine evolutionäre und ganzheitliche, integrale Non-Duale Sicht auf Schöpfung und Geschöpf, auf Gott und Mensch. Walsch, seinem größeren und postmodernen Publikum geschuldet, etwas poppig und esoterisch-modern, aber auch in einer wohl tuenden, schlichteren Ästhetik. Steiner, seinem christlich-theosophischen Publikum entgegenkommend, getragener, okkulter und eher im erhebenden, kultisch-meditativen Duktus.
Hier der Grundsteinspruch von Rudolf Steiner (Nachrichtenblatt vom 13. Januar 1924):
Menschenseele!
Du lebest in den Gliedern,
Die dich durch die Raumeswelt
In das Geistesmeereswesen tragen:
Übe Geist-Erinnern
In Seelentiefen,
Wo in waltendem
Weltschöpfer-Sein
Das eigne Ich
Im Gottes-Ich
Erweset;
Und du wirst wahrhaft leben
Im Menschen-Welten-Wesen.
Denn es waltet der Vater-Geist der Höhen
In den Weltentiefen Sein-erzeugend:
Ihr Kräfte-Geister
Lasset aus den Höhen erklingen,
Was in den Tiefen das Echo findet;
Dieses spricht:
Aus dem Göttlichen weset die Menschheit.
Das hören die Geister in Ost, West, Nord, Süd:
Menschen mögen es hören.
Menschenseele!
Du lebest in dem Herzens-Lungen-Schlage,
Der dich durch den Zeitenrhythmus
Ins eigne Seelenwesensfühlen leitet:
Übe Geist-Besinnen
Im Seelengleichgewichte,
Wo die wogenden
Welten-Werde-Taten
Das eigne Ich
Dem Welten-Ich
Vereinen;
Und du wirst wahrhaft fühlen
Im Menschen-Seelen-Wirken.
Denn es waltet der Christus-Wille im Umkreis
In den Weltenrhythmen Seelen-begnadend.
Ihr Lichtes-Geister
Lasset vom Osten befeuern,
Was durch den Westen sich formet;
Dieses spricht:
In dem Christus wird Leben der Tod.
Das hören die Geister in Ost, West, Nord, Süd:
Menschen mögen es hören.
Menschenseele!
Du lebest im ruhenden Haupte,
Das dir aus Ewigkeitsgründen
Die Weltengedanken erschließet:
Übe Geist-Erschauen
In Gedanken-Ruhe,
Wo die ew’gen Götterziele
Welten-Wesens-Licht
Dem eignen Ich
Zu freiem Wollen
Schenken;
Und du wirst wahrhaft denken
In Menschen-Geistes-Gründen.
Im Weltenwesen Licht-erflehend.
Ihr Seelen-Geister
Lasset aus den Tiefen erbitten,
Was in den Höhen erhöret wird:
Dieses spricht:
In des Geistes Weltgedanken erwachet die Seele.
Das hören die Geister in Ost, West, Nord, Süd;
Menschen mögen es hören.
Trat das Welten-Geistes-Licht
In den irdischen Wesensstrom;
Nacht-Dunkel
Hatte ausgewaltet;
Taghelles Licht
Erstrahlte in Menschenseelen;
Licht,
Das erwärmet
Die armen Hirtenherzen;
Licht,
Das erleuchtet
Die weisen Königshäupter.
Christus-Sonne,
Erwärme
Unsere Herzen;
Erleuchte
Unsere Häupter;
Dass gut werde,
Was wir
Aus Herzen Gründen,
Aus Häuptern führen
Wollen.
Deutsche Internetseite zu Walsch
eutsche Internetseite zu Rudolf Steiner
Mittwoch, 13. Juni 2007
Selbsterkenntnis ist ein Horrortripp
Vor der geistigen Welt, vor der Transformation, vor der Erleuchtung, steht ein Hüter. Es ist der Wächter der in sich alle Unbewusstheit Deines Lebens vereint, alle mutwillige und alle gedankenlose Verfehlungen. Der Wächter verkörpert als Symbol und als Realität das was die Kirche Sünde nennt und was andere als Ego bezeichnen. Die wenigsten Menschen sind in der Lage diesen Schatten, den "Todesengel" (Steiner) anzuschauen.
Der Grund ist der, dass Du dreifach Angst hast.
Zum einen Angst vor dem Ausmaß Deines bisherigen Egos. Du würdest erkennen, dass alles was Du für Deine Individualität gehalten hast Illusion und Schatten ist.
Zum zweiten zittert Dein Ego, weil diese Selbsterrkenntnis sein Tod bedeutet – bis zur Auferstehung kann das Ego nicht denken, es hat nur Angst vor dem Tod.
Du müsstest akzeptieren, dass Du nicht weniger als Gottes Verantwortung auf Deinen Schultern liegt.
Rudolf Steiner lässt den Wächter in dieser Situation sprechen:
"Meine Schwelle aber ist gezimmert aus einem jeglichen Furchtgefühl, das noch in dir ist, und aus einer jeglichen Scheu vor der Kraft, die volle Verantwortung für all dein Tun und Denken selbst zu übernehmen. Solange du noch irgendeine Furcht vor der selbsteigenen Lenkung deines Geschickes hast, so lange ist in diese Schwelle nicht alles hineingebaut, was sie erhalten muß. Und solange ihr noch ein einziger Baustein fehlt, solange müßtest du wie gebannt an dieser Schwelle stehen bleiben oder stolpern.
Selbsterkenntnis ist keine Wochenendausflug. Selbsterkenntnis ist ein Horrortripp. Solange Selbsterkenntis kein Horrortripp ist sie Selbstbetrug.
Weil die Erfahrungen vor der Einweihung so brutal sind, weil der "Todesengel" der Schwelle eine so "gespenstige Gestalt", "schreckliches gespenstiges Wesen" mit "hässlichen Flecken" hat, weil man sich selber als diese "hässliche, dämonische Verzerrung" erkennt, ist dies ein Horrotripp.
"Ein Lehrer muss bei der Einweihung immer dabei sein: Eine ernsthafe Einweihung ohne Lehrer gibt es nicht. Wer das behaupten wollte, würde etwas ebenso törichtes sagen, wie jemand der die Geburt eines Kindes ohne das Zusammenwirken der beiden Geschlechter als Möglich erachtete. Die Einweihung ist ein geistiger Befruchtungsprozess. Wenn dieser nicht in dem Dualverhältnis zwischen Lehrer und Schüler herbeigeführt würde, so wäre das sogar ein schädlicher Vorgang." (GA97)
Wer Dir Selbsterkenntnis ohne diese dunkle Dimension anbietet, bietet Dir Illsuionen an.
Wenn Du wirklich ins Licht gehen willst, dann musst Du durch Deine Dunkelheit gehen.
Ein Lehrer lehrt nicht nur. Ein Lehrer liebt Dein lichtes SELBST mehr als die Fratze Deines Egos. Er liebt dieses SELBST mehr als alles andere und ist bereit mit Dir im Feuer zu stehen.
Dienstag, 12. Juni 2007
Anthroposophen im Zentrum der Wissenschaft - Autor warnt: „Nicht von anthroposophischen Esoterik trennen!“
Es wird ein Buch sein, an dem kein moderner Anthroposoph vorbei kommt – auch wenn die Kaufpreishürde von 246 Euro hoch liegt. Geschrieben hat das nahezu zweitausend Seiten umfassende Buch "Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884-1945" der an der Humboldt-Universität zu Berlin lehrende Privatdozent Helmut Zander. Band Eins erscheint in dieser Woche und verspricht zugleich klare Analyse, notwendige Kritik und überraschende Bestätigung. Der Rat des Wissenschaftlers an die Anthroposophen: Erneuert Euch, schaut auf Eure dunklen Seiten, aber bleibt Eurer spirituell-okkulten Identität treu.
In der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 10.06.2007 (Nr. 23 / Seite 30) interviewt Eberhard Rathgeb den Autor Helmut Zander, der sich in seiner ersten Antwort auf einen aktuellen Kommentar von info3 Chefredakteur Jens Heisterkamp bezieht.
FRAGE: Würden Anthroposophen den Zaun von Heiligendamm stürmen?
ANTWORT: Niemals. Im Internet liest man von Anthroposophen: Würde doch bloß kein Mensch nach Heiligendamm gehen, dann würden die 16 000 Polizisten dort alleine herumstehen. Stattdessen sollten die Bürger lieber "kulturkreativ Werken und Wirken".
FRAGE: Sind Anthroposophen bloße Zuschauer der Weltgeschichte?
ANTWORT: Nein. Anthroposophen glauben, dass es eine geistige Welt gibt und der Mensch sie erkennen kann. Anthroposophie ist vor allem innere Erkenntnis einer geistigen Welt. Deshalb unterliegen auch die politischen Aktivitäten dem Postulat: Die Rettung kommt von innen. Die Revolution soll sich auf der Ebene der Individuen vollziehen und nicht auf der des Staates. Viele überzeugte Anthroposophen neigen deshalb dazu, die praktische Politik in einem abschätzigen Sinne als nur äußerliche Welt zu verstehen.
FRAGE: Es gibt aber die Praxisbereiche, die Waldorfschulen etwa.
ANTWORT: Stimmt. Bis 1918 war die Anthroposophische Gesellschaft, die 1912 aus der Theosophischen entstand, ganz individuell orientiert. Es ging um innere Erkenntnis, Meditation, freimaurerische Riten. Nach dem Ersten Weltkrieg brach diese Bohemewelt zusammen. Steiner machte nun etwas Revolutionäres: Er wandte sich der Praxis zu. Alle anthroposophischen Praxisbereiche sind nach 1918 entstanden: zuerst die Waldorfpädagogik, dann eine gesellschaftspolitische Theorie der Dreigliederung, die Medizin, die Christengemeinschaft, eine anthroposophisch inspirierte Kirche, schließlich die biodynamische Landwirtschaft.
FRAGE: Die Anthroposophie - eine stille Revolution?
ANTWORT: Jedenfalls soweit es die gesellschaftlichen Dimensionen betrifft. Aber das Verhältnis zu staatlichen Institutionen ist dünn. Steiner ist eher ein staatskritischer Denker gewesen. Das macht einen Teil der Probleme der Anthroposophie aus: Sie kann gesellschaftliche Bewegungen motivieren, hier ist sie stark. Aber wenn es um politisches Handeln geht, um eine Akzeptanz staatlicher Institutionen oder um eine Mitwirkung im parlamentarischen Bereich, da ist sie schwach.
FRAGE: Stecken die Anthroposophen in ihrer geistigen Provinz fest?
ANTWORT: Soweit sie zum gängigen Geschäft des Politischen, zu dem auch Kompromisse und bestimmte staatliche Strukturen gehören, querstehen - ja. Aber diese Schwäche hat ihre Stärke. Ein gutes Beispiel sind die Grünen. Im deutschen Südwesten gehörten Anthroposophen zu den Geburtshelfern der Grünen, aber sie haben dort keine institutionalisierten Positionen gefunden, sie wurden marginalisiert. Das Anthroposophische wurde gleichsam privatisiert. Ein anderes Beispiel ist der ehemalige Innenminister Otto Schily, der aus seinen anthroposophischen Überzeugungen keinen Hehl gemacht hat, aber in seinem Amt diese Überzeugungen nicht hat nach außen treten lassen. Das Gegenbeispiel ist Swiad Gamsachurdia, der erste Staatschef des unabhängigen Georgien nach 1989, der versucht hat, die Gesellschaft und den Staat anthroposophisch zu reorganisieren. Er gehörte zu den autoritären Anthroposophen und setzte, wie viele Staatschefs in den neuen GUS-Staaten, auf diktatorische Maßnahmen. Aber Gamsachurdia ist auf ganzer Ebene gescheitert. Ich frage mich, ob das Politikverständnis von Anthroposophen dafür reicht, eine Gesellschaft zu gestalten, wenn man um den Staat einen Bogen macht und nur auf individuelle Aktionen setzt oder die Gesellschaft in Segmente aufbricht. Steiner wollte die Kultur, die Ökonomie und das Recht radikal trennen.
FRAGE: Sind die Anthroposophen nicht ein kleiner Verein von Dogmatikern?
ANTWORT: Was die Größe anbetrifft: Die Anthroposophische Gesellschaft hat in Deutschland etwa 20 000 Mitglieder, die Christengemeinschaft etwa 30 000. Die anthroposophische Bewegung ist aber viel größer, wenn man die Sympathisanten mitrechnet. Was die Dogmatik angeht: Die Anthroposophische Gesellschaft hält sich für eine Gesellschaft ohne Dogmen. Anthroposophen verstehen Anthroposophie als eine individuelle Erkenntnis. Aber von außen gesehen, sieht das anders aus. Ich sehe betonharte Glaubenssätze: über die Evolution der Welt, die Reinkarnation, die Wirksamkeit "des Christus". In der Außenperspektive ist die Anthroposophie ein Lehrgebäude, das fast hermetisch geschlossen ist. In diesem Sinn ist sie dogmatisch.
FRAGE: Wo gehört dieses Denken kulturhistorisch hin?
ANTWORT: Die Dogmatisierung sehe ich als eine soziologische Normalität. Keine Gemeinschaft kommt ohne solche Konsensbereiche aus. Das Dogma der Dogmenlosigkeit kommt aus der liberalprotestantischen Theologie des 19. Jahrhunderts. Religionsgeschichtlich gesehen ist die Anthroposophie ein Abkömmling des Protestantismus mit rituellen, katholisierenden Neigungen. Aber in dieser Mischung ist etwas Neues entstanden. In der Theosophischen Gesellschaft waren mehrheitlich Protestanten, und die Mehrheit der Anthroposophen besitzt vermutlich bis heute einen protestantischen Hintergrund. Die Probleme, auf die sie reagierte, waren vielfach Probleme der protestantischen Theologie.
FRAGE: Was kann man aus der anthroposophischen Bewegung lernen?
ANTWORT: Die Anthroposophie hat über Jahrzehnte diesen Versuch, geistige Welten und ihre Wirkungen zu erkennen, durch alle Wirren des 20. Jahrhunderts durchgehalten. Man kann von ihr lernen, wider alle Zeit- und Modeströmungen eine feste Identität beizubehalten. Das hat die Anthroposophie zum Beispiel in die Lage versetzt, an einer Landwirtschaft ohne künstliche Chemie festzuhalten, als sich die hochtechnisierte Landwirtschaft durchsetzte. Das hat sie in die Lage versetzt, an der alternativen Medizin festzuhalten, als die technisierte Medizin ihre großen Erfolge feierte. Die Anthroposophie hat dafür einen Preis bezahlt. Wenn man feste Prinzipien besitzt, dann hat man die Chance, etwas durchzusetzen. Aber man steht dauernd in der Gefahr, den Bezug zur Gegenwart zu verlieren.
FRAGE: Was können die Anthroposophen in diesem Dilemma von erfolgreicher Praxis und unattraktiver Theorie machen?
ANTWORT: Eine Unternehmensberatung würde wohl vorschlagen, den ganzen geistigen Bereich über Bord zu werfen oder wenigstens leger zu handhaben und sich auf Praxisfelder zu konzentrieren, um aus dem Dogmatismus herauszukommen. Ich würde dazu nicht raten, weil die Widerstandsfähigkeit der anthroposophischen Esoterik gegenüber den Moden der Moderne aus diesem Festhalten an ihren Prinzipien und Dogmen stammt. Wenn man in einer pluralistischen Gesellschaft mit einem eigenen Profil überleben möchte, dann muss man auch an Überzeugungen festhalten, die die Mehrheit nicht teilt. Innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft wird zurzeit intensiv darüber debattiert, inwieweit man pragmatisch sein soll, also: Darf man auf Teufel komm raus Waldorfschulen gründen, nur weil die Nachfrage groß ist, oder muss man sich zurückhalten und auf eine gute Lehrerausbildung achten, auch wenn man dann mit der Nachfrage nicht Schritt halten kann.
FRAGE: Was schreckt die Leute an den Anthroposophen ab?
ANTWORT: Nun, zuerst einmal ist vieles attraktiv. Die Anthroposophie hat zwei Seiten. Die äußere Seite ist die der gesellschaftlichen Erfolge, die Waldorfschulen, die Demetertomaten, die Weleda-Heilsalbe, das Engagement in der Plebiszitbewegung, die Frühgeschichte der Grünen - all das gehört zur Erfolgsgeschichte der Anthroposophie, die man nicht kleinreden darf. Aber wenn man auf die innere Seite stößt, deren Credo, wie gesagt, lautet: Das, was wirklich wichtig ist, liegt im Geistigen, dann wird es schwierig. Denn diese Erkenntnis ist in dramatischer Weise an eine Person gebunden: an Rudolf Steiner. Man kann sich von der Verehrung Steiners in der Außenperspektive nur schwer ein Bild machen. Aber dieser unnahbare Steiner, dem gegenüber jede Kritik zu verstummen hat, hat uns die Anthroposophie fremd gemacht.
Die Verächter der Anthroposophie sehen vor allem diese dogmatischen und autoritären Züge. Aber sie verbauen sich auch ihr Verständnis, weil sie die anthroposophische Gesellschaft als ideale Gesellschaft sehen. Die gibt es, wie überall, nur als Utopie. Schwieriger ist es, dass die Anthroposophen ihre dunklen Seiten zu wenig thematisieren. Es gibt bei ihnen massive Defizite in der Konfliktkultur: Wenn man keine Dogmen eingesteht, kann man auch nicht über Lehrinhalte streiten. Mit dem Postulat höherer Erkenntnis haben sie ein autoritäres Verhältnis zur Wahrheit. Man stößt bei überzeugten Anthroposophen zu schnell auf Dinge, die nicht verhandelbar sind. Das ist in unserer Gesellschaft, in der alles diskutierbar ist, eine schwierige Position.
FRAGE: Was können Anthroposophen aus Ihrem Buch lernen?
ANTWORT: Im Kern des Buches steht eine historisch-kritische Analyse von Steiners Theorie und Praxis. Ich versuche, sein Denken nachzuvollziehen: wie es sich entwickelt hat, aus welchen kulturellen Kontexten es kommt. Vielleicht hilft es, die Fesseln zu lösen, dass alles, was Steiner als hellsichtige Einsicht betrachtet hat, der Geschichte enthoben und deshalb sakrosankt sei. Steiner im Kontext zu lesen bedeutet, die anthroposophische Spiritualität auf andere Füße zu stellen. Spiritualität wäre nicht jenseits der Geschichte, sondern mit ihr zu suchen. Das wäre eine tiefgreifende Wandlung. Religionswissenschaftlich kann man nur sagen: Es gibt zwei Optionen - mit der Geschichte oder ohne sie Steiners Spiritualität zu deuten. Entscheiden müssen die Anthroposophen.
Lesen Sie hier die det. Angaben des Vandenhoeck & Ruprecht Verlages
Nachtrag:
Gerade bekomme ich eine Mail eines bekannten Anthroposphen der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland, der den Tenor dieses Buches so beschreibt: "Ein Liebesdienst".
Montag, 11. Juni 2007
R-Evolution des Wissens: An was Wissenschaftler glauben
>Auch bei vielen anderen Forschern brechen derzeit die alten Grenzen zwischen "Wissenschaft" und geistigen Dimensionen weit auf.< Das schrieb der info3 Chefredakteur Dr. Jens Heisterkamp zur Juni-Ausgabe der Zeitschrift info3 - Anthroposophie im Dialog mit dem Titel "Grenzwissenschaften" und trifft damit den Ton des Zeitgeistes.
Im gleichen Monat erscheint das P.M. Magazin und veröffentlicht erstaunliche und bemerkenswerte Zitate von hochkarätigen Wissenschaftlern, deren Diktum exakt das fordert, was info3 als Überschrift des Redaktionstagebuches wählte: "Ein erweiterter Wissenschaftsbegriff muss her."
Lesen Sie die modernen und aufsehenerregenden Beiträge und freuen Sie sich über die neuen Schritte zu einem umfassenden und ganzheitlichen Bewusstsein in dem wahr wird, auf Rudolf Steiner abzielte:
"Mit der naturwissenschaftlichen Tatsachenforschung stehen die Ergebnisse der Geisteswissenschaft nirgends in Widerspruch. Überall, wo man unbefangen auf das Verhältnis der beiden hinsieht, zeigt sich vielmehr für unsere Zeit etwas ganz anderes. Es stellt sich heraus, dass diese Tatsachenforschung hinsteuert zu dem Ziele, das sie in gar nicht zu ferner Zeit in volle Harmonie bringen wird mit dem, was die Geistesforschung aus ihren übersinnlichen Quellen für gewisse Gebiete feststellen muss."
>Der Mensch weiss mehr<
Joseph Weienbaum, Informatikerm Medienkritiker, emeritierter Professor für Computerwissenschaft am Massachusetts Institute of Technology:
"Ich bin zutiefst überzeugt, obwohl es nicht beweisbar ist, dass der Mensch mehr weiss, als er in irgendeiner Sprache , einschließlich Mathematik und Computersprache sagen kann, und dass der wichtigste Teil des menschlichen Wissens aus Unsagbaren besteht."
>Brückentheorien zwischen Natur- und Geisteswissenschaften<
Wolf Singer, Professor für Physiologie, Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt:
"Eines meiner Leitmotive ist, dass die Welt kohärent ist und sich die Vielfalt der Erscheinungen evolutionären Prozessen verdankt, die zur Entstehung je neuer Qualitäen und Phänomene führen. Diese Grundannahme bezieht sich auf scheinbar so unerschiedliche Prozesse wie die Strukturbldung in kosmischen Dimensionen, die Entstehung lebender Systeme auf unserem Planeten und den Übergang von der biologischen zur kulturellen Evolution. Die bei diesen Phasenübergängen auftauchenden neuen Phänomene müssen zwar in unterschiedlichen Beschreibungsystemen erfasst werden, ich vermag jedoch in den Grundstrukturen keine Bruchstellen auszumachen. So gesehen müsste es auch möglich sein, zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften vermittelnde Brückentheorien zu schaffen."
>Hellsehen ist möglich"<
Hans Ottomeyer, Kulturhistoriker, Gneraldirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin:
"Ich glaube, dass man von Dingen weiss, die unmittelbar bevorstehen oder zugleich an anderen Orten geschehen. Die Koinzidenzen sind zu häufig und zu unwarscheinlich, um als bloßes Aufmerksamkeitsphänomen erklärt zu werden. Vorahnungen sind eine anthropologische Konstante, üerall auf der Welt und über die längsten Epochen der Geschichte. Beweisen kannes keiner, nur beobachten".
>Das Selbst und das Kollektiv durchdringen sich<
Mihály Csikszentmihályi, emeritierter Professor für Psychologie an der University of Chicago, er lehrte Unternehmensführung an der Claremont Graduate University in Kalifornien:
"Ich kann fast nichts beweisen, an das ich glaube. Ich kann weder beweisen, dass die Erde rund ist, noch dass sie um die Sonne kreist, noch dass der nackte Feigenbaum in meinem Garten demnächst Blätter bekommen wird. Ich kann nicht beweisen, dass Quarks existieren oder dass es einen Urknall gegeben hat.
All dies und Millionen anderer Dinge glauben wir und vertrauen dabei auf die globale Wissensgemeinschaft, deren Beweise wir einfach akzeptieren – in der Hofnnung, dass sie ebensolches Vertrauen in die wenigen Beweise setzen werden, die wir selbst vielleicht beisteuern können.
Dieses Vertrauen in den anderen scheint mir eine bemerkenswerte Errungenschaft, eine Durchdringung des eignenen Selbst mit dem Kollektiv, was sonst nur große Religionen gelegentlich erreichen."
Bildquelle
Mittwoch, 6. Juni 2007
Urlaubsantrag
Hiermit beantrage ich bis Sonntag Diensturlaub - Ich bin zur unten stehenden Veranstaltung eingeladen. Da ich dann noch bis Sonntag in Berlin bleibe, ergibt sich ja vielleicht die eine oder andere Begegnung.
„Und MXrder werden und zur“ Die neuen Rätsel der Menschheit
Sorry, aber das muss zwischendurch mal sein: Da soll mal einer sagen, die Welt wäre ohne neue Rätsel. Unter dem Betreff "Und MXrder werden und zur" erreichte mich heute eine der täglich dutzenden Mails (incl. html Bild), die für mich in ihrer dadaistischen Schärfe und okkulten Dramatik durch nichts zu überbieten sind.
Eigenes Suchen ihn bewahren kXnnen. Auch du, Samana, wirst wieder kommen.
Wenn die zwei Milliarden Einwohner, die die Erde bev. Klugheit ist
gut, Geduld ist besser.
Und habe Gelegenheit gehabt, sie ganz aus der N. Ganz anders sind sie geworden.
Willst du mir ein Wort sagen, Verehrter. Deine Torheiten begangen
habest, um sie dem Sohn.
GroX und wie fremd erschien. Er machte einen schrecklichen L.
In dem Buche hie. Um dort einem Sonnenuntergang beizuwohnen, m.
Nun sie gekommen ist, lass mich gehen. Auch Sansara und Nirvana sind
bloXe Worte, Govinda.
Gewiss bin ich besitzlos. Heilig oder ganz sXndig.
Daran gedacht hat, sie zu besitzen. Nicht steht mir zu, Xber eines
andern Leben zu urteilen.
Was kannst du denn. Das Gold der Weizenfelder wird mich an dich erinnern.
Kannst du nichts als denken, fasten, dichten. Tages hatte ich zum
Ausruhn und den Rest.
Dienstag, 5. Juni 2007
Ein Stück canaillischer Erde
Also, das ist doch wirklich das charmanteste was mir seit langer Zeit an kritischer Freundlichkeit widerfahren ist.
24 stunden lang heißt terra canaillo / kronstadt chronix (deutsj) jetzt ich: gronbach !
Lesen Sie selber – was soll man da noch sagen?
"lieber sebastian gronbach, mache einfach weiter, gehe deinen weg und lasse dir gefallen kritisiert zu werden und ab und zu durch den kakao gezogen zu werden!liebe grüße, joseph canaillo und tck für die terra canaillo crew"
"PS: LievegOEd haben wir noch persönlich gekannt, schreibe bitte seinen namen richtig!"
Ja, sorry! Das habe ich nun korrigiert.
„Forschen, lehren, produzieren“ Heute: Jahresversammlung der „Firma für Anthroposophie“
Manche ärgern sich schwarz, für andere ist sie ein Lichtblick. Die Firma für Anthroposophie ist, als „Gruppe auf sachlichem Feld“, Teil der Anthroposophischen Gesellschaft. Heute trifft sie sich um zu sagen was war und zu beraten wie´s wird. In einem Interview erläuterte Anna-Katharina Dehmelt, als Gründungsmitglied, den umstrittenen Namen:
"Vor dreissig Jahren gründete man Institute, vor fünfzehn Jahren Ateliers oder Werkstätten. Heute kommen die Paradigmenaus dem Wirtschaftsleben. Mit einer Firma verbindet man Begriffe wie Kompetenz, Professionalität, Ernsthaftigkeit und klare Ziele.Insbesondere ist eine Firma produktiv. Sie konsumiert nicht nur, sondern stellt etwas neues her, und daran sind mehrere Menschen beteiligt. Das ist in unserem Namen in einbewußtes Spannungsfeld gesetzt zu den Vorstellungen, die heute oft mit Anthroposophie verbunden werden und die wir aufbrechen wollen."
Unsere Forschungsabteilung beschäftigt sich mit vielen detailierten Fragen. Im Wesentlichen geht es darum, wie man die spirituellen Kernthemen der Anthroposophie eigenständig und sachgemäß sichtbar und nutzbar machen kann.
Wir lehren auch. Dabei suchen wir die Balance zwischen der naturgemäßen Rolle des kompetenten Dozenten und seiner permanenten Lernbereitschaft. Das ist eine Anforderung an den Einzelnen und die Gruppe.
Das was Anthroposophie sein will, nämlich ein funktionsfähiges Instrument zur Stiftung und Etablierung einer interaktiven Mensch-Geist-Kosmos-Geist-Fusion, kann sie nur sein, wenn sie sich immer wieder neu produziert. Anthroposophie kann so zu einem spirituellen Perpetum Mobile werden.
Weil sich nicht nur der Menschen nach dem Geist sehnt, sondern auch der Geist nach dem Menschen, wollen wir etwas dafür tun, dass es in dieser Beziehung knistert. Ein Teil dieses Prozessen kann von einzelnen Protagonisten angetrieben werden, ein anderer Teil kann nur in einem Gemeinschaftswerk produziert werden.
Wie die fünf Firmengründer, Anna-Katharina Dehmelt, Jelle van der Meulen, Alexander Schaumann, Michael Schmock und Sebastian Gronbach in der Firmensatzung vereinbart haben, treffen sich einmal im Jahr die Menschen, die der Firma für Anthroposophie verbunden sind. Dabei geht es um die Beratung über die Schicksale und weiteren Wege der Firma umd die Berichte über Aktivitäten und darum vorzustellen, was wir weiter vorhaben.
Für das Programm ab Herbst 2007 existieren zwar Vorschläge, aber noch keine Festlegungen. Deshalb wird es vor allem darum gehen, wie es mit den FreiTalks, den Firmentagen und den Gesellschaftsabenden weitergeht.
Eingangs wird es einen kleinen Rückblick auf die vergangenen Gesellschaftsabende zum Thema Einweihung geben, außerdem einen kurzen Blick auf die Finanzen.
Und sonst ist für alles Zeit, was Sie mitbringen.
Dienstag, den 5. Juni 2007 von 20 bis ca. 22 Uhr
in der Buchhandlung Stein, Berrenrather Straße 203 in Köln-Sülz.
Montag, 4. Juni 2007
"Ich, Anthroposoph, NRW" - Wo ist das Problem? A oder B?
Lieber Joseph Canaillo,
danke für Deine konstruktiven Vorschläge zur Umgestaltung meines Blogs. Du willst, dass ich als "Ich, Gronbach" schreibe und nicht als "AnthroNRW"
Gerne will ich einmal begründen, warum alles so ist und bleibt, wie es war und ist.
Du kritisierst mich auch in Deinem Blog und schreibst in dem obigen Kommentar: "anthroposophie in NRW ist nun mal mehr als nur gronbach und seine aktivitäten."
Das ist so selbstverständlich, dass ich es kaum zu bestätigen bräuchte. Zur Sicherheit tue ichs trotzdem.
Aber Anthroposophie in NRW ist nun mal auch "Gronbach und seine Aktivitäten".
Über die und andere Dinge, kannst Du bei AnthroNrw etwas lesen.
Unter dem Titel steht, was Programm ist: "Sebastian Gronbach über Anthroposophie und die Anthroposophische Gesellschaft in NRW."
Genau das bekommst Du geliefert. Mal ist es mehr über Anthroposphie, mal mehr über AG-NRW, das wird sich in den nächsten Monaten einpändeln, ich bin ja noch in der Startphase, aber immer bin es ich der schreibt. Manchen gefällts, anderen nicht. Daran wird sich so oder so nichts ändern.
Die AG betont immer wieder, dass sie als AG keine einheitliche Meinung hat (warum es seit jeher keine funtionierende Öffentlichkeitsarbeit gibt – einfach weil sie gegen dieses Prinzip verstößt), aber ihre Mitglieder hätten individuelle Meinungen.
Meine Meinung, als einfaches Mitglied und als KollegiumsMitglied NRW, lieber Joseph Canaillo, kannst Du hier lesen – Deine kannst Du bei Dir veröffentlichen.
Ich würde es mit großer Freude begrüßen, wenn Du das unter einem Blog-Name machst, der diese Mitgliedschaft unmissverständlich betont. Bei mir im Blog äussert Sebastian Gronbach seine privaten Ansichten und er tut das, als Mitglied des NRW-Kollegiums. So steht es auch klar und deutlich auf meiner Seite.
Das ist der Text – aber es gibt noch einen Subtext:
Ich bin mit ganzem Herzen Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft. Ich habe mir ein paar Fragen gestellt und eine davon stelle ich Dir:
Was denkst Du, ist eher das Problem der Anthroposophischen Gesellschaft?
Dass sie
A) Viel zu viele Mitglieder hat, die sich trauen den Kopf aus dem Zweig zu stecken, die sich in Schrift und Rede exponieren und mit ihrer ganzen, bewussten, subjektiven Persönlichkeit für ihre Version von Anthroposophie 2.0 stehen – gegen den Wind und mit dem Wind, öffentlich und mit entsprechender kritischer und bejahender Begleitung. Viel zu viele engagierte Mitglieder, die von der Öffentlichkeit als Anthroposophen wahrgenommen werden und dann entweder Faszination oder Mißbilligung erfahren. Viel zu viele Miglieder, die ihre persönliche Transformation transparent machen, viel zu viele Mitglieder, die Anthroposophie Gesicht geben und „mit Persönlichkeit für das Über-Persönliche eintreten“ , viel zu viele Mitglieder die offiziell und über Steiner hinaus den geistigen Dialog mit anderen spirituellen Strömungen der Gegenwart suchen und viel zu viele Mitglieder die mit Lust und lauter Stimme "Ja" sagen zur Anthroposophischen Gesellschaft und dann auch noch gehört werden.
oder
B) dass sie viel, viel zu wenige dieser oben beschriebenen Mitglieder hat.
Was denkst Du, ist eher das Problem der Anthropophischen Gesellschaft?
A) oder B)?
Ich bin mir sicher, dass B) das Problem ist. Ich könnte nun B) bemängeln und hinter verschlossenen Türen eine drastische Veränderung