Stelle dir Menschen vor in einer unterirdischen Wohnstätte... von Kind auf sind sie in dieser Höhle festgebannt. Sie sehen nur geradeaus vor sich hin. Von oben her aber aus der Ferne von rückwärts erscheint ihnen ein Feuerschein; zwischen dem Feuer aber und den Gefesselten läuft oben ein Weg hin, längs dessen eine niedrige Mauer errichtet ist. Längs dieser Mauer tragen Menschen allerlei Gerätschaften vorbei.Können solche Gefangenen von sich selbst sowohl wie gegenseitig voneinander gesehen haben als die Schatten, die durch die Wirkung des Feuers auf die ihnen gegenüberligende Wand der Höhle geworfen werden?
Durchweg also würden die Gefangenen nichts anderes für wahr gelten lassen als die Schatten der künstlichen Gegenstände.
Wenn einer von ihnen entfesselt und genötigt würde, plötzlich aufzustehen, den Hals umzuwenden, nach dem Lichte emporzublicken.Und
wenn man ihn nun zwänge, sein Licht auf das Licht selbst zu richten, so würden ihn doch seine Augen schmerzen.Wenn man ihn nun aber von da gewaltsam durch den Aufgang aufwärts schleppte und nicht eher ruhete, als bis man ihn an das Licht der Sonne gebracht hätte, würde er diese Gewaltsamkeit nicht schmerzlich empfinden und sich dagegen sträuben? Zuletzt dann würde er die in voller Wirklichkeit schauen und ihre Beschaffenheit zu betrachten imstande sein.
Wenn ein solcher wieder hinabstiege in die Höhle und dort wieder seinen alten Platz einnähme, würden dann seine Augen nicht förmlich eingetaucht werden in Finsternis. Und wenn er nun wieder wetteifern müßte in der Deutung jener Schattenbilder, würde er sich da nicht lächerlich machen und würde es nicht von ihm heißen, sein Aufstieg nach oben sei schuld daran.und schon der bloße Versuch, nach oben zu gelangen, sei verwerflich?..

18 Kommentare:
Das war doch mal ein schöner Beitrag. Da fällt mir eine Frage zu dem Gleichnis ein. Nahe liegend scheint ja zunächst die Frage nach dem Licht, der Quelle, meinetwegen. Dachte ich zumindest. Nach der Lektüre hier, mit den Bildern angereichert (Das Buch muss ich mir holen - für meine Kinder und mich), frage ich mich jedoch:
Woraus oder was sind die Ketten? (bitte nicht gleich mit Ego daher kommen, bitte. Wie wäre es mit ein wenig Brainstorming. Ich meine es gibt ja Polizeischellen und welche mit roten Sammet gepolstert, Eisenringe, etc...Ich schlage ein "weltoffenens" Vielleicht vor) Und damit es kein anderer sagen kann sage ich als erster:
(tusch) das E G O ! (tusch und Abgang)
So jetzt seid ihr dran...
Lieber Herr Gronbach,
schön dass Sie endlich auf meine Emails reagiert haben.
Ich habe Ihnen ja gesagt sie sollten mal sich den Morgenspruch der Waldorfschule nochmals vor das innere Auge nehmen, der anfängt mit der Zeile:
Ich schaue in die Welt in der die Sonne leuchtet....
Es heisst ja nicht
Ich schaue durch die Finsternis, in der die Schatten flackern....
Ich bin gerührt wir haben uns gegenseitig beleuchtet und erleuchtet.
Wahre Freundschaft entsteht aus unerbittlicher Oppposition!!!
Ihr Geistesfreund Herr Geiss
Woraus oder was sind die Ketten?
Aus Angst?
Lieber Sebastian
Die Geschichte vom Licht und ihrem Schatten ist lohnenswert - man muß sie nur mit den richtigen Bildern verknüpfen.
Habe ich das Licht im Rücken, sehe ich meinen Schatten.
Stelle ich mich allerdings dem Licht entgegen, bin ich der Schatten.( Siehe Bild von Deinem Blog vom 27.6.07)
Darin sehe ich auch die Aufgabe der Kunst heute, ein waches Bildbewußtsein zu entiwckeln und zu wissen wer der Künstler ist., der die Bilder erzeugt.
Deine Bilder sind im Moment ziemlich schwarz-weiß; wie wär es mal wieder mit ein bischen Farbe?
Liebe Grüße Klaudia
mal ganz selbstkritisch, so als Vater:
Erziehung.
und jetzt ganz Paradox gefragt und geantwortet:
Was ist das Licht? Erziehung.
Stimmt die Assoziation?
Liebe KLaudia,
"Stelle ich mich allerdings dem Licht entgegen, bin ich der Schatten."
Stimmt. Mit allen daraus entstehenden Problemen.
Aber es gibt eine simple Lösung: Kommt alle aus der Höhle in die Sonne, dann sind Schatten einfach nur Schatten und kein Problem.
Herzlich
Sebastian Gronbach
Lieber Sebastian, du vergisst die Ketten...
"entfesselt und genötigt", dass ist ein Kerngedanke bei dieser Metapher. nur so funktioniert das Bild. Es unterstellt letztlich, dass ein freier Wille nicht gegeben ist. In diesem Bild gilt auch nicht Klaudias Annahme, man könne sich einfach umdrehen. Was Klaudia mit Kunst macht, ist dass was der bärtige Mann meint, wenn er "Aber..." sagt. Kunst ist so eine Art Schlüsselfunktion, ein Angebot sich zu befreien. In den meisten Fällen wird die Kette etwas länger, die Schelle löst sich aber wahrscheinlich nur selten. So jedenfalls lese ich die Story...
Ich sehe auch kein Problem in dem Schatten, er ist ein Segen, solange man ihn als Schatten erkennt und seine Bedeutung beachtet. Nur die Schattenseite läßt uns erkennen , daß da noch etwas ist, wo das Licht nicht durchkann, wo sich dem Licht noch etwas entgegenstellt. Insofern kann uns der Schatten doch nur aufmuntern und ist nicht einfach nur Schatten. Er macht Sinn.
Klaudia
An nerone
Kust hat genau die Funktion sich zu befreien, allerdings nur wenn man die Fesseln ablegt, dann kann man sich umdrehen und sieht was man selber geschaffen hat. Dann gibt es kein Wahrscheinlich ,sondern dann "Erscheint-Es-Wahr.
Gruß Klaudia
Klaudia, du meinst doch die Künstlerin, oder? Die Schöpferin. Die, die sich hinsetzt und die Feile nimmt und Stückchen für Stückchen an der Schelle feilt, bis sie sich löst...
Das Produkt, die Kunst,das Ergebnis ist immer Wahr. Sogar objektiv Wahr, denke ich. Wahr-für-sich. Und für den Künstler natürlich noch mehr als Wahr -in-sich. Für den Betrachter ist es allerdings, solange er nicht eintaucht, nur Objekt, insofern Wahr-in-sich, aber letztlich nur wahrscheinlich.
Aber das war jetzt nur ein Versuch darüber nach zudenken. ich das aml mit durch den Tag. Danke Klaudia.
Wie man da raus kommt? In diesem Gleichnis übernimmt das jemand anderes. Mit Gewalt, Nötigung und Zwang. In diesem Gleichnis gibt es einen echten Guru, der den Höhlenmenschen erlöst.
Es ist nicht so, dass ich das unbedingt empfehlen würde, aber wer garaniert nicht darüber urteilen kann, sind die anderen Gefesselten die blöde an die Wand glotzen.
Worum ich noch bitte: Nicht nur nur die Fesseln zu umstricken, die Wände rosa zu streichen und ein paar Felle auszulegen.
Kunst kann Revolutionäre schaffen oder Schlafmittel sein.
Im anthropoosophsichen Kontext kenne ich eher letzteres.
Steiner gibt vier Möglichkeiten an aus der Höhle zu kommen, die Kunst ist eine davon:
“Die Erkenntnis, die Kunst, die Religion und die liebevolle Hingabe an eine Persönlichkeit im Geiste. Wer nicht wenigstens in einer dieser vier Sphären lebt, lebt überhaupt nicht.”
Herzlich
Sebastian Gronbach
Lieber Sebastian
Was bezeichnest Du als anthroposophische Kunst??
Anthroposophie ist doch auch nicht das, was der ein oder ander Anthroposoph zum Besten gibt!!
Nicht das Werk ist die Kunst, sondern die Erlebnisse an dem Werk
.
Es beginnt mit der Hingabe,
wird dann zum religiösen Leben: damit das wirken kann, was ungeboren in uns ist in unserem Gefühl, in unserem Willen,
Dann wird es Erkenntnis.
ALSO KÜNSTLER -- LEBE
Klaudia
Liebe Klaudia,
wenn Du mal meine Bloeinträge zwischem dem 22. und 24. Juli 2007 anschauen magst, dass weisst Du was für mich anthroposophische Kunst ist.
In Deinen diesen Schritten beschreibst Du ziemlich genau, was ich an dieser ganzen Kunst nicht mag: Sie ist eine ausgedachte Kopfgeburt.
Herzlich
Sebastian Gronbach
Das Du es als Kopfgeburt bezeichnest und es nicht magst, kann ja gut sein,daß will Dir ja auch keiner nehmen.
Was ich versucht habe zu beschreiben war, das der Kopf zuletzt kommt ! .
Wenn Du es lieber " Kopflos" magst, mußt Du Dich allerding nicht wundern und mich wundert auch nichts mehr.
Klaudia
Es ist eine Kopfgeburt, weil man sich vorher schon ausdenkt, was als erstes, zweites und drittes für eine prickelnde Erfahrung kommt. Man überlegt sich z.B., dass zuerst mal ein Gefühl kommen soll, dann am Ende der der Kopf - das ist aber sowas von schnarchig, dass es nachweisslich keinen (naja fst keinen) Menschen interessiert.
Das ist alles und sicher für vieles gut. Aber keine Kunst. Jedenfalls keine öffentlich wahr genomen wird. Ohne Wahrnehmung - keine Kunst. Das sagst Du auch.
Herzlich
Sebastian Gronbach
Schließt Du daraus, daß nur das was öffnetlich wahrgenommen wird Kunst ist? Da hab ich so meine Zweifel. Ich glaube, daß es für die Kunst nicht das wesentliche ist, das sie öffentlich in
Erscheinung tritt. Wesentlicher scheint mir zu sein, das durch sie sich etwas eröffnet.
Ich weiß selber, das man glaubt, weil etwas in einer Galerie hängt, sei es Kunst aber ich verstehe es halt anders. Vor allendingen erlebe ich Kunst oft als sehr schmerzhafes Geschehen und muß es deshalb nicht unbedingt öffentlich zur Schau stellen. Na, so sind wir halt verschieden.
Klaudia
Hallo Sebastian,
zum Thema Kopfgeburt: ist nicht heute (fast) die komplette Kunstszene total “kopfig“?
Wie Du weißt, arbeite ich in der Medien-Branche, muß mich hier ständig an dem "Zeitgeist" orientieren und auch “mitgehen".
In anderen Zusammenhängen habe ich den Unterschied zwischen "Prozeß-orientiert" und "Ergebnis-orientiert" sehr eindrücklich erleben können.
Bin mir sicher, daß meine tagtägliche Arbeit außschlißlich nur von dem Ergebnis abhängt. Dies trägt sicher auch zu einem gewissen Teil zu meinem "Selbstwertgefühl" bei.
Aber: was haben wir in Köln bei der "Firma" gemacht? war das "Ergebnis-orientiert"?
Ich habe es als einen für mich sehr wichtigen Prozeß erlebt!
Deshalb für mich die Frage: kann Kunst heute nur noch das sein, was öffentlich wahr genommen wird, erfogreich ist, auf der Exponata vertreten ist. Oder kann es auch sein, daß "Kunst" etwas mit einer inneren Mission, einem Prozeß zu tun hat?
Grüße Hans
Lieber Hans,
ich finde nicht, dass die ganze Kunstszene total kopfig ist. Kunst verschiebt sich für mich allerdings immer mehr aus den Museen in andere Bereiche. Werbung, Kino und Internt.
Ich bin sehr dafür den Prozess bewusst zu führen. Natürlich muss das immer sein. Ich bin aber darüber hinaus der Ansicht, dass es endlich auch zu Ergebnissen, zu echten heftigen Ergebnissen kommen muss. Das ist mein Reden vom Ankommen.
Prozessorientiert ist heute immer mehr Ausredenorientiert.
Natürlich hat Kunst mit innere Mission zu tun, wenn sie sich aber nicht öffentlich zeigt ist sie keine soziale Kunst. Dann ist sie egoistische und vielleicht auch ängstliche Kunst.
Wie kann es sein, dass Kunst nur mit Dir zu tun hat. Wenn sie etwas abbildet, was wirklich Dein inneres Bild ist, dann ist sie darüberhinaus für viele Menschen ein Thema.
Ja. Die Firma ist, in meinen Augen, absolut Ergebnisorientiert.
Das ist der Unterschied zu anderen Wellness Veranstaltungen.
Herzlich
Sebastian Gronbach
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