Samstag, 21. April 2007

Ist das Christentum Nebel oder Licht?

Ist das Christentum der Höhepunkt der Weltentwicklung oder eine zu korrigierende Fehlentwicklung? Ist das Christentum wahrhaft weise oder eher eine naive Spielart einer weit größeren Weisheit? Trägt das Christentum zur Erleuchtung bei, oder vernebelt es die Sicht auf die spirituelle Wirklichkeit. Beide Interpretationen sind möglich. Rudolf Steiner formulierte es in seinem Aufsatz „Der Egoismus in der Philosophie“ so: „Wie ein Nebel lagert sich die christliche Lehre vor das Licht, von dem die Erkenntnis des eigenen Wesens hätte ausgehen sollen.“

Lesen Sie hier, was der Eingeweihte Rudolf Steiner dazu 1899 formulierte.

„Nach der naturgemäßen Entwicklung hätte innerhalb der abendländischen Geistesentwicklung auf den Neuplatonismus die Entdeckung des Egoismus folgen müssen. Das heißt, der Mensch hätte das als fremd angesehene Wesen als sein Eigenes erkennen müssen. Er hätte sich sagen müssen: das höchste, was es in der dem Menschen gegebenen Welt gibt, ist das individuelle Ich, dessen Wesen in dem Inneren der Persönlichkeit zur Erscheinung kommt. - Dieser natürliche Gang der abendländischen Geistesentwicklung wurde aufgehalten durch die Ausbreitung der christlichen Lehre.

Das Christentum bietet dasjenige, was die griechische Philosophie in der Sprache des Weltweisen zum Ausdruck bringt, in volkstümlichen, sozusagen, mit Händen zu greifenden Vorstellungen dar. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie tief eingewurzelt in der Menschennatur der Drang ist, sich der eigenen Wesenheit zu entäußern, so erscheint es begreiflich, daß diese Lehre eine so unvergleichliche Macht über die Gemüter gewonnen hat.

Um diesen Drang auf philosophischem Wege zu befriedigen: dazu gehört eine hohe Entwicklungsstufe des Geistes. Ihn in der Form des christlichen Glaubens zu befriedigen, reicht das naivste Gemüt aus. Nicht einen feingeistigen Inhalt wie Platos Ideenwelt, nicht ein dem erst zu entfachenden inneren Lichte entströmendes Erleben stellt das Christentum als höchste Weltwesenheit dar, sondern Vorgänge mit den Attributen sinnlich-greifbarer Wirklichkeit. Ja es geht so weit, das höchste Wesen in einem einzelnen historischen Menschen zu verehren. Mit solchen greifbaren Vorstellungen konnte der philosophische Geist Griechenlands nicht dienen. Solche Vorstellungen lagen hinter ihm in der Mythologie des Volkes. Hamann, Herders Vorläufer auf dem Gebiete der Religionswissenschaft, bemerkt einmal: Ein Philosoph für Kinder sei Plato nie gewesen. Die Kindesgeister aber sind es, für die «der heilige Geist den Ehrgeiz gehabt hat, ein Schriftsteller zu werden».

Und diese kindliche Form der menschlichen Selbstentfremdung ist für Jahrhunderte von dem
denkbar größten Einflusse gewesen für die philosophische Gedankenentwicklung. Wie ein Nebel lagert sich die christliche Lehre vor das Licht, von dem die Erkenntnis des eigenen Wesens hätte ausgehen sollen.

Die Kirchenväter der ersten christlichen Jahrhunderte suchen durch allerlei philosophische Begriffe den volkstümlichen Vorstellungen eine Form zu geben, in der sie auch einem gebildeteren Bewußtsein annehmbar scheinen konnten. Und die späteren Kirchenlehrer, deren bedeutendster Vertreter der heilige Augustin ist (gestorben 430) setzten diese Bestrebungen in demselben Geiste fort. Der Inhalt des christlichen Glaubens wirkte so faszinierend, daß von einem Zweifel an seiner Wahrheit nicht die Rede sein konnte, sondern nur von einem Heraufheben derselben in ein mehr geistiges, ideelleres Gebiet.

Die Philosophie der Kirchenlehrer ist Umsetzung des christlichen Glaubensinhaltes in ein Ideengebäude. Der allgemeine Charakter dieses Ideengebäudes konnte aus diesem Grunde kein anderer sein als der des Christentums: Hinausversetzung der menschlichen Wesenheit in die Welt, Selbstentäußerung. So ist es gekommen, daß Augustin wieder an den richtigen Ort kommt, wo das Weltwesen zu finden ist; und daß er an diesem Orte wieder ein Fremdes findet. In dem eigenen Sein des Menschen sucht er den Quell aller Wahrheit; die inneren Erlebnisse der Seele erklärt er für das Fundament der Erkenntnis.

Aber die christliche Glaubenslehre hat an den Ort, an dem er suchte, den außermenschlichen Inhalt gelegt. Deshalb fand er an dem rechten Orte die unrechten Wesenheiten.

Es folgt nun eine Jahrhunderte lange Anstrengung des menschlichen Denkens, die keinen anderen Zweck hatte, als mit Aufwendung aller Kraft des menschlichen Geistes den Beweis zu erbringen, daß der Inhalt dieses Geistes nicht in diesem Geiste, sondern an dem Orte zu suchen sei, wohin ihn der christliche Glaube versetzt hat. Die Gedankenbewegung, die aus dieser Anstrengung hervorwuchs, wird als Scholastik bezeichnet. In diesem Zusammenhange können all die Spitzfindigkeiten der Scholastiker nicht interessieren. Denn eine Entwicklung nach der Richtung hin, in der die Erkenntnis des persönlichen Ichs liegt, bedeutet diese Ideenbewegung nicht im geringsten.“

Das Bild stammt von der Webseite Mormonen

Donnerstag, 19. April 2007

Sieben Fragen nach Frankfurt

Die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland organisiert sich in regionale Arbeitszentren. Eines davon ist für NRW zuständig - im Kulturgaus OSKAR. Was von hier aus gemacht wird, wie wir uns sehen und wer dort arbeitet, soll Ihnen dieser Blog näher bringen.

Was aber machen unsere Kollegen im Norden, Süden oder Osten? Ich habe Sie alle angeschrieben und ihnen ein paar Fragen gestellt. Die erste Antwort kam aus Frankfurt am Main. Danke!


Sieben Fragen an die Arbeitszentren der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland
HEUTE: FRANKFURT AM MAIN

Die Anthropsophische Gesellschaft lebt stark durch die örtlichen Arbeitsgruppen (Zweige) und ihre vielfältigen Stimmen. In den regionalen Arbeitszentren kann die Vielfalt der Stimmen zu einer regionalen Melodie zusammenklingen. Welchen besonderen Klang bekommt die Anthropsophische Gesellschaft durch Ihr Arbeitszentrum? Moderner gefragt: Gibt es ein Alleinstellungsmerkmal, welches Sie für sich beanspruchen?

Der Zusammenklang entsteht hier mit und durch die Präsenz der anwesenden Persönlichkeiten, sowohl der kontinuierlich Anwesenden als auch der sporadisch,- oder an Themen orientierten Anwesenheit. Darüber hinaus entsteht ein kontinuierlicher Klang durch die initiativen Vertreter einzelner Zweige und einer Gruppe von initiativen Mitgliedern des sog. Kollegiums. Die Ausrichtung der Arbeit ist geprägt durch eine kontinuierliche Fokussierung des Themas: Michael. Das Interesse, die Frage nach einem zeitgeistigen Verständnis und der aktuellen Gestaltung der Intelligenz, des Denkens als „sozialer, gesellschaftlicher Figur“ in Wissenschaft und Kunst beschäftigt uns vornehmlich. Dabei ist es selbstverständlich, dass die Arbeitsgebiete der verantwortlichen Teilnehmer eine besondere Note hinein geben.
Ein Alleinstellungsmerkmal zu betonen, bedarf einer besonderen Situation oder gar Not, Profil zu beweisen. Man könnte sagen dass die besondere Situation Frankfurts, als internationaler Brennpunkt, als der Ort den sich Goethe als Geburtsort „wählte“, als eine Stadt der dennoch nicht eine so spezielle Rolle wie z.B. Berlin oder München eignet, ein Klima der Weltbezogenheit hat, das eine mehr allseitige Ausbildung der Kräfte ermöglicht. Man wird nicht gleich vom Lokalkolorit des Genius-Loci vereinnahmt oder gar erschlagen. Alle verantwortlichen Persönlichkeiten des Arbeitszentrums treffen sich gern an diesem Ort, nicht zuletzt weil auch sie eine kosmopolitisch orientierte Grundhaltung mitbringen und weiter ausgestalten wollen.
Moderner (weil kürzer) gesagt: Das Individuell – Besondere, was wir mit fast allen Menschen dieser Welt teilen, ist zugleich unser Unterscheidungsmerkmal.

Neben den Anthroposophen gibt es viele größere und kleinere spirituellen Strömungen und Vereinigungen. Wie könnte ein Alleinstellungsmerkmal der Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland aussehen? Was haben wir, was andere nicht haben?

Jede Vereinigung, zumal auf spirituellem Gebiet, welche sich dem Risiko und der Chance verschreibt, alles auf eine Karte zusetzen, nämlich die, des uneingeschränkten Setzens in die individuelle Persönlichkeit, und darüber hinaus dies noch in ihren konstitutionellen Grundsätzen formuliert und unterstreicht, wäre der Anthroposophischen Gesellschaft ähnlich. Eine solche Gesellschaft zu begründen ist das Eine, sie trotz aller Widrigkeiten von außen und innen weiterzuentwickeln, das Andere. Ob „wir“ das haben und können, vor allen Dingen auch tun, ist offen. Selbstkritik wäre immer wieder hilfreich. Alleinstellungsmerkmale, auch hier, lassen sich eher an den realen Wirkungen als an den Programmen ablesen. Eine spirituelle Erfolgsbilanz bedarf auch gewisser Beurteilungsinstrumente, die wir ausbilden müssen, wollen wir an diesen Ergebnissen wirklich teilhaben. Das ist ein umfassender Vorgang und kann zu herben Selbsttäuschungen und unbeabsichtigten Fehleinschätzungen anderen gegenüber führen. Hier sind das Gespräch, der Austausch und die gegenseitige Wahrnehmung sicher nützlicher als das Statement.

In Deutschland diskutiert man auf der politischen-gesellschaftlichen Ebene das Verhältnis von Föderalismus und Zentralismus. Dabei hat sich das Prinzip der Subsidiarität als menschengemäß und effektiv herausgestellt. In diesem Zusammenhang gib es Diskussionen zur organisatorischen Reform der Anthropsophischen Gesellschaft in Deutschland, wie sie auch von Anna-Katharina Dehmelt, unter dem Stichwort „Zusammenschluss der Arbeitszentren“, geführt wird. Wie stellen Sie sich zu dieser Diskussion im Allgemeinen und zu dem Vorschlag im Konkreten. Was ist Ihr Bild von einer wirksamen Struktur der Anthroposophischen Gesellschaft?

Zu Beginn ihres Interviews (30. März 2007 "Wenige Menschen stellen vieles auf die Beine" http://anthronrw.blogspot.com/), betont Dehmelt sehr deutlich Nuancierungen der einzelnen Arbeitszentren. Ein Zusammenschluss ist durch die bisherige Gesellschaftsstruktur ohnehin gegeben und sollte immer dann intensiviert und modifiziert werden können, wenn Perspektiven und konkrete Arbeitsanliegen es herausfordern. Darüber hinaus wäre alles zu tun um die Eigenheiten der einzelnen Zentren eher zu fördern und zu fordern, als anzugleichen, dies gilt natürlich auch und besonders in den Verwaltungsvorgängen und strukturellen Gegebenheiten, die ein Bild dieser Verschiedenheiten abgeben können. Eine Struktur hat so betrachtet eher Bildcharakter, das Wirksame sind die Persönlichkeiten, welche sich durch diese in ein Verhältnis zueinander und zur Welt setzen wollen. Diese Dinge kann man nicht ernst genug nehmen! Gerade in „unseren Zusammenhängen“ sind Strukturfragen immer wieder in Gefahr, pragmatisch „nützlich und bequem“ gehandhabt zu werden.

„In der Anthroposophie kommt es auf die Wahrheiten an, die durch sie offenbar werden können; in der Anthroposophischen Gesellschaft kommt es auf das Leben an, das in ihr gepflegt wird.“ Diesen Satz Steiners als Grundlage nehmend: Welches Leben pflegen Sie in Ihrem Arbeitszentrum?

Leben ergibt und ergeht sich im gegenseitigen Geben und Nehmen. Die so genannte Wahrheit hat sich inzwischen bis in die letzten Zweig-Winkel unseres Planeten herumgesprochen. Die Möglichkeit, eigene Arbeitsergebnisse mit ebensolchen anderer auszutauschen und zu verstehen, birgt ein großes Moment geistiger Freiheit und vermag dieses gesellschaftliche Leben produktiv und stetig anzuregen. Bedingung ist in erster Linie, zu solchen eigenen Arbeitsergebnissen zu gelangen. Auch hier ist eine gesellschaftliche Herausforderung gegeben: das individuelle Arbeiten anzufragen. Vom Anderen „verlangen“, originell, individuell zu arbeiten heißt auch, ihn zu erkennen, ihn zu fördern und in die Lage zu versetzen, eine solche Arbeit zu leisten. Hier entsteht konkret das neue Leben. In dieser Hinsicht versuchen die Menschen im Frankfurter Arbeitszentrum sehr vielfältige und auch interessante Wege zu gehen (Forschungsförderung, Studienstätte, .Schülerprojekt etc.).

Gerne sagt man, dass die Anthropophische Gesellschaft keine Meinung habe, sondern nur die einzelnen Menschen in ihr. Wer sich aber als eine Organisation in das Leben stellt, ist auch als Organisation gefragt. Wie gehen Sie mit diesem Umstand um? Sollte die Anthroposophische Gesellschaft am gesellschaftlichen Diskurs offensiver, informierend, urteilend und aufklärend teilnehmen, oder gilt der Satz, dass sie keine Meinung hat?

Wer sagt so was wirklich gerne?
Wie oben angedeutet, stellt sich in der Anthroposophischen Gesellschaft niemand als Organisation in das Leben, eher stellt sich die Organisation als das Spezifizierte, als der Ausdruck des individuellen Wollens in die Welt. Wer das begreift, ahnt auch die Dimension einer neuen Gesellschaftsform, von der wir heute schon träumen dürfen.

Natürlich soll die Gesellschaft am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen!

Wenn sie das nicht tut oder vermeidet, heißt das jedoch nicht, dass sie keine Meinung hervorbringen könnte. Meinungen sind nur im konkreten Fall interessant und evtl. fruchtbar.


Wie schauen Sie, aus Ihrem Arbeitszentrum, auf die Arbeit in NRW?

Wir schauen unter den genannten Blickwinkeln neugierig und interessevoll über unseren Tellerrand. Dabei ist NRW kein besonderer Fokus. Konkrete Begegnungen sind immer wieder sinnvoll und wir laden „NRW“ gern und in diesem Sinne ausdrücklich einmal nach „Frankfurt“ ein.

Warum ist es gut, Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft zu sein?

Nur eine Gegenfrage: Wenn diese Frage vom Zentrum beantwortet würde, was bedeutete dies für das Mitglied?

Für das Arbeitszentrum Frankfurt am Main, Uwe Battenberg

Samstag, 14. April 2007

Anthroposophie ist evolutionäre Spiritualität

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift What is Enlightenment? würdigt Rudolf Steiner, in der Titelgeschichte "Das Mysterium der Evolution", als einen der herausragenden "Pioniere einer provokanten Idee" und meint damit die "evolutionäre Spiritualität".

Auf exakt 11034 Seiten findet sich in Steiners Werk das Wort "Entwickelung" auf nochmal 1989 Seiten das gleiche Wort, nur ohne "e" vor dem "l".

Anthroposphie ist ohne den Gedanken der Entwicklung nicht denkbar. Anthroposophie ist evolutionäre Spiritualität.
Jeder mag unter Entwicklung und Evolution etwas anders verstehen, aber eines ist gewiss: Integraler Bestandteil von Entwicklung ist, dass es vorne, mitte und hinten gibt, oben und unten, fortschrittliche und rückständige Zustände. Dabei haben alle Zustände, zu ihrer Zeit, ihren Wert, ihre Würde und ihre unentberliche Berechtigung, sind jeweils Bedingung für den nächsten Zustand.
Entwicklung bedeutet nicht nur, dass die Menscheit vom Einfachen und Grundlegenden zum Speziellen und Bedeutsamen fotschreitet. Es bedeutet auch, dass viele der Enwicklungsstadien gleichzeitig existieren können, denn nicht die ganze Menschheit und alle Menschen entwickeln sich im Gleichschritt. Evolution ist kein Marsch, sondern ein lebendiges Gleiten, eine gemeinsame Bewegung, in der mal die einen, mal die anderen Motor sind. Der absolute Respekt und die liebevolle Empahtie für den relativen Zustand eines Anderen ist ethische Grundbedingung dafür, dass Menschen sich gegenseitig helfen den Schritt auf die nächste Ebene zu tun. Die Schwelle wird nicht gleichzeitig überschritten, aber alles hängt davon ab, dass die die vorne sind, sich ihrer Verantwortung für alle bewusst sind. Verantwortung ist immer auch Liebe.

Es gibt gleichzeitig und an verschiedenen Orten höhere und niedrigere, bessere und schlechtere ethische Normen oder Grade der Entfaltung von Bewusstsein, gute, bessere und noch bessere Handlungen, weise, weisere und viel weisere Gedanken. Menschen die viel, Menschen die sehr viel und Mensch die erschreckend wenig zu sagen haben. Reife und Unreife.
Aber das verunsichert viele Zeitgenossen. Denn über Menschen soll es keine Urteile geben dürfen! Gilt doch der Satz "jenseits von richtig oder falsch gibt es einen Ort, dort treffen wir uns." Klingt das nicht harmonisch und tiefsinnig und menschlich – tatsächlich ist dieser Satz ursprünglich tiefsinnig gewesen, als dieser Ort noch eine transzendente Wirklichkeit bezeichnete, aber mitterweile schwimmt dieser Satz wie eine Ego-Ölpest auf dem Meer unserer eigenen Tiefendimension und ist zur banalen Anything-goes-Philosophie verkommen.
Wenn alle Zustände immer gleich bedeutsam, wenn meine persönliche Entwicklung immer "ok" ist, warum sollte ich mich dann noch weiter entwickeln? Wenn alle überall gleich sind, warum noch streben, warum wachsen wollen? Wenn alle immer gleich sind, warum dann nicht Adolf Eichmann zu Richter über Anne Frank machen?

Viele würden sich wohler fühlen, wenn es nur noch schöne Farben gäbe, die wie im Regenbogen leuchten, wo alles versöhnlich nebeneinander sein darf und keiner ist böse und keiner gut, alle sind unterschiedslos schön. Ist denn rot besser als blau? Oder ist ein Samen toller als die Blüte?
Die Sache ist sehr einfach: Wir sind keine Farben, oder Blumen (und selbst die Farben brauchen den Menschen, der ihre Anordnung als "schön" bezeichnet, selbst die Blumen brauchen zur Veredlung einen Gärnter, der mehr von der Blume weiss, als die Blume selber) Wir haben etwas vor. Eine abenteurliche Reise.
Wer sich auf einer Reise orientieren und weiter kommen will, muss wissen wo er steht.
Wenn es darum geht, etwas zu erlangen (zum Beispiel Erkenntnisse höherer Welten), einen besseren Ort zu erreichen, sich weiter zu entwickeln, mehr zu verstehen, auf einer höherem Rang glücklich zu sein, dann nützt es niemanden, wenn man sagt, der eine ist lila Kilometer weit entfernt, der andere blau Meter näher und der dritte, sehr schön rosa weit. Das ist keine Hilfe, sondern eine Lüge. Das ist zwar nett gemeint, aber dient nicht der Sache.
Was ist die Sache, was die Endabsicht der Schöpfung, warum wird diese nicht unmittelbar erreicht, warum ist das Vollkommene nicht alles und nicht gleich am Anfang?
Schelling sagt es so: "Weil Gott ein Leben ist, nicht bloß ein Sein."

Es ist ja gerade der Witz von Evolution, dass es um Höher-Entwicklung geht, darum weiter zu kommen, mehr zu wissen, bedeutsamer, besser und wahrhaft menschlich. Bedeutsamer, besser und menschlicher auf allen Ebenen. Als Individuum und Kollektiv. Als Mensch und als Menscheheit.

Rudolf Steiner war einer der Schrittmacher, einer der progressiven Denker und Täter und so schreibt What is Enlightenment? über ihn und die Anthroposophie, als "evolutionäre Esoterik":
"Eine der einflussreichsten Bewegungen evolutionärer Spiritualität im deutschen Sprachraum ist die Anthroposophie. Ihr Gründer Rudolf Steiner war sehr interessiert den Spuren seines Vorbildes Goethe zu folgen indem er seine Naturwissenschaftlichen Erkenntnisse benutzte, die Goethe z.B. in "Die Metarmorphose der Pflanze" beschrieb. Diese Prinzipien beeinhalten ewas, was wir heute vielleicht eine kontemplative Haltung nennen würden, in der es darum geht die richtige Betrachtungsart für das jeweilige Objekt der Forschung zu finden. Hier bedeutet Wissenschaft weniger die Suche nach Modellen, als vielmehr der Versuch die Erscheinungen für sich sprechen zu lasssen. Zeitgenössische anthroposophische Denker versuchen diese Prinzipien auch auf die Evolution anzuwenden".

Lesen Sie den spannenden Bericht und die inspirierenden Grafiken in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift What is Enlightenment?, die Steiner in Bild und Wort zitiert:

"Alles auf Erden unterliegt den Gesetzen der Evolution, und das trifft insbesondere auf die menschliche Seele zu."
Das Bild, ein so gennantes Skribbel, stammt von Uwe Kortlepel. Demnächst mehr dazu.

Donnerstag, 12. April 2007

Naturschutz ist Sterbebegleitung.- Über das Eine und die Vielen

Das Klima, die Blume, der Berg und das Meer – die ganze Natur ist endlich, sie ist sterblich. Am Ende wird es keine Natur mehr geben. Natur hat einen Anfang und alles was ein Anfang hat hat auch ein Ende und davor war sie nicht und danach ist sie auch nicht mehr.

Die Sonne und der Schmetterling, sind nicht das Höchste, denn das Höchste in unvergänglich. Sie sind Symbol und Ausdruck des höchsten GEISTES, aus ihnen spricht eine höhere, tiefere, ewige und schlichte Harmonie, aber sie ist niemals selber dieses Harmonie, das Ewige oder das Höchste.

Alles was wir als Natur lieben, ehren und genießen ist integraler Bestandteil des ewigen Geistes. Nicht der Geist selber. Alles Grundlegende kann vollkommen vom Geist durchdrungen sein, darum ist alles was wir als Grundlegendes erfahren und genießen ein Ausdruck des EINEN, des EWIGEN.

Aber es ist nur der niedrigste, der grundlgenste Ausdruck, grundlegenste Verkörperung eines Bestandteils dieses Geistes, ein sterblicher Ausdruck des Unsterblichen und nur ein Bruchteil des gesamten Geist ist in diesen Dingen.

Wer die Natur anbetet, betet den sterblichen Ausdruck Gottes an. Schlimmer noch: "Die Anbeter der Natur, sind die Zerstörer der NATUR" (Ken Wilber), denn sie schauen nicht darüber hinaus, nicht durch die Natur auf die NATUR, sondern in die Natur und hoffen dort Gott zu treffen, sie "starren nur aussen die Natur an" (Wilber), sind abhängig von diesem Symbol und lächeln sich in den Sonnenuntergang, der nichts als ein schattiger Abglanz des Geistes ist, der ihn hervorbrachte. Der Geist der durch die Sonne strahlt sehnt sich nach des Menschen impulsierenden Gegenstrahlen und erhält nichts als ein süßliches Grinsen.
Naturschutz ist Sterbebegleitung.

Ja, in einem Baum ist Gott. In jedem Orgasmus ist Gott. In jeder Träne und in jedem Kinderlachen. Aber nicht der gesamte Gott ist im Baum, im Orgasmus, der Träne und dem Lachen, sondern gerade nur soviel, wie ein winziger Ast, ein Orgasmus oder ein Lachen an Göttlichkeit aufnehmen kann. Das ist zwar viel, weil Gott immer viel ist, aber es ist eben auch mikroskopisch wenig – und wenn Gott nur in der Natur der Dinge sucht, sucht die banale Mikroversion dieses Gottes.
Er wird vor Sehnsucht sterben und nicht zum ewigen Leben erwachen. Das gleiche gilt für den Menschen als Naturwesen.

Wenn man sagt, "etwas ist im Menschen, dass Gott gleich ist -, so heisst das nicht, auch der Mensch selbst ist Gott gleich, denn ein Tropfen aus dem Meere ist seiner Substanz nach dem Meere gleich, aber der Tropfen ist noch nicht das Meer. So ist die menschliche Seele ein Tropfen aus dem Meere der Gottheit, aber sie ist nicht Gott und so wie der Tropfen sich mit seiner eigenen Substanz vereinigen kann, wenn sie ihn ins Meer gießen, so vereinigt sich die Seele als ein Tropfen der Gottheit in geistiger Weise in Gebet oder Meditation mit ihrem Gott." (Rudolf Steiner)

Teile des Geistes finde ich überall. Alle Mystiker haben davon die aufregende Geschichten erzählt und sie handeln davon, dass nichts ohne Göttlichkeit ist, dass in allem Sterblichen auch eine Spur des Ewigen ist und dass Gott auch einen Tropfen aus dem unermesslichen Ozean seines Selbst in Dein Urin gegeben hat – nur darum ist auch Urin, und nicht nur Blut, ein ganz besonderer Saft.

Auch in der schönen Natur, im Wald und in der Tropfsteinhöhle, auf dem Kornfeld und bei Greenpeace kann ich mich verlieren und finde nur Stückwerk des Geistes und je mehr ich in dieser dinglichen Natur aufgehe, je mehr ich mich ihr hingebe, je mehr ich mich mit ihrer Schönheit, ihrem Schmerz und ihrer scheinbaren ewigen Wiederkehr der Jahreszeiten eins fühle, desto mehr identifiziere ich mich mit dem Tod und nicht mit dem Leben.

Die Schöpfung ist niemals sündhaft, sich verlieren in der Schöpfung ist Sünde.
Nicht nur Drogen und Computerspiele machen abhängig, auch der Berg der mich ruft und der Schmetterling von dem ich nicht den Blick wenden kann. Auch das sind Todesboten.
Wer sein Herz nur an irdische Dinge hängt, den bringen diese irdischen Dinge um, bevor das Herz für etwas höheres schlagen kann.

Man kann das EINE niemals wirklich erfahren, solange man sich mit den Vielen Identifiziert. So schön sie auch sein mögen.
Oder andersherum: Wer das EINE wirklich und wahrhaftig erfahren hat, wird sich niemals mehr mit dem Vielen identifizieren – auch nicht mit der Persönlichkeit die seinen Namen trägt, auch die ist vergänglich. Unvergänglich ist nur dasjenige, was sich dieser Persönlichkeit bewusst ist. Du.

Wenn ich nach der transzendenten Alle-Eins Erfahrung suche, wenn ich Gott als Ganzheit substantiell erfahren will, wenn ich als Mensch im heiligen und ungeteilten GEIST aufgehen will, dann werde ich das niemals über seine Teile oder die Summe seiner Teile erfahren.
Auf diesem Weg bleibt alles Einheitserleben bloßes Multierleben. In diesem Multierleben feiert man die Vielheit und wundert sich, warum man nicht zur wirklichen Einheit vorstoßen kann.
Man wundert sich, warum das lang ersehnte und kurz erhaschte Gefühl des Einsseins verschwindet wenn man morgens im Reihenhaus aufwacht – denn dann ist alle schöne, friedliche Einigkeit, die man gestern noch auf der Bergspitze erlebte, eliminiert.
Das ist kein Wunder. Denn den ganzen GEIST erfahren, kann man nicht indem man auf Berge steigt oder mit Blumen spricht, den Mond ansingt, Bäume umarmt oder einen Menschen küsst. Das ist alles bestenfalls ein Symbol des EINEN, schlimmstenfalls ein Todeskuss. Das EINE, den ganzen GEIST, den umfassenden GOTT, kann man nur erfahren indem man das geistige im Menschen, zum geistigen im Weltenhall führt. Denn "der Einzelne muss den Geist in sich haben, sonst fällt er ab, wie ein dürres Blatt von jenem Baume, und war umsonst da" (Steiner)


Hat der der Mensche sich "aus der Einzelheit heraus, in das göttliche Leben der Idee eingelebt, hat er das erreicht, wozu der Strebenskeim in seiner Brust liegt: Seine Vereinigung mit dem Geiste; und dies ist seine wahre Bestimmung." (Steiner)


"Fliehe die Vielen, und suche das Eine, hast Du es gefunden, so erkennen und umfange die Vielen als das Eine." (Wilber)



Das Foto vom Blog weisheitdendeslebens

Dienstag, 10. April 2007

Horizont-Gott: Warum wir eine authentische Religion brauchen

Als Anthroposoph bin ich ein Mensch, der die traditionelle Religion als ein berechtigtes Stadium durchschritten hat. Was sich so gravitätisch anhört ist immer ein schmerzvoller und manchmal auch ein hässlicher Prozess.

Das was man gestern als sakrosankt erkannt hatte, wird heute als unzeitgemäß verabschiedet werden. Was wir heute als Wahrheit und Modernität feiern, erkennen wir morgen und von einem höheren Standpunkt aus, als gestrig und niedrig. Weil das auch für unsere Götter gilt, die durch diese Sicht von absoluten zu relativen Göttern werden, brauchen wir den einen, den Horizont-Gott.
Ein Horizont-Gott hält, wie der Horizont, immer Abstand zu uns. Er kümmert sich nicht um unser Tempo, er bleibt immer vor uns, immer VorBild.
Dieser Horizont-Gott ist unser eingebauter Kniebeuger, der uns, wenn wir meinen das Ende erreicht zu haben, uns immer wieder auf die scheinbare Ziellinie nieder drückt und sagt: "Das ist nicht das Ziel, das ist der Start. Auf die Plätze, fertig, los!"
Und dann schnellen wir aus der gebeugten und gespannten Haltung hervor, um die nächste Etappe zu erreichen. Dieser Lauf, diese spirituelle Steigerung und Entwicklung tun wir aus Liebe zur Tat und aus höchster Lust. Aber auf unserem Spurt rasen wir an den alten Etappen-Göttern vorbei. Wir lassen sie alle hinter uns: Unsere Idole, unsere Meister und Lehrer.

Anthroposophen sind nicht anti-religiös, sondern trans-religiös.
Wir schaffen Religion nicht ab, weil wir wissen, dass vor allem Kinder, aber auch Erwachsene zu ihrer Höherentwicklung auch das Mitfühlen brauchen, die Bewegung der Seele. Wir brauchen eine authentische, eine freie Religion. Religion ist seelische, fühlende, emfindende Hinngabe an das Universum und trägt zu unserer Unsterblichkeit bei.
Auf einer höheren, freieren Ebene ist Anthroposophie dann trans-religiös.
Denn "alle freie Religiosität, die sich in der Zukunft innerhalb der Menschheit entwickeln wird, wird darauf beruhen, dass in jedem Menschen das Ebenbild der Gottheit
wirklich in unmittelbarer Lebenspraxis, nicht bloß in der Theorie, anerkannt werde.
Dann wird es keinen Religionszwang geben können, dann wird es keinen Religionszwang
zu geben brauchen, denn dann wird die Begegnung jedes Menschen mit jedem Menschen
von vornherein eine religiöse Handlung, ein Sakrament sein, und niemand wird eine besondere Kirche, die äußere Einrichtungen auf dem physischen Plan hat, nötig haben, das religiöse Leben aufrechtzuerhalten. Die Kirche kann, wenn sie sich richtig versteht, nur die eine Absicht haben, sich unnötig zu machen auf dem physischen Plane, indem das ganze Leben zum Ausdruck des Übersinnlichen gemacht wird."
(Rudolf Steiner)

Gott ist nicht tot, er erscheint nur als upgedatete Version. Als Gott 2.0.
Wir brauchen Religion als Entwickungshilfeprojekt. Um bis in unsere tiefste Seele zu fühlen, dass wir nach einem viel Höheren Streben, als uns selbst aus reinem Wissen erkennbar sein kann. Religion beleuchtet, das unerleuchtete mit heilendem Licht – sie weiht das Unbewusste, das noch Unerkannte.
Das Gefühl geht der Erkenntnis voran, darum muss das Gefühl eine heilige Aufgabe haben. Religion lässt uns heute fühlen, was wir morgen wissen. Traditionelle Religion, die von uns Menschen dekonstruiert und zu einer Funktion rekonstruiert wurde, ist die Trans-Religion die wir brauchen.

Samstag, 7. April 2007

Die drei Erfahrungen

Den Leserinnen und Lesern von AnthroNRW wünsche ich eine gesegnete Osterzeit.
Mir scheint diese Zeit geeignet, um über drei grundlegend verschiedene Erfahrungen zu berichten. Sie können so überschrieben werden, wie ich das aus meiner Sozialisation als abendländischer Anthroposoph getan habe, oder völlig anders.

Die Gott-Erfahrung
Die erste Erfahrung ist die Erfahrung des ewigen, unermesslichen, angstfreien und ungetrennten Friedens mit und in allem. Es ist die Expansion des Bewusstseins ins Unendliche. In einen Zustand des ungeborenen und unsterblichen, unendlichen sanften Seins.
Ein Zustand, in dem es keinen Unterschied zwischen dem allmächtigen, geistig-pysischen Gotteswesen und Dir mehr gibt und in dem Du erkennst, dass Gottesbewusstsein identisch ist mit Deinem Bewusstsein.
Es ist der Moment in dem Du keine Sehnsucht mehr hast und keine Furcht mehr kennst, weil es nichts ausserhalb Deines Seins gibt, was Du erreichen oder befürchten kannst – Du bist im Einen und das Eine. Es ist alles wie es ist und alles ist paradiesische Heiligkeit und in Dir ist Gott und Du bis in Gott und darüber hinaus ist nichts und alles. Und Dein eignes Ich wird im Gottes-Ich aufklingen, zu der einen Symphonie die Du hörst, tanzt, spielst, dirigierst und komponierst im selben, ewigen Augenblick. Du bist ein Angekommener.
Ex deo nascimur
Die Christus-Erfahrung
Die zweite Erfahrung ist die Erfahrung des Mensch-Werdens, welche immer eine Grenzerfahrung ist die einen zerreist. Es ist die schmerzvollste und lustvollste Erfahrung zugleich.

Lustvoll, weil das Leben nur einen Sinn hat: Es mit so viel Glück wie möglich zu füllen – Glück auf allen Ebenen. Life ist for living und Du brauchst Dich um nichts zu kümmern, als darum, größt möglich Freude und geringst möglichen Schmerz für Dich und Deine Nächsten zu erreichen. Genieße es für Dich und Du bist angekommen, erreiche es für andere und Du bist sozial engagiert. Tue beides mit gleichem Einsatz.

Schmerzvoll, weil Du Dein Getrennt-Sein erfährst, Du bist irrend und voller Sünde. Du urteilst und wirst verurteilt, Du bist krank an Körper und Seele und Du siehst, fühlst und denkst nur an Dich. Du bewegst Dich im Kreis, bist gefangener Deiner Fixierungen und verstrickt Dich wie ein Süchtiger in Illusionen die Du anbetest. Am Ende musst Du Dein Ego töten um zu überleben. Nur wenn du diesen Tod stirbst, wirst Du zu der dritten Erfahrung aufsteigen können, nur wenn du dein kleines ich vernichtest, wirst DU leben und erfahren was es bedeutet, dass "nicht mein, sondern Dein Wille geschehe – Nicht ich, sondern Christus in mir".
Dann wird Dein Ich im Welten-Ich zu einem Herz, in dem alles Platz hat. Du bist nun ein Ich-bin und dieses Wesen, welches nun Deine Biografie ergreifen will ist abhängig vom Grad Deines Bewusstseit und Deiner Bereitschaft Dein kleines ich für das große Ich zu opfern. Du bist als sterblicher unterwegs.
In Christo morimur
Die St. Michael-Erfahrung
Die dritte Erfahrung ist eine völlig andere, die folgen kann, aber nicht muss, wenn Du den Ego-Mord vollbracht hast. Es ist die Erfahrung, dass alles was existiert nur existiert wenn Du Dich entschließt, es zu erschaffen. Es ist die feurige Erfahrung, dass Du derjenige bist auf den es ankommt und Du derjenige bist dessen Taten darüber entscheiden ob und welche Zukunft Du, die Menschen, die Erde und der ganze Götter-Kosmos haben werden. Es ist eine Kampf-Erfahrung.

Nichts wird weiter existieren können, wenn Du es nicht aktiv am Leben erhälst und mit Leben erfüllst. Die Natur wird sterben und Du musst die Kreatur erschaffen. Die Natur weiss nichts von sich. Erst wenn Dein Bewusstsein weit, weit über Dich hinauswächst und sich zu einem andauernden Zustand entwickelt, wird die Kreatur sich ihrer selbst bewusst werden.
Gott wird sich – durch die Explosion und die dauerhaften Vertiefung Deines Bewusstseins und die Intensivierung und Verfeinerung Deiner Erkenntnisse – seiner selbst bewusst werden. Du wirst Dich in diesem Zustand vereinigen mit allen bewussten Wesen und ihr werdet feststellen, was die Antwort auf den Sinn des Lebens ist.
Ihr werdet feststellen, dass es keine Antwort gibt. NO FATE. Ihr werdet feststellen, dass Ihr diese Antwort in Taten geben müsst, nein: dürft. Es ist die Chance Eures Lebens. Ihr werdet Euch in das Geist-Licht stellen und das Geist-Licht wird sich Euch schenken, so wie Ihr euch schenkt und alles was früher Fixierung und Ego-Struktur war, wird nun zum heiligen Mittel um die Evolution zu dem Ziel zu führen, welches Ihr, aus erleuchteten Häuptern und aus erwärmten Herzen, wählt. Ihr werdet Euch mit Gott und als geistig-athletische Persönlichkeiten, auf Weg machen.
Ihr werdet zusammen herauszufinden, was Ihr als authentisches Kollektiv der Individuen vorhabt, was möglich ist und wie ihr das, was ihr als wahr, schön und gut erkannt habt, verwirklichen könnt. Du machst Dich unsterblich.
Per spiritum sanctum reviviscimus

Freitag, 6. April 2007

„Tach Schweiz!“ „Grüezi NRW!“

Das schweizer Internetportal für Anthroposophie "anthromedia" begrüßt in herzlichen Worten AnthroNRW und rezensiert die ersten Beiträge. "anthromedia.net" stellt sich als "eine repräsentative Website zu Anthroposophie im Internet" dar und informiert darüber hinaus als Nachschlagwerk "knapp, konkret und korrekt über anthroposophische Themen, Initiativen und Einrichtungen."
Mit dem Geschäftsleiter der Medienstelle Anthroposophie Schweiz und der Geschäftsstelle des Vereins anthromedia.net in Dornach, Christian Römelin sprach ich über AnthroNRW und freue mich über seine freundliche Begrüßung.

anthromedia.net wird von einem Trägerverein ermöglicht, dem anthroposophische Institutionen und Gesellschaften angehören. Zu den Mitgliedern gehören u.a.
Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, Dornach, Anthropoosophische Gesellschaft der Schweiz, Deutschlands, Frankreichs und Österreichs, das Rudolf Steiner-Archiv, Dornach und der Bund der Freien Waldorfschulen, Stuttgart. Alles weitere zu den Unterstützern lesen sie hier.


Und so beginnt "anthromedia" seinen Artikel:

Blog Anthroposophie : "Mit Persönlichkeit für das Über-Persönliche eintreten"

Noch ein Blog im verwirrend bunten Internetwald? Als Journalist und Redakteur der Zeitschrift info3 und des Newsletters inmedia kommunziert Sebastian Gronbach in seinem eigenen Stil zur, über und in der Anthroposophie. Seit Anfang März kann man sich einen Eindruck verschaffen unter anthronrw.blogspot.com.

"Ich will mit meinem großen und herzlichen "JA" zu Rudolf Steiner, indem ich mit kritischem Blick auf den Begründer und die anthroposophische Szene schaue, dieses "JA" authentischer machen", erklärt Sebastian Gronbach. Bei öffentlichen Vorträgen, auch ausserhalb des anthroposophischen Fachpublikums oder im Fernsehen, hat er aufgezeigt, dass Anthroposophie ein Thema sein kann, das ankommt. Dabei wirkt seine Eindeutigkeit oft auch polarisierend...lesen Sie weiter auf anthromedia.net

Mittwoch, 4. April 2007

„Warum sollte man nicht einen fundamentalen Neuanfang organisieren?“

Die soziale Frage schien lange Zeit eine Domäne der Sozialdemokraten zu sein. Aber während die SPD in jüngerer Zeit für viele eher Hartz-herzig wirkt, bricht ein CDU-Spitzenmann zu neuen Ufern auf.
Das war meinem info3-Kollegen Dr. Jens Heisterkamp und mir eine Reise wert.


In der Erfurter Staatskanzlei haben wir Thüringens Ministerpräsidenten Dieter Althaus besucht und ihn zu seine Plänen zum Grundeinkommen befragt.

Das Resümee des CDU Politikers:

"Es muss noch klarer werden, dass die heutigen gesellschaftspolitischen Strukturen nicht zukunftsfähig sind. Und schließlich: In der Publizistik stellt man manchmal eine sehr grundsätzliche Skepsis fest, die den Tenor hat: So etwas geht doch gar nicht, das ist nicht realisierbar. Hier wünsche ich mir mehr Mut. Vergleichbar mit dem Mut nach dem Zweiten Weltkrieg, die Marktwirtschaft 1948 bei Nacht und Nebel einzuführen. Das war die erfolgreichste Weichenstellung für Deutschland. Und warum sollte man nicht jetzt, wo man spürt, dass der Staat immer mehr an seine Handlungsgrenzen kommt und die Verfeinerung der Mechanismen nicht zu langfristigen Lösungen führt, warum sollte man nicht heute einen solchen fundamentalen Neuanfang organisieren? Oder sollte Professor Paul Kirchhof Recht behalten, der sinngemäß gesagt hat: Die Deutschen haben sich auf Abstieg eingestellt. Sie erwarten von der Politik nichts Gutes, nur dass sich der Abstieg für sie persönlich so glimpfl ich wiemöglich abspielt. Ich glaube, eine solche Einstellung führt in die Sackgasse. Wir brauchen neue Perspektiven und mehr Mut für Veränderungen. Alle müssen anpacken."

Das ganze Gespräch und viele weitere aktuelle Beiträge zum Thema Grundeinkommen, Öko-Wirtschaft und darüber wie Geld glücklich macht, können Sie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "info3 – Anthroposophie im Dialog" lesen.
Ab sofort in der Bahnhofsbuchhandlung, bei ihrem anthroposophischen Buchhändler, oder am besten als Abo.

Und demnächst, präsentiert von info3:


u.a. mit MP Dieter Althaus und DM Götz Werner
vom 1. bis 3. Juni 2007Freitag 20 Uhr bis Sonntag 13 Uhr
im Anthroposophischen Zentrum Kassel, Wilhelmshöher Allee, 261, 34131 Kassel
Das Foto zeigt die info3-Redakteure Dr. Jens Heisterkamp und Sebastian Gronbach mit Ministerpräsident Dieter Althaus (Mitte) in der Thüringischen Staatskanzlei zu Erfurt

Dienstag, 3. April 2007

Offenheit für Neues und die Förderung von suchenden Menschen.

Ute Reifenberg ist seit langen Jahren ein engagiertes Mitglied der Anthroposphischen Gesellschaft in NRW. Im Düsseldorfer Zweig ist sie bekannt dafür, sowohl die etablierten Freunde anzusprechen, als auch das richtige Wort für neue Mitglieder zu finden.
Ich traf Ute Reifenberg vor Jahren in einem Internet-Diskussionsforum zu den Ideen Rudolf Steiners – mittlerweile haben wir uns auch mehrfach leibhaftig getroffen.


Mitgliedern wie Ute Reifenberg ist es zu verdanken, dass die Anthroposphische Gesellschaft sich bewegt.
Ute Reifenberg bewegt nämlich nicht nur viele Dinge, sondern sie bewegt sich vor allem selbst von Ort zu Ort und von Mensch zu Mensch. Aber auch ihren inneren Menschen im Denken und Fühlen bewegt sie. Bei Ihr habe ich das Gefühl, dass Sie so unglaublich beweglich sein kann, weil sie in sich einen Kompass hat, der ihr immer wieder die Mitte und ihren wahren Weg anzeigt. Anthroposophie macht beweglich und gibt Orientierung. Sie befreit und gibt Sicherheit. Sie verleiht Flügel und sorgt für Halt.
Anthroposophie ist geschaffen für widersprüchliche Menschen in paradoxen Zeiten.
Würden Sie Ute Reifenberg kennen, sie wüssten was ich meine.

Für AnthroNRW habe ich sie interviewt.

Ute Reifenberg, einerseits verkörpern Sie die klassische "weissharige Zweig-Gänger-Generation", andereseits sind sie seit langer Zeit auch im Internet auf der "Rudolf-Steiner-Liste" Diskussionsmitglied und pflegen enge Kontakte zu jungen und unorthodoxen Mitgliedern der Gesellschaft. Wie erleben Sie die beiden Generationen – überwindet Anthroposophie die Altersunterschiede, oder sind Generationskonflikte in der Anthroposophischen Gesellschaft besonders gravierend?

Für mich lassen sich diese beiden Pole - Mitglied der AG und der RSL - sehr gut vereinigen. Im Zweigleben arbeiten wir gemeinsam am Werk RST und bilden eine Stätte für rechte Pflege zum Menschenverständnis und des Seelenlebens.
Die RSL ist mehr als nur eine virtuelle Familie: sie ist DIE anthroposophische virtuelle Familie! Hier werden aktuelle Themen und Ereignisse der physischen und der Geistigen Welt mit grossem Wissen und Einfühlungsvermögen gepflegt. Hier "arbeiten" viele Menschen an ein Themen, die bis nahezu zwei Wochen gehen können, weil die aristotelischen Kategorien -oft unbewußt- angewendet werden. Manchmal geht es in den Diskussionen hart aber fair in grosser Offenheit zu. So ist die RSL eine ganz moderne und immer aktuelle Gemeinschaft von Anthroposophen. und solchen, die es werden wollen/können. Und lustig geht es auch oft zu! Es sollten keine Generationskonflikte in der AG geben - in meinem anthroposophischen Bild gibt es sie nicht! Sind dann einmal Konflikte entstanden, dann kann man durch gutgeführte Gespräche oder Taten diese ausräumen. Am letzten Sonntag hat ein sehr harmonisches Treffen einiger RSLer -- das Alter variierte zwischen 35 und Ende 70 --in Frankfurt-Niederursel stattgefunden und nun kennen sich ein Teil die RSLer von Aug' zu Auge und von Ohr zu Ohr. Sehr schön war's! Und meine Befürchtung, ich sei die Älteste: ist dahin!


Anthroposophie kann man auch ohne institutionelle Anbindung studieren – was macht für Sie den Unterschied zwischen Mitgliedschaft und Zugehörigkeit zur Bewegung aus?

Stimmt --- man kann zu Hause das Werk Steiners für sich alleine studieren; jedoch: mir haben die Gespräche mit Freunden immer geholfen, weil sie erhellend waren und neue Geistestüren geöffnet wurden. Und wenn man erfährt, dass das Leben sich im Denken, Fühlen und Wollen verändert hat, dann sollte es eine Herzensangelenheit sein, JA zu dieser Gesellschaft zu sagen und sich mit ihr zu verbinden.


Inwiefern unterscheidet es sich wiederum Mitglied der Hochschule zu sein?

Die Hochschule ist der Diamant der Anthroposophie und als deren Mitglied hat der Mensch eine grosse Verantwortung ALLEM gegenüber. Diese Mitgliedschaft kann man wiederum auch nur persönlich erleben und dadurch erfahren 'alle Welten' Veränderung.


Welche Rolle spielt die Anthroposophische Gesellschaft für Ihr Älterwerden?

"Da weiß ich, was ich habe!" d.h. durch die Arbeit im Zweig und mit den Freunden der RSL habe ich eine ungeheuere Sicherheit und Vertrauen zu den Welten erworben und komme gar nicht dazu, daran zu denken, dass bald wieder mein Geburtstag ist.
Und solange ich Mitglied der RSL bin, werde ich im geistigen Sinne nicht älter, sondern werde reifer und bleibe jung!


Gibt es einen Faktor-NRW, von dem die Anthroposophische Gesellschaft im besonderen Maße profitieren kann?

NRW ist die dichtbesiedelste Region in Deutschland und die AG kann nur an suchenden Willensmenschen wachsen; oft müssen die Menschen wachwerden durch Ereignisse, Zusammenkünfte, Feste mit wahrem anthroposophischen Inhalt.
Als Beipiel will ich eine Eurythmietagung in Düsseldorf erwähnen, die im Herbst 2006 in Düsseldorf stattfand: alle Lebensgebiete wurden vom Aspekt dieser Kunst beleuchtet. Solche Hypes als Hoffnungsstrahl wünsche ich der AG in NRW und der Welt-AG!


Was wünschen Sie sich von Ihrem Arbeitszentrum?

Die Weiterentwicklung vieler neuer Projekte z.B. - wie sie im AG NRW jetzt impulsiert wurde -, dass die Mitglieder zu Konferenzen des AZ nach Bochum eingeladen werden und die Gelegenheit haben, Zeitgemäßes einzubringen und so die AG zu einer modernen AG werden zu lassen.
Weiterhin die ernsthafte Pflege des geisteswissenschaftlichen Geistesgutes von Rudolf Steiner mit dem heutigen Menschen, Offenheit für Neues und die Förderung von suchenden Menschen.

Frau Reifenberg, liebe Ute, Danke!

Montag, 2. April 2007

Wo steht der anthroposophische Kulturimpuls – Trends und Fakten

Das breite Interesse an spirituellen Themen ist ein vergleichsweise junges Phänomen, das beinah täglich neue Spielarten vervorbringt. Verglichen mit anderen spirituellen Ansätzen hat jedoch die Anthroposophie bereits eine beachtliche Infrastruktur ausgebildet.

Im "Adressenverzeichnis Anthroposophie" finden sich beispielsweise rund 7000 Adresssen von Einrichtungen, Intitiativen und Einzelpersönlichkeiten. Die Breite des Angebots reicht dabei von Anthroposophischen Arztpraxen, therapeutischen Angeboten, Waldorfschulen und –Kindergärten, Demeter-Höfen, Verlagen, Kunstprojekten, Behindertenarbeit, Biorafieberatung bis hin zu Wirtschaftsinitiativen, Geldinstituten und Rechtsanwälten – Angebote also für praktisch alle Lebenslagen.
Diese Fülle wird von einer vergleichsweise kleinen Anzahl von Menschen getragen. Die Anthroposophische Gesellschaft verzeichnete im Jahr 2006 18.000 Mitglieder.
In Klammern könnte man noch die Zahl von rund 10.000 Mitgliedern der an Rudolf Steiner orientieren "Christenemeinschaft" hinzurechnen. Aber selbst wenn man die Zahl der in der "anthroposophischen Bewegung" engagierten Menschen vielleicht noch einmal doppelt so hoch ansetzt, wirken diese Zahlen doch eher bescheiden, ja marginal, zumal wenn man einmal Vergeleichszahlen anderer Weltanschauungsgruppen heranzieht: derzeit leben in Deutschland 160.000 praktizierende Buddhisten, 165.000 Menschen gehören den Zeugen Jehovas an.
Eine andere interessante Vergleichszahl: Die Globalisierungskritiker-Organisation "Attac" gibt derzeit 16.000 Mitglieder an; wenn man bedenkt, dass diese sich nur auf ein Thema und auf politische Kampagnen beschränken, dann wird offensichtlich, wie Anthroposophen doch eine Menge mehr mit der gleichen "manpower" erreichen.
Auch in der Medienpräsenz schneiden Anthroposophen verglichen mit anderen spirituellen oder religiösen Gruppen überproportional gut ab.


Dieser Text von Jens Heisterkamp stammt aus den "infoseiten anthroposophie – Frühjahr 2007" aus dem info3-Verlag. Die "infoseiten anthroposophie" erreichen nahezu flächendeckend die gesamte anthroposophische Leserschaft, erscheinen 3 x im Jahr und erreichen ein Auflage von 52.000.
Anzeigeschluss für die nächste Ausgabe: 30. Mai 2007.

Sonntag, 1. April 2007

Helmut Kohl „Rudolf Steiner hätte in der CDU einen Ehrenplatz“

Viele wussten, dass Helmut Kohl seinen Sohn auf eine Waldorfschule geschickt hat, aber den wenigsten mag bekannt sein, dass er seit langer Zeit eine innige Herzensbindung zur Anthroposophischen Gesellschaft pflegt. Zuerst nur bei Zweigbesuchen, an denen er zurückhaltend, aber innerlich bewegt, teilgenommen hatte.
Jetzt sprach der ehemalige Bundeskanzler, auf der gestrigen Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, ein Grußwort an die rund 880 Mitglieder.
Für ihn sei es Zeit, so Kohl, "dass sich die Partei, die den Christus im Namen trage, mit den Schriften Steiners vertraut macht."
Der für die meisten Mitglieder wohl völlig überraschende Auftritt, kulminierte, als Helmut Kohl mit bewegenden Worten beschrieb, wie er "gerade in den schwersten Stunden, als viele meiner anthroposophischen Freunde die Grünen mitgegründet haben, ich immer wieder in den Texten Steiners über die Mission der einzelnen Völkerseelen, gespürt habe, dass Geschichte mehr ist als nur Zahlenwerk. Der Mantel der Geschichte wird getragen von wirklichen Wesen", so Kohl zu den Mitgliedern.
Bei einem kurzen Rundgang durch das Goetheanum, sagte er: "Es ist sicherlich nicht sicher, dass Rudolf Steiner CDU gewählt hätte, aber sie können ganz sicher sein: Rudolf Steiner hätte in der CDU einen Ehrenplatz. Für eine Christuspartei sei das "mehr als selbstverständlich."

AnthroNRW wird weiter berichten.

Hören Sie die Sonne lachen? Ab heute gehts wieder los mit dem Seelenkalender!

Haben Sie schon mal die Sonne lachen hören? So laut und deutlich, dass es leiser wurde, wenn Sie sich die Ohren zu halten?
Natürlich nicht. Trotzdem wissen Sie genau, wie die Sonne lacht. Heute zum Beispiel lacht sie wieder sehr laut. Herrlich!

Irgendwie verstand man, dass hier ein Bild gemalt wurde, welches auf dieser spezifischen Ebene als "wahr" gelten kann. Man hat unmittelbaren Zugang zu einer Ebene auf der ein Bild ein Bild und gleichzeitig eine lebendige Tatsache ist. Zu dieser Ebene hat die Postmoderne keinen natürlichen Zugang mehr.
Verliebte zum Beispiel haben noch Zugang zu dieser Ebene und wissen, dass Worte in Liebesbriefen, Schwüren und Seufzern nicht ohne weiteres die Ebenen wechseln können.
Wir wissen, dass man nur in einem bestimmten Rahmen "ein süßer Hase", ein "starker Hengst", ein "Engel der Versuchung", "eine blonde Göttin" oder "mein ein und alles" ist.
Niemand käme auf die Idee mit einem Gentest beweisen zu wollen, dass man wirklich ein Hase oder Hengst ist, niemand würde anhand von Fangfragen die Echtheit des Engels testen wollen. Aber es käme auch niemand auf die Idee daran zu zweifeln, denn nichts ist in diesem Raum der Verliebten wahrer als der Schwur, dass man keine Minute ohne den anderen Leben könne. Eine Etage tiefer, im Labor des postmodernen Lebens herrscht ein anderes Klima, ein Klima in dem solch ein Satz zu Staub zerfällt oder bestenfalls als poetische Schwärmerei überlebt – obwohl er wenige Meter weiter soviel mehr ist.

Steiners Vorträge fanden nicht selten in diesem Raum der Verliebten statt und obwohl er immer davon sprach, dass dieser Raum menschheitlich gesprochen, der Vergangenheit angehört, nutzte er ihn doch um einen unmittelbaren Zugang zu seinen Zuhöreren zu bekommen.
In diesem Raum kann der Zuhörer den Subtext lesen, er kann über die Worte hinaus verstehen was eigentlich gemeint ist.
Mit eigentlich ist nicht gemeint, dass, um bei dem Sonnenbeispiel zu bleiben, die Sonne scheint, denn auch das ist keinesfalls eine nüchterne Beschreibung, denn bekanntlich sind es eher die Folgen von Explosionen die wir als scheinen wahrnehmen.

Das Eigentliche spielt sich in diesem Fall zwischen Sonne und Mensch ab.

Wer sagt, dass die Sonne lacht, setzt sich in ein Verhältnis zur Sonne und erzählt, was die Sonne in ihm macht – nämlich lachen. Und zwar mit ihm zusammen.

Wer sagt, dass die Sonne lacht, zeigt, dass die Sonne etwas mit ihm und seiner Seele zu tu hat, dass seine Seele etwas ist, was die Sonnenkraft wirklich erleben kann.

Wer sagt, dass die Sonne lacht, zeigt, dass er und die Sonnen eine Beziehung haben, er sagt dass da draussen im Weltenall etwas ist, das mit seinem tiefen Seelengrund etwas zu tun hat.

Wer sagt, dass die Sonne lacht, wer in seiner Seele eine Sonne fühlt und wer glaubt etwas von sich in der Sonne zu erkenen, der ist reif für den Anthroposophischen Seelenkalender der am heutigen 1.April beginnt.

Hier spricht die Seele mit der Natur und die Natur bewegt sich in der Seele und lässt den Menschen aktiv an ihrer Wandlung teilnehmen, die auch immer ein Bild für seelische Wandlungen und Metamorphosen sind.

Der Seelenkalender ist eine eine Möglichkeit sich fühlend auf die Such nach der Wahrheit zu machen, denn Wahrheit kann man nicht nur aussen durch eine Brille erkennen, sondern auch innen durch das Fühlen. "Wahrheit", so Friedrich Schiller "suchen wir beide, du aussen im Leben, ich innen in dem Herzen, und so findet sie jeder gewiss. Ist das Auge gesund, so begegnet es aussen dem Schöpfer; ist es das Herz, dann gewiss spiegelt es innen die Welt."

"In dem Seelenkalender wird der Menschengeist in derjenigen Lage gedacht, in welcher er an den Jahreszeiten-Stimmungen von Woche zu Woche das eigene Seelenweben im Bilde an den Eindrücken des Jahreslaufes erfühlen kann. Es ist an einfühlendes Selbsterkennen gedacht." (Steiner)

Wenn Sie heute beginnen und lesen, dass die Sonnen zu ihnen spricht, dann verstehen Sie das eigentliche – heute, wo die Sonne so schön lacht.


Wenn aus den Weltenweiten
Die Sonne spricht zum Menschensinn
Und Freude aus den Seelentiefen
Dem Licht sich eint im Schauen,
Dann ziehen aus der Selbstheit Hülle
Gedanken in die Raumesfernen
Und binden dumpf
Des Menschen Wesen an des Geistes Sein.
Den Anthroposophischen Seelenkalender können Sie direkt bei amazon bestellen (oder in ihrer Buchhandlung)
Lesen Sie auch was Jens Prochnow zum Seelenkalender geschrieben hat.
Das Bild der lachenden Sonne stammt von der "Kita Kleine Sonne" aus Aachen.